Warum der Steinzeit-Boss so selten DANKE sagt

Warum der Steinzeit-Boss sich selten bedankt

„Also ihr Vortrag…“ Der Mann, der vor Anja steht, holt tief Luft. „Also, ich wollte, äh…“ Jetzt, nachdem Anjas Vortrag vorbei ist und sich die Gäste im Foyer zum Imbiss zusammenfinden, will er ihr noch etwas sagen. Er wedelt mit der Hand in der Luft und sucht nach den passenden Worten: „Ich mache das ja nicht oft. Äh, also das ist gewissermaßen eine Ausnahme, wissen Sie…“

Anja lächelt ihm freundlich zu. Auf was will er hinaus?

„Also, ich wollte Ihnen noch sagen … also ihr Vortrag, der war net schlecht.“ Er hält inne, als wäre er sich nicht sicher, ob er sich gerade zu weit aus dem Fenster gelehnt hätte. Aber wie um seine Aussage zu bekräftigen, erklärt er: „Sie wissen ja, bei uns gilt die Haltung: Nicht geschimpft ist schon gelobt genug!

Dass er sich dieses Mal nicht an seine Regel gehalten hat, konnte als Ausdruck höchsten Lobs interpretiert werden.

Und dann setzt der Unternehmer sogar noch einen drauf: „Also, ja, ich wollte, nun ja, mich bedanken …“ und schüttelt Anja überschwänglich die Hand.

Und um an dieser Stelle gleich mit einem Vorurteil aufzuräumen: eine solche Haltung ist nicht nur für Schwaben typisch, sie ist weltweit verbreitet: “No news is good news,” sagt man in den USA. “L’absence de reproches est un compliment silencieux” (Der Mangel an Beschwerden ist eine stilles Kompliment) ist ein gängiger Spruch in Frankreich. “A menos que te digam o contrário, você está indo bem!” (Solange man dir nichts Gegenteiliges sagt, machst du deine Sache gut), sagt man in Brasilien.

Jeder weiß, dass Wertschätzung wichtig ist, und zwar nicht nur für das Wohlbefinden, sondern auch für die Wertschöpfung. Warum also ist sie so selten?

Weil in unseren Schädeln noch immer das gleiche Gehirn werkelt wie vor 30.000 Jahren! Es hat sich evolutionär nicht zum Zweck entwickelt, ein Team zu motivieren, sondern um seinem Besitzer zu ermöglichen den nächsten Tag zu erleben, während wilde Tiere mit großen Zähnen ihm nach dem Leben trachteten.

Stellen Sie sich einen Steinzeit-Optimisten vor, der zusammen mit seinem Kumpel, dem Steinzeit-Pessimisten durch den Wald läuft. Opti achtet entspannt und fröhlich auf die schönen Dinge: Er sieht Blumen und einen leckeren Pilz. Pessi ist angespannt, er traut dem Frieden nicht und beginnt schon beim kleinsten Geräusch davonzurennen oder auf Bäume zu klettern. Er sieht hinter jedem Busch einen gefährlichen Schatten.

Die positive oder negative Grundeinstellung hat Konsequenzen: Behält Opti recht, dann hatten die beiden einen schönen Tag. Behält Pessi recht, dann ist Opti tot, während Pessi auf einem Baum wartet, bis der Säbelzahntiger sich satt und zufrieden wieder verzogen hat. Nun können Sie raten, welcher der beiden mit höherer Wahrscheinlichkeit seine Gene und auch seine Grundeinstellung an die nächste Generation weitergibt.

Auch in anderen Bereichen zeigt sich der Fokus auf das Negative: Menschen arbeiten härter, um Verluste zu vermeiden, als Gewinne zu erzielen. Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman sagt: „Das Gehirn reagiert generell stärker auf einen negativen Stimulus als auf einen gleich starken positiven.“

ABER die biologische Tendenz zum Negativen ist trotzdem kein Schicksal und keine Ausrede! Sie können sich ein System bauen, das Sie täglich dabei unterstützt, diese Veranlagung zu überlisten und Wertschätzung in Ihr Team zu bringen. Zum Beispiel:

– Systematisch Mitarbeiter anrufen und sich bei ihnen bedanken, so wie Tom Mendoza.

– Systematisch nach Gegebenheiten suchen, wie einmal etwas hervorragend funktioniert hat – und dann diese Geschichten ins ganze Unternehmen tragen.

– Regelmäßig handgeschriebene Dankes-Nachrichten im Unternehmen verteilen so wie Douglas Conant, der als Chef von Campbell Soup ca. 30.000 davon geschrieben hat.

Kostet das nicht viel Zeit? – Ja!
Aber:

Wer nicht bereit ist, gute, außergewöhnliche Leistungen anzuerkennen, darf auch keine erwarten!

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