Das innere Spiel des Pep Guardiola

Das inneres Spiel des Pep Guardiola

Am 20. Oktober 2015 passierte im Norden Londons etwas Ungeheuerliches … etwas, das niemand vorhersehen konnte … etwas, das kaum jemand für möglich gehalten hätte: Der FC Bayern München verlor ein Fußballspiel!

Die eigentlich unschlagbaren Bayern hatten gerade erst zwölf Pflichtspiele in Folge gewonnen, hatten einen neuen Startrekord in der Bundesliga aufgestellt und hatten die ersten Spieltage der Gruppenphase der Champions League als Triumphzug gestaltet. Und dann das: Die Gunners von Arsenal London zogen den Bayern mit 2:0 die Lederhosen stramm.

Die Journalisten und Kommentatoren schwankten zwischen Schock und diebischer Freude: Konnten sie jetzt endlich Krise, Untergangsstimmung oder sonst etwas Verwertbares herbeireden? „Das war vorherzusehen!“, „Jetzt brechen sie ein!“, „Bayern entzaubert!“, „Guardiola hat sich verzockt!“, „So sind die Bayern schlagbar!“, „Jetzt kommen die Baustellen zutage!“

Ja, ja. Bla, bla.

Pep Guardiola verstand die ganze Aufregung nicht: „Wir haben verloren. Ja, und? Ist was passiert? Wir haben gut gespielt. Wo ist das Problem?“ Diese Haltung des Trainers versteht nicht jeder. Er verliert und ist trotzdem total zufrieden? Wo bleibt das bayrische Sieger-Gen? Aber Spiegel Online analysierte die Haltung des Trainers am nächsten Tag recht treffend: Guardiola ginge es in erster Linie nicht um das Gewinnen. „An erster Stelle steht immer das gute Spiel (…). Ein Sieg ist schön, aber oft einfach eine logische Folge des guten Spiels.“

Diese Haltung imponiert uns. Und sie inspiriert uns.

Denn sie ist auch außerhalb des Fußballstadions wertvoll. Auf den Punkt gebracht unterscheidet Guardiola zwischen dem inneren Spiel und dem äußeren Spiel. Diese Differenzierung wurde vom amerikanischen Sportpädagogen und Unternehmensberater Tim Gallwey vor etwa vierzig Jahren in seinen Büchern geprägt: „Jedes Spiel besteht aus zwei Teilen: Das äußere Spiel wird gegen einen Gegner gespielt. Das innere Spiel findet im Denken des Spielers statt. Es wird gegen sich selbst gespielt.“

Drei Aspekte finden wir dabei besonders interessant:

Der erste: Die meisten Menschen versuchen einfach, das äußere Spiel zu gewinnen. Doch dabei gibt es immer viele Parameter, die sie nicht planen und beeinflussen können: Ein neuer Chef, neue Gesetze, Änderungen beim Kunden, politische Entscheidungen, wirtschaftliche Konjunkturzyklen, Aktionen anderer Marktteilnehmer und oftmals einfach zufällige Ereignisse. Und schon ist das äußere Spiel verloren. Wer dann an sich selbst zweifelt und mit der Niederlage hadert, dessen Selbstwertgefühl erodiert, dessen Lust leidet, dessen Zweifel wachsen. Wer aber einfach sein Optimum gibt und damit das innere Spiel gewinnt, der kann gar nicht verlieren, selbst wenn es im äußeren Spiel nicht zum Sieg reicht.

Der zweite: Die meisten Menschen lassen sich an äußeren Faktoren messen: Umsatz, Ertrag, Titelgewinn, Projekterfolg, Kundenzufriedenheit, Lob und Anerkennung. Aber diese Belohnungen erhalten wir nur für Siege im äußeren Spiel. Wer sich auf das innere Spiel konzentriert, macht sich unabhängig vom Schulterklopfen, dem Beifall oder der beißenden Kritik Anderer.

Der dritte: Wenn Sie jetzt denken, dass es Ihrem Chef reichlich egal ist, ob Sie gerade Ihr inneres Spiel gewinnen, beachten Sie bitte, dass die Wahrscheinlichkeit das äußere Spiel zu gewinnen viel höher ist, wenn Sie auf Ihr inneres Spiel achten, also an Ihr Optimum gehen, an sich arbeiten, sich verbessern, ihr Bestes geben. Es hilft Ihnen locker zu bleiben, denn Sie bleiben prozessorientiert, anstatt zielorientiert zu verkrampfen.

 

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