4 Fragen an Bas Kast

Bas Kast - Handwerk der KreativitätBas Kast ist Autor des Buchs „Und plötzlich macht es KLICK!: Das Handwerk der Kreativität.“ Ein Klasse-Titel, der uns elektrisiert hat. Natürlich wollten wir genau wissen, wie es denn öfter mal „Klick!“ im Oberstübchen machen kann und woher die guten Ideen kommen. Also haben wir dem Mann mit dem ungewöhnlichen Namen vier Fragen gestellt:

Bas Kast im Interview

1. Sie haben für “Und plötzlich macht es KLICK!: Das Handwerk der Kreativität” die neusten Erkenntnisse der Kognitionspsychologie und Hirnforschung ausgewertet. Was hat Sie selbst dabei am meisten überrascht?

Bas Kast: Wir sprechen ja von den „Kreativen“, von „Querdenkern“ und „Genies“, so als wäre Kreativität in erster Linie eine Eigenschaft, die man hat oder leider eben nicht. Ich selbst dachte auch lange so. Gerade viele neuere Studien zeigen aber: Ob sich die Kreativität eines Menschen entfaltet oder nicht, hängt auch entscheidend davon ab, in was für einer Umgebung er oder sie sich befindet.

Man muss das Gehirn immer wieder wachrütteln. Eine Umwelt zum Beispiel, die uns überrascht, die unser Gehirn mental schockiert, flexibilisiert das Denken.

2. Sie schreiben, dass das Ungewohnte die Phantasie beflügelt. Das klingt gut, aber auch ziemlich abstrakt. Können Sie uns mit einem Beispiel erklären, was es damit auf sich hat?

Bas Kast: Hier zwei Beispiele, erstens: Je länger eine Person im Ausland gelebt hat, desto besser schneidet sie in diversen Kreativtests ab. Warum? Unter anderem, weil man im Ausland ständig mit Ungewohntem konfrontiert wird. Sie werden regelrecht gezwungen, wieder genau auf die Welt zu sehen. Sie können nicht immer auf Autopilot schalten und sagen: Ah, kenn ich schon! Das regt die Phantasie enorm an.

Zweitens: Mitarbeiter, die Kontakte außerhalb ihrer eigenen Arbeitsgruppe oder Abteilung pflegen, haben, wie Studien offenbaren, auffallend oft die besten Ideen. In andere Abteilungen hineinschnuppern ist wie eine Auslandsreise en miniature: Man trifft eher auf unvertraute Gedanken, was wiederum das eigene Denken aufmischt und inspiriert.

3. Angenommen ich habe als Chef eine Truppe kreativer Tiefflieger vor mir. Was kann ich tun, um daraus ein schlagkräftiges kreatives Team zu machen?

Bas Kast: Wenn Sie wirklich nur Tiefflieger haben, haben Sie schlechte Karten. Aber da wäre ich mir nicht so sicher: Ist die „Truppe“ vielleicht bloß nicht motiviert? Haben diese Mitarbeiter eventuell keine Freiräume? Werden Fehler (allzu sehr) bestraft? Wenn Sie das Interesse und den Ehrgeiz Ihrer Mitarbeiter wecken können, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie es doch nicht mit Tieffliegern zu tun haben.

Okay, was können Sie jetzt noch tun? Die Interaktion in Schwung bringen. Dabei gilt: Brainstorming bringt nicht viel – weitaus wichtiger ist der tägliche, spontane Austausch. Das können Sie beispielsweise mit Hilfe von „Attraktoren“ im Gebäude fördern: eine Kaffee-Ecke, Kickertische, was auch immer. Hauptsache, es gibt Orte, wo die Leute gerne hingehen, wo man sich trifft und austauscht. Deshalb wollte Steve Jobs beim neuen Zentralgebäude für das Animationsunternehmen Pixar nur einen WC-Bereich!

4. Und jetzt die Multi-Millionen-Euro-Frage: Was ist etwas, das jeder von uns einfach und wirksam tun kann, um die eigene Kreativität zu erhöhen?

Bas Kast: Es gibt da leider keine einfache Technik – (hohe) Kreativität ist nicht einfach. Das allerwichtigste ist, erstens, jene Nische zu finden, in der die eigenen, individuellen Talente am besten zur Geltung kommen. Dazu muss man sich selbst beobachten und ehrlich einschätzen.

Oft heißt es, zwei oder noch mehr Anlagen in sich aufzuspüren und diese in produktiver Weise zu kombinieren. Steve Jobs war weder ein genialer Ingenieur noch ein Künstler – es war die geglückte Kombination dieser beiden Anlagen, die zu Computern und zu iPhones führten, die einfach verdammt schön sind, die man haben und anfassen will.

Mark Zuckerberg ist nicht einfach nur ein Programmierer (das sind viele), sondern auch ein Psychologe – nur diese Kombination konnte Facebook hervorbringen.

Zweitens: Kreativität ist, selbst wenn man seine Nische gefunden hat, immer noch harte Arbeit. In der Forschung spricht man von der „Zehn-Jahres-Regel“: Im Schnitt bedarf es zehn Jahre Übung an den Grenzen der eigenen Fähigkeiten, um es zur kreativen Meisterschaft zu bringen.

Drittens: Pflegen Sie einen Arbeitsstil, bei dem auch die Entspannungsphasen zur Geltung kommen. Das heißt Pausen, die für die Arbeit gedacht sind. Ruhestunden – wirklich: Stunden! Oder sogar Tage, an denen Sie in einem entspannten, reflektierten Modus über Ihre Probleme nachsinnen. Die besten, originellsten Ideen kommen uns in solchen Momenten, wenn wir nicht mit ihnen rechnen.

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Und plötzlich macht es KLICK!: Das Handwerk der Kreativität

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