Titus Dittmann

Interview mit Titus Dittmann

Er ist “young at heart” und genau das macht das Gespräch mit ihm so ungeheuer erfrischend und lebendig. Der Unternehmer aus Münster gilt als “Vater der deutschen Skateboard-Szene”.

Ende der 70er beginnt er als junger Lehrer, Skateartikel aus Kalifornien zu importieren und verkauft sie zum Selbstkostenpreis an seine Schüler. Es ist der Beginn seiner Firma, die schnell zum europäischen Marktführer aufsteigt. Dieser Aufstieg wird im Jahr 2000 mit dem Börsengang ‘gekrönt’. Doch das wird zum herben geschäftlichen Rückschlag und die Titus AG kämpft ums Überleben. Ende 2006 beschließt Dittmann, alles auf eine Karte zu setzen, verpfändet Haus und Lebensversicherung, kauft die Firma wieder zurück und schreibt heute wieder schwarze Zahlen.

Der “Lord of the Board” ist zweifelsohne geschäftstüchtig, hat aber auch eine sehr soziale Ader. So finanziert er eine Vielzahl sozialer Projekte für junge Leute. „Skateboarding kennt weder Grenzen noch Krieg, Hautfarbe oder Hass, arm oder reich: Skateboarding verbindet und wirkt insbesondere in der Orientierungsphase bei Jugendlichen extrem sinn- und identitätsstiftend“, lautet sein Credo.

Titus, die erste Frage drängt sich geradezu auf, wenn wir Dein so gar nicht unternehmertypisches Outfit anschauen: Wie äußert sich Dein Wunsch, gegen den Strom zu schwimmen, in der täglichen Praxis im Unternehmen? Tust du Dinge, die man so nicht im BWL-Lehrbuch finden würde?

Titus Dittmann: Na klar, da gibt es einiges. Zum Beispiel Einstellungsgespräche. Als ich die noch selbst gemacht habe, habe ich immer gesagt: Deine Zeugnisse kannst Du gleich in der Tasche lassen, die will ich gar nicht sehen! Ich weiß doch, wie Noten zustande kommen – ich war ja selbst mal sechs Jahre lang Lehrer. Das hat dann dazu geführt, dass ich von der Stadt Münster immer mal wieder schwer erziehbare Jugendliche vermittelt bekommen habe, weil die sonst keiner haben wollte. Mich interessiert eben vor allem, ob der Mensch, mit dem ich spreche, für etwas brennt.

Du warst also Lehrer, als du vor drei Jahrzehnten deine Firma gegründet hast. Ist es ein Vorteil, wenn man quasi unverdorben an das Abenteuer Unternehmertum herangeht?

Titus Dittmann: Mir hat das auf jeden Fall geholfen. Dieser ganze Ballast der BWL-Theorien stand mir erst gar nicht im Weg. Den Begriff „Best Practices“ beispielsweise, den kannte ich gar nicht. Jetzt, wo ich weiß, was damit gemeint ist, kann ich nur sagen: Finde ich totalen Quatsch. Du kannst in Deiner Branche nicht irgendeine wirklich coole Sache machen, wenn Du andere imitierst. Meine Überzeugung ist: Man muss neue Wege gehen, wenn man besser sein will als die anderen.

Du hast in einem Interview mal gesagt: „Je bekannter man ist, desto mehr polarisiert man. Entweder man hat Fans, die für einen durchs Feuer gehen, oder man wird gehasst.“ Wie gehst Du damit um, dass es Menschen gibt, die Dich anfeinden?

Titus Dittmann: Je bekannter Du bist, desto mehr wirst Du angefeindet. Und ich war auf jeden Fall erfolgsverwöhnt. Es gab eine Zeit, da hielt ich einen Marktanteil von 95 Prozent für ganz normal und habe mich gefragt: Warum hast Du eigentlich keine 100 Prozent? Gleichzeitig wurden ehemalige Mitarbeiter zu Konkurrenten. Ich hatte meine eigenen Wettbewerber ausgebildet. So fühlen sich Eltern, deren Kinder in die Pubertät kommen. Das hat mich früher persönlich getroffen, weil ich sehr viel Herzblut in die Arbeit gesteckt habe. Heute sehe ich das gelassener. Natürlich nicht bei berechtigter Kritik – die nehme ich ernst. Aber Anfeindungen, die prallen an mir ab. In diesem Zusammenhang waren der gescheiterte Börsengang meines Unternehmens und die damit verbundene Krise ganz wichtige Erfahrungen für mich persönlich.

Authentizität spielt in Deinem Geschäft eine entscheidende Rolle. Wie geht das mit zunehmendem Erfolg und Alter?

Titus Dittmann: Lacht. So nach dem Motto: Du bist doch so ein alter Sack – wie funktioniert denn das mit Dir und Deiner jugendlichen Zielgruppe? Klar bin ich ein alter Sack – ich bin 61. Ich verhalte mich altersgemäß und bemühe mich, nicht krampfhaft den Berufsjugendlichen zu spielen. Ich fahre ja auch nicht mehr in der Halfpipe. Trotzdem ist Authentizität irre wichtig, nicht nur in meinem Business, sondern generell. Anstatt nach den dicksten Erträgen zu schielen, sollte man sich lieber fragen: Wofür brenne ich, was treibt mich an? Das ist es, was man in die Geschäftsidee einbringen muss.

Abschließend eine der Fragen, die wir immer wieder gern stellen: Hast Du ein Lebensmotto?

Titus Dittmann: Ich glaube, es gibt nicht ein einziges Motto, das Dein ganzes Leben lang gilt. Es ändert sich je nach Lebensabschnitt. Aber was für mich immer schon wichtig war: Ich setze mir Ziele. Die Ziele sind hoch gesteckt, aber nicht zu hoch – also immer so, dass ich sie erreichen kann. So wie bei einem Esel, dem die Karotte vor der Nase hängt. Kurz vor Erreichen des Ziels lege ich die Latte höher und habe damit wieder das nächste Ziel vor Augen. Meine Überzeugung ist: Wer im Leben sein Ziel erreicht, hat es nicht hoch genug gesteckt.

Vielen Dank für das Gespräch Titus und alles Gute!

__
Titus bei Wikipedia
Titus’ Stiftung Skate-Aid

Das Buch “Brett für die Welt”

Ähnliche Beiträge:

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Email this to someone

WERDEN SIE VIP!VIP-Newlsetter
Schließen Sie sich 30.000+ Lesern unseres Backstage Reports an. Exklusive Inhalte. Alles, außer gewöhnliche Ideen. Plus VIP Status, Einladungen und Gratis-Bücher. Nie Spam. Immer nur Gutes.