Mehr als mehr: Dieser Magier war wirklich mies

nur wenn etwas Bedeutung für uns hat, sind wir mit ganzem Herzen dabei

Unser Kunde hatte sich für den Abend etwas ganz besonderes ausgedacht. Statt des üblichen Abendessens zum Ausklang der Tagesveranstaltung sollte es ein „magisches“ Abendessen sein. Ein ausgezeichnetes Menü, gewürzt mit magischen Überraschungen und verblüffenden Tricks zwischen den Gängen.

Dann der Auftritt des Magiers: Mit großen Gesten und viel Körpereinsatz reiht er Kunststück an Kunststück. Trick an Trick. Optische Täuschung an optische Täuschung. Nummer an Nummer. Ein echtes Feuerwerk.

Aber irgendwie bleibt die Atmosphäre im Raum seltsam blutleer. Das Publikum staunt, aber der Funke springt nicht über.

Interessant ist: Rein handwerklich gesehen ist der Magier gut. Er hat jede Menge Tricks auf Lager, die er einem nach dem anderen zum Besten gibt. Aber auf uns wirkt es so, als würde er versuchen, mit diesem „Mehr“ an Tricks das Publikum für sich zu gewinnen.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht das MEHR sondern das BEDEUTSAME. Diesen Unterschied deutlich zu machen, darauf kommt es uns an! Wir alle sitzen immer mal wieder dem Irrtum auf, dass wir glauben Bedeutsames zu tun, indem wir mehr machen. Wir lieben es, Dinge hinzuzufügen. Das ist zählbar, messbar, greifbar. Und es gibt uns das gute Gefühl, etwas getan und bewegt zu haben.

Das Hotel wählt MEHR statt BEDEUTSAM, wenn es das Frühstücksbuffet noch um die 8. Marmelade oder die 5. Müslimischung erweitert. Statt sich zu überlegen, wie man die Spiegeleier so genial, so liebevoll, so begeistert zuzubereiten kann, dass Menschen quer durch die Stadt fahren, um gerade diese grandiosen Spiegeleier zu essen!

Der Magier auf der Bühne wählt MEHR statt BEDEUTSAM, wenn er Nummer um Nummer um Nummer ergänzt. Statt sich zu überlegen, wie er mit einer einzigen Geste oder mit einem einzigen Kunststück der Phantasie seiner Zuschauer Flügel verleihen kann.

Wir alle wählen oft MEHR statt BEDEUTSAM.

Bedeutsames entsteht aber nicht durch MEHR. Bedeutsames entsteht durch Wachheit. Durch Aufmerksamkeit. Durch die ehrliche Beantwortung der Frage „Welche Dinge sind es wert, getan zu werden?“.

Denn nur wenn etwas Bedeutung für uns hat, sind wir mit ganzem Herzen dabei. Nur dann gehen wir an die Grenzen dessen, was möglich ist. Nur dann wagen wir Neues und entwickeln uns weiter.

Und wenn etwas keine echte Bedeutung für uns hat, ist es nur folgerichtig, damit aufzuhören. Denn nur so haben wir die Zeit, um wirklich Bedeutsames zu tun. Anderenfalls haben wir eben nur eine weitere Tätigkeit auf unserer Liste von Ganz-Okay-Dingen. Oder eben die 8. Marmeladensorte auf dem Buffet. Oder den 16. Zaubertrick im Programm.

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