Markus Hengstschläger

Interview mit Markus Hengstschläger

Mit 16 war er als Punk unterwegs, promovierte im zarten Alter von 24 Jahren und wurde mit 35 jüngster Professor für Genetik. Heute leitet Markus Hengstschläger das Institut für Genetik an der Medizinischen Universität Wien.

In seinem wunderbaren Buch “Die Durchschnittsfalle” erklärt er, warum der Durchschnitt eine evolutionäre Sackgasse ist und warum es zukünftig zur Norm werden muss, von der Norm abzuweichen.

Klar, dass wir mit diesem Mann sprechen mussten. In unserem Gespräch geht es um die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Genetik und was sie für die Wirtschaft und jeden von uns bedeuten.

Warum muss es zur Norm werden, von der Norm abzuweichen? Oder anders gefragt: Warum brauchen wir in Unternehmen und Gesellschaft mehr Peaks und Freaks?

Markus Hengstschläger: Umso mehr verschiedene Individuen in einem System sind, umso eher wird jemand unter uns sein, der eine Antwort auf eine Frage hat, die wir heute noch nicht kennen, weil sie aus der Zukunft auf uns zukommt. Der Durchschnitt wird zur Gleichmacherei herangezogen. Wenn aber Individualität fehlt und einer die Antwort nicht kennt, kennt sie keiner.

Kann man für einen Beruf „geboren“ sein?

Markus Hengstschläger: Nein. Jeder Mensch hat sein individuelles angeborenes, genetisches Rüstzeug. Das ist aber nichts wert, wenn man es nicht durch harte Arbeit entdeckt und durch üben, üben, üben in eine besondere Leistung (=Erfolg) verwandelt. Der Mensch ist nicht auf seine Gene reduzierbar. Er ist das Produkt der Wechselwirkung aus Genetik und Umwelt. Gene sind Bleistift und Papier, aber die Geschichte schreiben wir selbst.

Warum ist das Mitlaufen im Mittelmaß so beliebt?

Markus Hengstschläger: Ganz vorne und ganz hinten muss man sich behaupten, fällt man auf, muss man dafür gerade stehen, was man tut. Das beliebteste Argument, warum etwas nicht geklappt hat, warum man sich nicht mehr für etwas eingesetzt hat, warum man nicht initiativ geworden ist, ist: „Die Anderen haben es auch so gemacht!“

Eine Kernaussage Ihres Buchs lautet: „Besondere Leistungsvoraussetzungen können nur durch harte Arbeit entdeckt und in eine besondere Leistung umgesetzt werden.“ Können Sie das erläutern?

Markus Hengstschläger: In der Firma sitzen ein Elefant, eine Schlange und ein Affe. Der Chef kommt und sagt: „Heute haben wir folgendes Problem zu lösen. Wir klettern auf den Baum.“ Was soll der Elefant sagen: „Üben, üben, üben?“ Jeder Mensch sollte versuchen, seine individuellen Leistungsvoraussetzungen ideal einzusetzen. Das macht Peaks und fördert Erfolg.

Wenn Sie unseren Lesern eine Sache empfehlen könnten, die man aus Ihrem Buch mitnehmen sollte, was wäre das?

Markus Hengstschläger: „Fehlende intrapersonelle Intelligenz durch interpersonelle Intelligenz wettmachen.“ Man muss wissen, was man kann und was nicht. Und dann bedarf es sozialer Kompetenz, um jemanden dafür zu begeistern, mir bei den Dingen, die ich nicht kann, zu helfen.
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Eine Besprechung des Buchs “Die Durchschnittsfalle” finden Sie auf unserer Website “Die 99 besten Wirtschaftsbücher”

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