Jonglieren lernen

Angst vor MisserfolgWenn Autoren jonglieren lernen wollen, was machen sie dann? Richtig, sie kaufen sich ein Buch und bringen es sich damit selbst bei. So jedenfalls haben wir es gemacht. Das Buch heißt „Juggling for the Complete Klutz“ und ist große Klasse!

Einfach fallen lassen 

Als wir das Buch aufschlugen und loslegen wollten, stellten wir erstaunt fest: Das Buch fängt nicht damit an zu erklären, wie man zwei oder drei Bälle in die Luft wirft und wieder auffängt. Die erste Lektion in diesem Buch ist: Drei Bälle in die Luft werfen und … fallen lassen. Und dann nochmal und nochmal und nochmal … fallen lassen.

Angst vor Fehlern verhindert Erfolg

Die Idee dahinter ist ebenso verblüffend wie bestechend: Wer jongliert, will die Bälle in der Luft halten, hat also die Befürchtung, dass sie herunterfallen. Diese Angst zehrt einen großen Anteil der vorhandenen Aufmerksamkeit und Energie auf, die dann nicht für das Lernen zur Verfügung steht. Angst vor Misserfolg lähmt Erfolg.

Das Gegenmittel in dem Klutz-Buch: Gewöhne dich an das Herunterfallen, bis du es nicht mehr als Misserfolg empfindest! Und ohne die Angst zu versagen, wird das Jonglieren dann sehr, sehr viel einfacher.

Diesen Gedanken finden wir großartig und goldrichtig – auch über das Jonglieren hinaus: Ganz gleich ob Sprache, Musikinstrument, Sportart, neue Aufgabe, neues Projekt oder neuer Job. Ohne die lähmende Angst vor Fehlern werden wir schneller besser.

Der Haken – Misserfolg macht unattraktiv

Klingt ganz einfach. Hat aber einen Haken: Fehler machen unattraktiv! Wer erzählt schon mit stolz geschwellter Brust einem Geschäftspartner, dass er pleite gegangen ist? Welches Unternehmen stellt jemanden ein, der im Bewerbungsgespräch davon erzählt, wie er mit seinem größten Fehler den kapitalen Bock geschossen hat? Ganz egal, ob er daraus unendlich viel gelernt hat …

Fehlermachen wird in unserer Welt so negativ angesehen, dass es erstens vermieden und zweitens verschwiegen wird. Fehlerverurteiler bringen paranoid-perfektionistische Fehlervermeider hervor. Und das Ergebnis: Wir spielen mit im Schmalspur-bloß-kein-Risiko-eingehen-Mittelmaß-Film. Spulen täglich die immer gleichen „sicheren“ Routinen ab. Und vermeiden damit nicht nur Fehler und Niederlagen. Sondern auch Innovationen und große Erfolge.

Warum Misserfolg so wichtig ist

Dieser Gedanke hat zwei wichtige Konsequenzen:

1. Für Sie persönlich: Nehmen Sie sich zu Herzen, was der von uns extrem geschätzte Schweizer Konzeptkünstler und Musiker Dieter Meier sagt: „Es gibt gar kein Scheitern. Allenfalls ein Scheitern nach außen, dass man etwas tut, was nicht erfolgreich ist.“ – und Letzteres findet er nicht so wichtig. Denn jedem Fehler im Außen steht in Ihrem Innern ein Fortschritt im Prozess des Zu-Sich-Findens gegenüber.

Und das Ergebnis dieses Prozesses kann etwas sein, das wiederum für andere Menschen bedeutsam ist: Zum Beispiel wenn Sie herausfinden, was Sie am Besten können, oder wenn Sie ein Werk produzieren, das für andere Menschen einen Unterschied macht. Auf ganzer Linie zu versagen, außen wie innen – ist unmöglich!

2. Für Unternehmen: Mitarbeiter können den Zusammenhang zwischen Misserfolg und Innovation nur praktisch erfahren. Wer führt, sollte seinen Mitarbeitern so früh wie möglich die Gelegenheit zum Fehlermachen geben. Eine kurze Anleitung und ab an die Arbeit! Dass sie dann Fehler machen, ist unvermeidlich – darum brauchen sie auch erst gar keine Angst davor zu entwickeln. Dann muss allerdings eine ehrliche Auswertung der Ergebnisse folgen – ohne Schuldzuweisungen! Aber mit einer Analyse, was gut war und was nicht funktioniert hat.

Fehler sind das Preisschild, das an einem vollwertigen Leben hängt.

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