Warum Ablehnung nicht Ablenkung werden darf

AblehnungPeter war nach seinem Vortrag fix und fertig. Da war dieser Typ, vorne rechts in der zweiten Reihe. Wenn der Saal lachte, verzog er keine Miene. Er starrte nur nach vorne, wie durch Peter hindurch. Der Vortrag gefiel ihm offensichtlich überhaupt nicht. Seine Ablehnung war deutlich zu spüren.

Mit seiner negativen Ausstrahlung zog er den ganzen Vortrag hindurch Peters Aufmerksamkeit auf sich. Eine ganze Stunde lang. Immer wieder schaute Peter hin, sah das verdrießliche Gesicht dieses Mannes und ärgerte sich. Ja, und gleichzeitig ärgerte sich Peter über sich selbst, dass er so fixiert auf diesen Typen war.

Peinlich, peinlich

Anschließend signierte Peter Bücher. Eine erfreuliche Schlange hatte sich gebildet, doch plötzlich stutzte Peter. Vor ihm stand der Griesgram und wollte ein Buch signieren lassen.

Peter konnte es sich nicht verkneifen, ihn anzusprechen: „Oh, Sie sind mir vorhin aufgefallen. Und ehrlich gesagt hatte ich Sie hier nun wirklich nicht erwartet. Ich hatte den Eindruck, dass es Ihnen heute Abend überhaupt nicht gefallen hat.“

Der Mann blickte nach unten. Ein tiefer Atemzug. Dann sagte er: „Nein, nein, das ist es nicht. Nur … wissen Sie, ich musste heute unseren Hund einschläfern lassen. Und … ich kann seinen letzten Blick nicht vergessen. Die Kinder waren auch mit dabei. Und, naja, das alles hat mich viel mehr mitgenommen, als ich gedacht hatte.“

Peter schwieg betroffen.

„Aber die Veranstaltung heute Abend“, fuhr der Mann fort, „die wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Und ich bin froh, dass ich gekommen bin. Vielen Dank nochmal für Ihren Vortrag! Ich habe viel für mich persönlich mitgenommen!“

Das war der Moment, an dem Peter am liebsten hinter dem Büchertisch im Erdboden verschwunden wäre.

Ablehnung? – Es passt halt nicht!

Später am Abend hatte Peter eine längere Zugfahrt und viel Zeit zum Nachdenken. Der Vorfall nagte an ihm. Warum nur hatte er so destruktive, unzutreffende Schlüsse aus dem Verhalten des Mannes gezogen?

Zwei wichtige Lektionen lassen sich aus diesem Erlebnis ableiten – und die möchten wir gern mit Ihnen teilen.

Erstens: Wir können den Menschen nur vor den Kopf schauen und nicht dahinter. Dennoch sitzen wir häufig dem Irrtum auf, dass unsere Wahrnehmung und unsere Interpretation der Wirklichkeit stimmen. Aber unsere Interpretation ist immer nur eine subjektive Deutung von etwas und deshalb mit entsprechender Vorsicht zu genießen.

Und zweitens: Für jeden von uns gilt, egal, ob wir einen Vortrag halten, bei einem Meeting einen Standpunkt vertreten, einen Kollegen oder Vorgesetzten von unserer Idee überzeugen wollen oder beim Kunden eine Produktpräsentation machen: Wenn unter unseren Zuhörern jemand sitzt, der nicht mitgeht, nicht interessiert ist oder gar seine Ablehnung zeigt, dann ist es keine gute Idee, mit allergrößtem Nachdruck zu versuchen, diesen Menschen doch noch zu überzeugen und für sich zu gewinnen.

Sparen Sie sich die Energie!

Fokussieren Sie sich lieber auf diejenigen, die offen und wohlwollend sind.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und nicht für seine Ideen und Überzeugungen zu kämpfen.

Aber es ist doch so: Es kann viele Gründe geben, warum jemand skeptisch oder ablehnend dreinschaut. Vielleicht ist heute nicht sein Tag. Vielleicht gehen ihm andere Dinge im Kopf herum. Vielleicht ist etwas passiert. Vielleicht ist ihm bereits alles klar und er denkt schon weiter. Vielleicht ist das, worüber Sie sprechen, einfach nicht sein Thema. Vielleicht wurde er vom Chef dahin beordert und will eigentlich lieber ganz woanders sein. – Es gibt hundert mögliche Gründe. Es passt halt einfach gerade nicht.

Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Diskrepanz aufzulösen. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, richtig gute Arbeit abzuliefern und mit Elan, Engagement und voller Energie für diejenigen etwas zu leisten, für die es passt.

Denn die Energie, die wir aufwenden, um Menschen umzustimmen, für die unsere Arbeit schlichtweg nicht passt, ist gestohlene Zeit von den Menschen, denen unsere Arbeit viel bedeutet.

Und es ist auch von uns selbst gestohlene Zeit.


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