Wer innovativ sein will, beginnt nie mit dem Anfang

Innovation

Das ist doch eine faszinierende Erfolgsgeschichte: Amazon startete 1994 als Online-Buchhandlung. Heute, gut 20 Jahre später, ist Amazon ein multinationaler Konzern mit über 300.000 Mitarbeitern, der deutlich über 100 Mrd. US-Dollar umsetzt und nicht nur im Online-Handel, sondern auf zig Gebieten mit seinen Innovationen Maßstäbe gesetzt hat. Amazon-Prime, der 1-click-Button, Kindle, Streaming-Dienste, Smartphone, Lebensmittel Lieferservice oder jetzt auch ein mithörender Lautsprecher – die Liste der Innovationen ist lang.

Was macht Amazon anders als andere Unternehmen? Wie gelingt es, dass die Teams ständig neue Ideen entwickeln – und sie auch UMSETZEN, so dass sie beim Kunden tatsächlich einen Unterschied machen?

Amazon beginnt den Innovationsprozess völlig anders als andere Unternehmen

Das amerikanische Magazin Inc hat einen Blick hinter die Kulissen der Amazon-Innovationsfabrik geworfen. Konkret ging es um die Entwicklungsgeschichte des Amazon Echo. Das ist dieser kleine Zylinder mit Lautsprecher und Mikrophon, der mit dem WLAN verbunden ist und auf Kommando Fragen beantwortet, Musik abspielt oder Einkaufslisten erstellt.

Auf den Punkt gebracht: Amazon beginnt den Innovationsprozess völlig anders als andere Unternehmen. Nämlich nicht mit dem Anfang und der üblichen Frage: „Was müssen wir tun, um am Ende dieses Produkt zur Serienreife zu bringen?“

We have a thing called ‚working backwards‘

Nein, das Amazon-Team rollt das Feld von hinten auf: „We have a thing called ‚working backwards‘“ – Man denkt vom Ende her und bewegt sich dann rückwärts zum Ist-Zustand.

Beim Echo begann alles mit einer imaginären Pressemitteilung: Das Entwicklerteam setzte sich hin und verfasste den Text zur Veröffentlichung des fertigen Produkts. Dabei ignorierten sie alle technischen Details und alle möglichen Schwierigkeiten. Dann schrieben sie die FAQs, also die Antworten auf die vorstellbaren Kundenfragen. Sie machten also genau das, was jedes „normale“ Unternehmen ganz am Schluss macht, wenn das Produkt fertig ist.

Innovation mit dem Ende im Sinn zu beginnen

Probieren Sie das mal in Ihrem Unternehmen aus. Innovationen mit dem Ende im Sinn zu beginnen ist clever:

Erstens: Sie legen damit die Latte hoch und lassen sich von dem, was momentan alles nicht geht, gar nicht erst blockieren.

Zweitens verschwenden Sie so nicht übermäßig viel Zeit und Ressourcen in der Anfangsphase, während die eigentlich wichtige Arbeit, die später kommt, unter enormem Zeitdruck und mit knappen Ressourcen erledigt werden muss.

Drittens steht so von Anfang an der Kunde im Vordergrund – und nicht die technischen Merkmale. Beim Echo konzentrierte sich das Team sofort auf das, was der Anwender wirklich braucht – und nicht, was aus Sicht des Entwicklers möglich wäre.

Was für Unternehmen gilt, gilt auch für jeden von uns. Stephen R. Covey schreibt in seinem Buch „Die sieben Wege zur Effektivität“, dass erfolgreiche Menschen „schon am Anfang das Ende im Sinn haben“. Sie treffen Entscheidungen, handeln danach und leben in dem Bewusstsein, des daraus entstehenden Ergebnisses.

Erfolgreiche Menschen denken vom Ende her

Philosophischer gesagt: Alle Dinge werden zweimal geschaffen! Das erste mal als eine Idee vor unserem geistigen Auge, das zweite mal physisch in der realen Welt. Was in der realen Welt entsteht, folgt immer dem, was zuerst in unserem Kopf war. So wie jedes Haus im Bau dem Plan des Architekten folgt.

Wenn ich mir also nicht die Mühe mache, vom Ende her zu denken, dann werden andere oder die äußeren Umstände mich in eine Richtung drängen, die nicht mir, sondern eben den anderen gefällt.

Wer wollen Sie am Ende sein?

Die Frage lautet also nicht: Was sollte ich als nächstes tun?

Sondern: Wo will ich in fünf Jahren sein?

Was will ich an einem Zeitpunkt in der Zukunft erreicht haben?

Was würde mich glücklich machen?

Wie kann ich einen Unterschied machen – für mich und für andere?

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