Gernot Pflüger

Interview mit Gernot Pflüger

Der Geschäftsführer der CCP Studios Event GmbH praktiziert seit 20 Jahren einen ungewöhnlichen Führungsstil: Bei CCP gibt es keine Chefs und keine Hierarchie. Die 30 Mitarbeiter kommen zur Arbeit, wann sie wollen und suchen sich ihre Aufgaben entsprechend ihrer Neigungen aus. Alle sind an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt. Dabei ist CCP keine idealistische Weltanschauungsgemeinschaft, sondern ein ganz normales Unternehmen. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern lediglich erlaubt, ihr volles Potenzial zu entfalten, indem sie Freiheiten bekommen und selbstverantwortlich handeln dürfen. Und das führt letztlich zu mehr Produktivität, Umsatz und Gewinn. Wir haben uns mit Gernot Pflüger in Offenbach getroffen.

Warum seid Ihr bei CCP diesen Weg gegangen?

Gernot Pflüger: Ich denke, dass der Mensch im Wirtschaftsleben in seiner Entwicklung dem Menschen im privaten und im politischen Leben hinterher hängt. In vielen Unternehmen handeln wir noch immer so, als würden wir in einer feudalistischen Umgebung leben, obwohl wir uns längst in einem hoch volatilen, sich ständig verändernden Marktumfeld befinden. Das heißt: Die alten Modelle funktionieren heute nicht mehr. Wir sind bei CCP eher zufällig auf ein Experimentierfeld gestoßen und haben damit tolle Ergebnisse erzielt und deshalb verfolgen wir das weiter.

Seid Ihr in gewisser Weise Vorreiter einer neuen Managementkultur?

Gernot Pflüger: Das kann gut sein. Denn auch bei Unternehmen, die nach ganz tradierten und strikten Regeln arbeiten, sehe ich, dass sie veränderungsbereiter werden. Auch sie haben erkannt, dass sie sonst nicht mehr länger für talentierte Menschen attraktiv sind. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sich in Bezug auf die Top-Talente die Bewerbungsverhältnisse umkehren werden und sich zukünftig Unternehmen darum bewerben müssen, die Heimstadt für talentierte Menschen zu werden.

Welche Anforderungen stellt ein solches Arbeitsumfeld an den einzelnen Mitarbeiter? Umgekehrt gefragt: Nicht jeder Mitarbeiter passt in ein solches Umfeld, oder?

Gernot Pflüger: Es gibt Menschen, die ein extremes Sicherheitsbedürfnis haben und in einem Umfeld arbeiten wollen, in dem die Arbeitsumgebung garantiert ist. So jemand verliert sich hier. Das gleiche gilt für Menschen, die gerne einer vorgeschriebenen Linie folgen und sich mit allen Informationen passiv versorgt sehen wollen. Das würde bei uns nicht funktionieren.

Gibt es einen bestimmten Typus Mitarbeiter bei Euch?

Gernot Pflüger: Nein. Wir brauchen keinen bestimmten Typus Mitarbeiter. Wir sind ganz unterschiedliche Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Wir haben Grantelhuber, Kreative, Perfektionisten – eine ganz bunte Mischung. Wichtig ist, dass man erstens diese Unterschiede schätzt. Und es zweitens den Leuten ermöglicht, von einem Gebiet in ein anderes zu wechseln – wenn sie Lust darauf haben.

Welche Anforderungen stellt ein solches Arbeitsumfeld an Dich als Geschäftsführer?

Gernot Pflüger: Man muss Macht ausüben können und sie gleichzeitig hassen. Und es ist wichtig zu begreifen, dass Führung von Menschen letztlich eine Serviceleistung ist und keine Ego-Nummer. Wir sollten uns vor dem grundlegenden Missverständnis hüten, dass Machtausübung bedeutet, dass Menschen sich an dem Chef zu orientieren haben – es ist genau andersherum. Alle guten Führungskräfte, die ich kennen gelernt habe, haben ein ambivalentes Verhältnis zur Macht: Sie sind machtaffin und gleichzeitig aber auch machtavers. Im Wechselverhältnis zwischen diesen beiden Polen sind sie gute Führungskräfte.

Hast Du ein Lebensmotto, das Dich und Deine Lebenseinstellung beschreibt?

Gernot Pflüger: Ja. Mein Grundsatz ist: Information ist alles.

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Das Buch von Gernot Pflüger: “Erfolg ohne Chef”

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