Nichts ist inspirierender als…

Nichts ist inspirierender als ein weißes Blatt Papier

Wir haben aufgeräumt. Auch in den hintersten Ecken und höchsten Regalen in unserem Büro – in die Hand fielen uns dabei erstaunlich viele Visitenkarten, die wir nach dem Heimkommen zwar immer gleich elektronisch erfasst, aber nie gezählt hatten. Das taten wir jetzt und stellten verblüfft fest, dass wir im abgelaufenen Jahr von unseren Vortragsevents rund 7.500 Visitenkarten mitgebracht hatten.

Noch verblüffter waren wir, dass auf circa 7.498 davon eine Faxnummer stand. Wir schauten uns an: Wozu das denn?

Wir konnten uns beim besten Willen nicht daran erinnern, wann wir zum letzten Mal ein Stück Papier in einen Apparat gesteckt hatten, damit ein weiteres Stück Papier beim Empfänger wieder rauskommt.

Also: Wozu das denn?

Ganz einfach: Weil irgendwann Anfang der 1980er beschlossen wurde, dass Faxnummern auf Visitenkarten gehören, direkt unter die Telefonnummer. Das Fax war neu und modern und so viel schneller als einen Brief zu schreiben. Irgendwann kam eine Web-Adresse dazu. Und eine E-Mail-Adresse. Und in letzter Zeit finden wir sogar Twitter-Accounts auf Visitenkarten.

Allerdings: Die Faxnummer blieb. Sie klebte fest. Sie ist eine Art lebendes Fossil, das zwar in einigen Branchen immer noch als unverzichtbares Kommunikationsmittel gilt, aber in den meisten Bereichen längst den historischen Wert der „Gelben Seiten“ in der Schreibtischschublade hat.

Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Uns geht es hier nicht um den Sinn oder Unsinn von Faxgeräten. Es geht um etwas anderes. Nämlich um einen Geist der klebt – oder eben auch nicht.

Es ist doch erstaunlich, wie fest unser Geist an Dingen klebt, die kaum jemand mehr braucht, benutzt oder verlangt. Nur weil es schon immer so war. Und weil es uns so schwer fällt, etwas wegzulassen. Und das gilt eben nicht nur für Faxnummern auf Visitenkarten. Sondern auch für Prozesse, Richtlinien, Gesetze, Vorschriften, Überzeugungen, Handbücher, Regeln, Verfahren, Rituale…

Wenn Sie sich von all dem lösen wollen, brauchen Sie ein weißes Blatt Papier. Es gibt nichts inspirierenderes als ein weißes Stück Papier!

Denn wenn Sie etwas von Grund auf neu entwerfen, dann brauchen sie nichts wegzulassen – eben das, was Individuen und Unternehmen so schwer fällt, was uns so viel Angst macht. Sondern dann können Sie kreieren, entwerfen, hinzufügen – das fällt uns allen so viel leichter!

Die Frage ist also nicht: Was sollen wir streichen?

Die viel bessere Frage lautet: Was soll drauf, auf das weiße Blatt?

Löschen Sie die alte Website!
Werfen Sie das alte Design über Bord!
Schreddern Sie das alte Handbuch!
Den alten Prospekt!
Die bewährten Templates!
Das gewohnte Angebot!
Und dann: starten Sie bei nichts, null, weißes Blatt.

Dann können Sie erreichen, was der in Japan als „Gott des Managements“ verehrte Industrielle Kōnosuke Matsushita empfohlen hat: Torawarenai sunao-na kokoro – Einen Geist, der nicht klebt.

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