Robert Ehlert im Interview

Robert Ehlert - Unternehmer

Robert Ehlert ist unternehmerischer Serientäter. Mit 17 gründete er ein Unternehmen im Bereich Umwelttechnik. Danach baute er eine Beratungs- und Trainingsfirma auf. Heute ist er Vorstand der PackSynergy AG. In dem Augsburger Verpackungsgroßhandels-Unternehmen laufen viele Dinge anders als üblich. Auf Urlaubsregelungen, Zielvereinbarungen, und die üblichen Arbeitsverträge wird komplett verzichtet. Stattdessen gibt es Vertrauensvertäge. Die Mitarbeiter bestimmen selbst ihr Gehalt und bekommen für jede Idee, die sie umsetzen wollen, ihr eigenes Budget.

Was treibt Dich als Unternehmer an?

Robert Ehlert: Die Leidenschaft ist mein stärkster Antrieb. Ich liebe, was ich tue. Ausserdem wollte ich immer, dass die Menschen, die mit mir zusammenarbeiten, auch diesen Spaß an der Sache erleben. Eine andere Frage, die ich mir immer wieder stelle: Welche meiner Stärken, welches Können lässt sich vermarkten? Meiner Überzeugung nach sind das zwei Talente: Erstens, das Verkaufen und zweitens die Gestaltung von Unternehmenskulturen, in denen Menschen gern arbeiten. So entstand das Beratungs-Trainingsunternehmen „Die Lustarbeiter“, das Mitarbeiter und Führungskräfte zu Lustarbeitern ausbildet. Damit das funktioniert, brauchen Unternehmen eine Vertrauenskultur und unsere Aufgabe war es, Unternehmen dabei zu begleiten, eine solche Kultur zu schaffen. Extrem spannend! So haben wir beispielsweise ein städtisches Schwimmbad, das kurz vor dem Konkurs stand, wieder in die Gewinnzone gebracht. Ein ganz neuer Abschnitt in meiner Unternehmerlaufbahn begann 1998, als ich den Auftrag bekam, einen Verpackungsgroßhandel zu sanieren. Mir gefielen die Produkte und die Vielseitigkeit in diesem Business. Das Unternehmen hatte damals 14 Mitarbeiter und 6 Mio. Mark Umsatz. Daraus enstand die PackSynergy AG mit heute 1.200 Mitarbeitern und einem Aussenumsatz aller Mitglieder und Partner von 240 Mio. Euro.

Bei der PackSynergy AG laufen viele Dinge anders als üblich. Es gibt keine unnötigen Regeln, Mitarbeiter haben Vertrauensverträge, es gibt keine Urlaubsregelung, keine Zielvereinbarungen und die Förderung der Mitarbeiter erfolgt nach eigenem Wunsch. Warum stellt Ihr tradierte Managementpraktiken auf den Kopf und was ist das Ergebnis?

Robert Ehlert: Ja, das stimmt. Bei gibt es keine unnötigen Regeln und es gilt maximale Selbstbestimmung für jeden Mitarbeiter. Jeder Bereich, so zum Beispiel die Buchhaltung, legt die Regeln so fest, wie es Gesetzen oder Notwendigkeiten entspricht. Der Bereich darf aber keine Regeln festlegen, die demotivieren oder andere in ihrer Arbeit behindern.

Mir machen traditionelle Managementpraktiken wenig Spaß und ich finde sie auch teilweise in der Umsetzung sehr anstrengend. Ich denke da speziell an Zielvereinbarungen. Es strengt als Chef an, wenn Du 50 Mitarbeitern ihre Ziele überzeugend verkaufen musst. Im Normalfall will der Mitarbeiter dies gar nicht.

Ich finde es viel besser, die Erwartungen in einem Vertrauensvertrag sauber abzustimmen. Der Mitarbeiter hat in erster Linie die Erwartung, dass er für seinen Einsatz Annerkennung und eine faire Bezahlung erhält. Der Chef erwartet einen Tausendsassa, der alles kann und am besten so ist, wie er selbst. Das führt zwangsläufig zu Kommunikationsstörungen. Wir beugen deshalb wie folgt vor: Unser Arbeitsvertrag heißt Vertrauensvertrag und wird auf einem weißen Blatt Papier verfasst. Das Papier wird in zwei Hälften geteilt. In die obere Hälfte schreibe ich meine klar formulierten Erwartungen an die Position. Zum Beispiel: welches Können und Know-How erwarte ich? Wann werde ich sauer? Und vor allem beschreibe ich genau, welches Verhalten ich nicht toleriere und was folglich zu einer Kündigung führt. In die untere Hälfte schreibt der Mitarbeiter seine Erwartungen an mich, das Unternehmen, seinen Arbeitsplatz, an den Urlaub, sein Wunschgehalt – dies ist der Preis, den ich als Chef bezahle, um meine Erwartungen erfüllt zu bekommen – wann er sich demotiviert fühlt, usw.

Das wird gemeinsam unterschrieben. Somit ist immer klar, dass wir nicht für körperliche Anwesenheit bezahlen, sondern für Ideen, Know-How, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft. Das Ergebnis ist organisches Wachstum, finanzieller Erfolg und eine sehr gute Stimmung. Jeder Kunde spürt das.

Bei PackSynergy gilt: Jede Idee hat ein Budget. Wie funktioniert das?

Robert Ehlert: Ich habe die Kernpunkte hier zusammengefaßt (zeigt uns ein A4 Blatt).

Mitarbeiter legen ihr Wunschgehalt fest. Lässt sich das denn bezahlen?

Robert Ehlert: Ja, jeder kennt die Zahlen der Firma und richtet sich danach aus. Die meisten haben eine ziemlich gesunde Selbsteinschätzung. Ausserdem erhalten sie Anteile am Gewinn.

Und dann habt Ihr noch einen Ideen-Kapital-Topf. Wie funktioniert der denn?

Robert Ehlert: (lacht) Auch hier habe ich schon mal was vorbereitet (zeigt uns ein anderes Blatt).

Ihr verzichtet bewusst auf Instrumente und Methoden der Personalentwicklung. Warum?

Robert Ehlert: Die meisten Methoden der Personalentwicklung erwecken den Anschein, ein Unternehmen könnte die Menschen “nacherziehen” oder “umerziehen”. Wir wollen aber an niemanden rumschrauben oder ihm erklären, was für eine Pfeife er ist. Die Mehrheit der Mitarbeiter merkt selbst, wann sie für eine Aufgabe zusätzliches Wissen oder Ausbildung braucht. Es gibt ja ausreichend Trainer und Berater für alle nur denkbaren Spezialthemen. Da können sich die Kollegen das aussuchen, was sie benötigen.

Wir wollen den selbstbestimmten Mitunternehmer und da macht es wenig Sinn, ihm dann per Personalentwicklungsinstrument zu sagen, was er zu tun hat.

Hast Du ein Lebensmotto, das Dich und Deine Lebenseinstellung beschreibt?

Robert Ehlert: Ja, ein Zitat von Sebastien Chamfort hat mich sehr inspiriert: “Die Leidenschaftlichen leben, die Vernünftigen halten bloß durch!”

Robert, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

(Hinweis: Dieses Interview wurde 2011 geführt)

Ähnliche Beiträge:

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Email this to someone

WERDEN SIE VIP!VIP-Newlsetter
Schließen Sie sich 30.000+ Lesern unseres Backstage Reports an. Exklusive Inhalte. Alles, außer gewöhnliche Ideen. Plus VIP Status, Einladungen und Gratis-Bücher. Nie Spam. Immer nur Gutes.