Verblüffend: Dieses Restaurant-Konzept verrät, wie Zukunft gemacht wird

PrototypEin Restaurant ohne Koch ist … eine sehr, sehr gute Idee! Finden wir jedenfalls. Nicht, dass es ab sofort jedes Restaurant so machen sollte wie das „laden ein“ in Köln. Aber inspirieren lassen, das dürfen Sie sich von diesem stationären Pop-up-Restaurant allemal. Und zwar weit über die Grenzen der Gastronomie hinaus.

Die Idee: Alle 14 Tage bewirtet ein anderes Team mit einem anderen Konzept die Gäste. Auf der Website und auf dem Schild über dem Restaurant stand zuletzt „Locura laden ein“. Davor hieß es „Mashery Hummus Kitchen laden ein“. Und davor „Big Hug BBQ laden ein“. Das heißt: Nicht nur das Menü, sondern auch Koch, Kellner, Küchenhelfer und das komplette Konzept werden regelmäßig ausgetauscht. Was konstant bleibt: Ein stilvoll eingerichteter Gastraum und das „laden ein“.

Vier Dinge begeistern uns dabei

Erstens: Würden wir in Köln wohnen, wären wir Dauergast. Denn wir sind neugierige Menschen und fänden es spannend, alle 14 Tage eine komplett neue Menükarte zu testen. Außerdem können wir bei diesem Restaurant sicher sein, dass die Akteure in ihren knappen 14 Tagen ihr Bestes geben, um ihre Chance zu nützen.

Zweitens: Jungunternehmer, die mit dem Gedanken spielen ein Restaurant aufzumachen, haben hier mit minimalem Aufwand die Chance, das Wasser zu testen, bevor sie hineinspringen.

Drittens: Etablierte Gastronomen können eine neues Konzept – sozusagen einen Prototyp – schnell und kostengünstig testen, während der Betrieb in ihrem etablierten Laden ungestört weiterlaufen kann.

Viertens und am wichtigsten: Dieses Restaurant eröffnet einen Blick in die Zukunft, weit über das Gastro-Business hinaus. Es zeigt, wie Unternehmen künftig Innovationen erschaffen werden. Nämlich nicht mit dem guten alten, linearen, starren Prozess nach dem Muster: Konzept entwickeln – investieren – produzieren – verkaufen und aufs Beste hoffen. Sondern mit einem schnellen, cleveren, flexiblen, iterativen Prozess im Sinne des Design Thinking.

Reality Check mit Prototyp

Das bedeutet: Anstatt die ideale Lösung vorab zu erdenken und erst dann zu realisieren, wird es immer wichtiger, schon sehr früh erste Prototypen in der Realität zu testen – obwohl klar ist, dass sie noch ihre Makel haben. Und dann Feedback vom Kunden zu sammeln und sofort die nächste, verbesserte Version herauszubringen: Ideenfindung – Prototyping – Reality Check – Nachjustierung – und wieder von vorne … Sehr schnell, sehr flexibel, sehr nah am Kunden.

Die Studie „Most Innovative Companies 2015“ der Boston Consulting Group bestätigt unsere Überzeugung, dass dieses iterative Vorgehen dem althergebrachten Entwicklungsprozess haushoch überlegen ist: „Fast innovators test prototypes with customers.“ Und sie haben dabei keine Scheu vor den Schwächen der unfertigen Produkte. Denn die unmittelbaren Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge der Kunden sind so wertvoll, dass das Produkt auf diese Weise viel besser und viel schneller marktreif wird.

Und das Risiko eines Flops mit hohen Investitionsverlusten wird gleichzeitig auf ein Minimum reduziert: „Fail fast and fail cheap!“

Allerdings: So einleuchtend dieser Ansatz ist, er hat seine Tücken in der Umsetzung. Denn in vielen Unternehmen, vor allem im deutschsprachigen Kulturkreis, gibt es erheblichen Widerstand, wenn es darum geht, den Kunden ein „unfertiges“ Produkt, sprich einen Prototyp, vorzulegen. Sie kennen das bestimmt!

Dennoch: Wir sind uns sicher, dass der Druck auf das Innovationstempo so hoch bleiben wird, dass wir iterative Prototyping-Innovationen künftig in allen Branchen noch viel öfter sehen werden.

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