Müssen müssen oder wollen können

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„Also, die Ferrari-Welt, die MUSS man gesehen haben!“, sagte uns neulich ein Bekannter, der gerade von seiner Reise nach Abu Dhabi zurück war. Er erzählte uns begeistert von seinen Reise-Highlights, während wir in der Heidelberger Altstadt zusammen standen, wo wir ihn zufällig getroffen hatten.

Plötzlich stoppte er seinen Redefluss und schaute auf die Uhr. „Tut mir leid, aber ich MUSS jetzt weiter. Habe noch einen Termin.“

Kein Problem, man sieht sich. Dann sagte er noch: „Wir MÜSSEN uns unbedingt mal wieder treffen und zusammen essen gehen. Ich weiß, ihr MÜSST viel arbeiten, aber da gibt’s ein neues Restaurant in Neuenheim, wo man unbedingt mal gegessen haben MUSS, habe ich gehört … Also, ich MUSS dann mal …“

MUSS er wirklich?
MÜSSEN wir wirklich?
MÜSST Ihr wirklich?

Gut, wir geben es zu, wir sind da vielleicht ein wenig streng, wir sind eben manchmal Wortfetischisten. Aber mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort, damit verdienen wir nun mal unser Geld. Und hier geht es um mehr als um Wortklauberei. Es geht um den achtsamen Umgang mit Sprache! Denn unser Denken prägt unsere Sprache, unsere Sprache prägt unser Denken und irgendwann sind wir, was wir denken und sagen.

Konkret: Das Wort „müssen“ steht bei uns auf dem Index!

In den meisten Fällen müssen Sie nämlich überhaupt nichts. Gedankenlos sagt jemand „ich muss dies oder das“, dabei ist das gar nicht wahr. Sie müssen nicht, sondern Sie haben sich dazu entschieden. Niemand zwingt Sie, zu einer Veranstaltung zu gehen, niemand zwingt Sie, sie wieder zu verlassen – und dennoch sagt man oft: „Sorry, aber ich muss jetzt leider gehen …“ – Dabei wäre die nackte Wahrheit: „Ich will jetzt gehen!“

Gut, bei solchen Kleinigkeiten hört sich das vielleicht nach Haarspalterei an, aber so wie wir im Kleinen oft glauben zu „müssen“, so glauben wir das oft auch bei bedeutenderen Entscheidungen im Leben. Statt „Nein, ich will das nicht“, sagen und denken wir dann „Ich musste es so tun…“ – Und das ist dann oft unreflektiert, unehrlich und, ja, unverantwortlich!

Warum so harsch? –Vielen Menschen ist die aktive Rolle, die sie spielen, gar nicht bewusst. Sie erleben sich als Opfer der Umstände. Wenn X nicht wäre, dann würde ich ja Y … Würden sie aber anerkennen, dass sie die Gestalter ihres Lebens sind, dann würden sie es auch aktiv gestalten, dann würden sie wählen, dann würden sie nicht sagen „ich muss“, sondern: „ich will!“

Allerdings würde das bedeuten, dass sie dann auch die volle Verantwortung für ihre Taten und ihre Unterlassungen übernähmen … und genau das scheinen sie unbewusst vermeiden zu wollen.

Wer muss, der tut so, als sei kein Widerstand möglich. Er hofft damit auf den einfacheren Weg, denn so kommt er ja um die Begründung herum und gibt die Verantwortung für das Ergebnis ab: Jemand oder etwas bestimmt und er ist es scheinbar nicht. – Versuchen Sie es mal in einem solchen Fall mit der einfachen Gegenfrage: Wer hat gesagt, du musst?

Es ist eine interessante Übung: Stellen Sie Ihren inneren Alarm auf das Wort „müssen“ in all seinen Erscheinungsformen ein. Sie werden überrascht sein, wie oft der Alarm sich meldet: „Ich muss dann mal gehen.“ „Ich muss jetzt auflegen.“ „Ich muss noch Spanisch üben.“ „Ich muss zu der Konferenz.“ – Und dann formulieren Sie das um in einen Wollen-Satz mit selbstbestimmter Begründung: „Ich will gehen, weil ich morgen früh ausgeruht sein will.“ „Ich will jetzt auflegen, weil ich lieber mit meiner Tochter spielen will.“ „Ich will noch Spanisch üben, weil ich in die Niederlassung nach Valencia wechseln will.“ „Ich will zu der Konferenz, weil ich dort spannende Kollegen treffen werde.“

Und schon wird klar, dass wir so gut wie immer sehr wohl die Freiheit haben, unser Schicksal selbst zu bestimmen. In all den Kleinigkeiten, die zusammen genommen das Leben ausmachen. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass glückliche, zufriedene und erfolgreiche Menschen nicht alternativlos „müssen“, sondern bewusst unter den Alternativen auswählen.

So und jetzt müssen wir Schluss machen.

Äh…

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