Vormundschaft und Fettsteuer

Kontrolle und Vormundschaft16 Kronen pro Kilo müssen die Dänen drauflegen, wenn sie Lebensmittel kaufen, die gesättigte Fette enthalten. Das sind umgerechnet 2 Euro und 15 Cent, und sie gehen an den dänischen Staat – als Fettsteuer. Finden Sie diese Art der Kontrolle gut?

Die UNO findet das hervorragend und sie fordert von den Politikern der Industriestaaten noch mehr davon: Steuern auf Lebensmittel mit hohem Anteil an Fett, Salz und Zucker. Steuern auf Limonaden mit hohem Zuckergehalt und so weiter. Ungarn hat so eine Steuer verabschiedet. Rumänien, denkt darüber nach. Frankreich hat eine Cola-Steuer eingeführt. Braucht Deutschland das jetzt endlich auch? Immerhin sind hierzulande 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen übergewichtig. Und der Kampf gegen Diabetes und andere Folgen von Fettleibigkeit kostet uns alle Unsummen.

Das ist so.

Also müssen wir es regeln. Menschen per Vorschrift und Kontrolle davon abhalten, dass sie sich vollfressen und ihre Gesundheit zugrunde richten.

Kollektives Misstrauen

Tatsächlich? Funktioniert es nur so? Ist das regelnde Eingreifen in das Leben der Menschen der einzige Weg, uns vor uns selbst zu schützen? Sind wir so unverantwortlich, dass kollektives Misstrauen automatisch zur Grundlage von Gesetzen und Regeln werden muss?

Dieses Menschenbild, das sich in solchen Vormundschaftsregeln zeigt, finden wir ABSCHEULICH. Es geht uns ungeheuer gegen den Strich! Anstatt den Menschen prinzipiell zu vertrauen, dass sie mit ihrer Freiheit verantwortlich umgehen können, wird ihnen kollektiv misstraut. Dieses Menschenbild ist vor allem eins: existenzsichernd für diejenigen, die sich die Vorschriften ausdenken.

Vor uns selbst schützen? Wir wollen selbst entscheiden!

Die gute Absicht, uns vor uns selbst zu schützen, wollen wir gar nicht leugnen. Aber unsere persönliche Meinung ist: Wir wollen selber entscheiden, was gut für uns ist und was nicht! Und wir können das – was man dort gut beobachten kann, wo wir noch die Freiheit hätten uns selbst zu schaden, zum Beispiel auf den Skipisten. Es gibt kein Gesetz und keine Steuer, die Menschen dazu zwingt, sich einen Helm aufzusetzen, wenn man Skifahren oder Snowboarden geht. Ausreichende Information über schlimme Unfälle mit Kopfverletzungen haben vollkommen ausgereicht, denn die meisten Menschen handeln vernünftig, wenn es ein entsprechendes Angebot an bezahlbaren und nicht gar so hässlichen Helmen gibt. Heute sieht man auf den Pisten nur noch ein paar sehr alte Skifahrer ohne Helm. Und die entscheiden das einfach selbst. Also: Es geht.

Tief verwurzelte Kontrollstrukturen

Genau dieses Menschenbild, das uns nicht zutraut, selbstverantwortlich zu entscheiden und zu handeln, herrscht auch in vielen Unternehmen vor. Da wird einfach alles vorgeschrieben und geregelt: Reisekostenabrechnung, Arbeitszeit, Arbeitsort, Arbeitsmittel, Arbeitszuteilung, Arbeitskleidung. Alles starr und einheitlich. Keiner, der auf dem Macbook arbeiten darf statt auf dem Windows-PC. Keiner, der am Feiertag arbeiten darf und dafür an einem beliebigen Dienstag freinehmen kann. Keiner, der morgens um fünf oder erst mittags um zwölf zur Arbeit kommen kann, weil er dann besser drauf ist. Keiner, der sich Projekte und Aufgaben selbst aussuchen kann. Das wäre alles möglich. Aber nicht in diesen Unternehmen. Die Kontrollstrukturen sind tief in der Firmen-DNA verwurzelt, denn man glaubt, dass Menschen mit Freiheit nicht umgehen können.

Fehlverhalten Einzelner als Argument zur Kontrolle

Das beste Argument für die Vormundschaftsbefürworter ist immer das Fehlverhalten Einzelner: Seht ihr: Ich hab‘s ja gleich gesagt, die Leute können es ja nicht! Schaut euch um! – Wer aber lieber eine Vertrauenskultur haben will, der muss als Führungskraft erstmal die Fähigkeit entwickeln, das Fehlverhalten einzelner auszuhalten. Einfach aushalten! Daraus folgt nämlich nicht automatisch, dass man alles vorschreiben muss!

Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir für die Einschränkung von Freiheit einen irre hohen Preis bezahlen: Es gibt eine negative Korrelation zwischen Einschränkung und Gängelung einerseits und Engagement und Leidenschaft andererseits. Wir können nicht beides haben!

Nicht nur das Engagement und die Leidenschaft der Menschen bleiben in einem solchen Umfeld der Kontrolle auf der Strecke. Ebenso ihre Initiative und Kreativität. Und die entscheidende Frage, die sich jede Organisation stellen muss, lautet: Können wir uns das überhaupt noch leisten?

Auch wenn es der anspruchsvollere Weg ist: Wir haben etwas gegen all die Gängelungen in Arbeitswelt und Gesellschaft. Wir bekennen uns: Zu Freiheit in Verantwortung!

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