Lob der Faulheit

Kreative AuszeitKreativität benötigt „Slack time“. Mit diesem schwer zu übersetzenden Wort bezeichnet die englische Sprache eine Art „Freizeit während der Arbeitszeit“ oder auch kreative Auszeit genannt. In den meisten Unternehmen ist so etwas völlig undenkbar. Selbst wenn mal nichts zu tun ist, muss jeder immer pseudo-beschäftigt aussehen: Handy am Ohr, Laptop unterm Arm und beim Gehen noch schnell die aktuellen Absatzzahlen durchgeblättert. CMC nennt man diese Idiotie – kurz für Constant Multitasking Craziness. 

Pseudo-Beschäftigung

Wer es nicht glaubt, setze sich in seiner Firma mal zwischendurch ganz entspannt mit einem Espresso auf die Besuchercouch. Vielleicht kommt ihm bei diesem Espresso die beste Idee des Tages? Wer das kann und keine abschätzigen Blicke der Kollegen kassiert, hat es gut. In den meisten Unternehmen, die wir kennen, ist es besser für die Karriere, sich an den Computer zu setzen und Beschäftigung zu simulieren als zehn Minuten aus dem Fenster die Wolken zu beobachten und dabei eine wirklich geniale Idee zu haben. 

Aber nicht nur die Unternehmenskultur steht uns dabei im Weg. Wir selbst auch. Unser Drang, rund um die Uhr beschäftigt und erreichbar zu sein, ist der größte Feind des Nachdenkens. 

Große Ideen brauchen kreative Auszeit


Große Ideen sind aber niemals das Ergebnis von permanentem Beschäftigtsein. Sie entstehen nicht durch BE-Schleunigung, sondern durch ENT-Schleunigung. Durch nichts TUN müssen, sondern einfach SEIN dürfen. 

Ein solch „kreatives Nichtstun“, das zweckfreie spielerische Treibenlassen, muss in unserer modernen 24-Stunden Gesellschaft von vielen Menschen erst wieder erlernt werden. Da hilft oft nur die Selbstüberlistung: Sich einmal am Tag einfach auf die Coach setzen – mit Espresso in der Hand und ohne Handy am Ohr oder Laptop auf dem Schoß. Und nach Feierabend nicht noch mit Herzfrequenzmessgerät und Stoppuhr die persönliche Fitnessbestmarke verbessern – getrieben von den zwei wichtigen Lebensfragen „Bin ich aerob genug?“ und „Kann ich mehr Kilokalorien pro Stunde verbrennen als mein Aktienportfolio an Wert pro Tag zulegt?“ Sondern nach getaner Arbeit einfach locker durch den Wald traben und mental abschalten. 

Diese kurzen Auszeiten werden immer wichtiger, je weiter ständiger Wandel und verschärfter Wettbewerb den kreativen Anteil an der Arbeit jedes Einzelnen nach oben treiben. 

Menschen müssen lernen, sich selbst kreative Auszeiten zu genehmigen. Unternehmen müssen lernen, loszulassen und Räume des Zweckfreien zuzulassen. Denn gerade dort tut sich oft Entscheidendes. Der Klassiker ist hier der Geistesblitz, der frühmorgens unter der Dusche kam – und eben nicht Punkt neun am Schreibtisch. 

Fließbänder funktionieren auf Knopfdruck, Kreativität tut es nicht. 

Man kann Menschen dressieren, sich dem Rhythmus von Fließbändern anzupassen. Zur Kreativität abrichten lassen sich Menschen nicht.

Auszug aus 
“Nur Tote bleiben liegen”, von Anja Förster & Peter Kreuz
Wegen des großen Erfolgs jetzt auch als Taschenbuch erhältlich.
  

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