Machen Sie es nicht wie der Dodo!

Veraenderung und EvolutionDer Dodo gehört zu Mauritius wie der Eiffelturm zu Paris. Klar, dass wir uns mit diesem Vogel näher beschäftigt haben, als wir im Dezember auf Mauritius waren, um einen Vortrag zu halten und anschließend dort natürlich noch Urlaub zu machen. Alles andere wäre ja auch unvernünftig!

Zwischen dem ikonischen Turm von 1889 und dem ikonischen Taubenvogel gibt es einen gravierenden Unterschied: Der Turm existiert noch, der Vogel ist längst ausgestorben. Und zwar schon seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nur ein paar Jahrzehnte nach seiner Entdeckung wurde er ausgerottet.

Heute findet man ihn dennoch auf Mauritius allerorten – als Wappentier, als Schlüsselanhänger, auf Produktetiketten. Und er hat eine Botschaft für uns alle. Sogar eine sehr wichtige!

Die Grenzen der cleveren Anpassung an Veränderung

Der Dodo ist ein hervorragendes Beispiel für die Cleverness und Effizienz der Evolution: Im Laufe der Jahrhunderte befreite sie den Vogel von viel unnötigem Ballast.

Er hatte auf Mauritius keine Feinde, also ließ sie die Flugmuskulatur und damit die energieaufwändige Flugfähigkeit über Generationen hinweg verkümmern. Weil er nicht mehr auf sein Fluggewicht achten musste und Nahrung im Überfluss vorhanden war, konnte er dafür kräftig an Größe und Gewicht zulegen. Aus der flinken Taube wurde ein großer, plumper Laufvogel. Und warum sollte er zeitaufwendig Nester in Bäumen bauen, wenn er die Eier doch genauso gut auf dem Boden ablegen konnte? Spart Zeit und Kraft.

In Summe: Seine Anpassung war ein Vorteil, weil er weniger Ressourcen für etwas „verschwendete“, was er nicht brauchte.

Doch der Dodo ist auch ein hervorragendes Beispiel für die Grenzen der Evolution: Denn Ende des 16. Jahrhunderts wurde ein niederländisches Schiff durch einen Sturm abgetrieben und landete an der Küste der Vulkaninsel, die heute Mauritius heißt. Und diese Veränderung war der Anfang vom schnellen Ende der Dodos.

Warum? Den Niederländern gefiel es dort und sie nahmen die Insel für die niederländische Krone in Besitz. Ab 1638 kamen Siedler auf die Insel und brachten auf ihren Schiffen Ratten, Schweine und Affen mit. Der Dodo hatte mangels bisherigem Bedarf keinerlei Flucht – oder Verteidigungsverhalten, er ließ sich einfach von den Menschen fangen, töten und grillen. Seine Gelege wurden von den eingeschleppten Tieren aufgefressen. Auf der kleinen Insel gab es keinerlei Rückzugsgebiete. Die Population war in wenigen Jahren restlos dahingerafft.

Brauche ich nicht. Keine Zeit für so einen Quatsch.

Der Dodo war nicht etwa unfähig sich auf die Veränderung seiner Lebenswelt anzupassen – zuvor hatte er ja genau das getan – nein, vielmehr passierte für ihn einfach alles zu schnell. Er hätte zu lange gebraucht, um sich neue Fähigkeiten anzueignen, die sein Überleben gesichert hätten.

Und genau das bringt uns zum entscheidenden Punkt: Machen Sie es nicht wie der Dodo!

Also: Schrauben Sie nicht radikal zurück, was Sie beruflich gerade nicht brauchen. Streichen Sie nicht die Fähigkeiten und Interessen von Ihrer Agenda, die Ihnen derzeit vielleicht einfach nur Energie rauben. Uns begegnen immer mal wieder Menschen, die genau das machen:

  • Sie interessieren sich nicht mal ansatzweise für das, was über den engen Horizont ihres Fachgebiets hinausgeht.
  • Sie betreiben kein Networking.
  • Sie sind für die Chefs ihrer Chefs nicht sichtbar.
  • Sie interessieren sich nicht für andere Arbeitgeber in ihrer Branche.
  • Sie wissen nichts darüber, was in anderen Branchen passiert.
  • Sie ignorieren die neuen kleinen Wettbewerber.
  • Sie sagen: „Ach, das ist was für Typen, die zu viel Zeit haben. Mein Schreibtisch ist voll und im Übrigen habe ich dafür keine Zeit.“

Die Geschichte kriecht nicht, sie springt.

Wenn aber das Umfeld sich ändert, dann geschieht das oftmals extrem schnell. Das Problem: Sie können sich nicht mehr an die neuen Umstände anpassen – der Dodo lässt grüßen!

Der Ökonom Nassim Taleb hat es mal so ausgedrückt „Geschichte kriecht nicht, sie springt!” Schnelle Veränderungen durch Internet, Digitalisierung, Automatisierung, Globalisierung, Robotik, Künstliche Intelligenz haben zur Folge, dass neben dem Neuen schon das Noch-Neuere lauert, neben dem Guten das Bessere und Noch-Bessere. Die Frage ist nur, wann es Sie erwischt.

Bleiben Sie wachsam

Also? – Wir raten keinesfalls, hektisch oder gar ängstlich zu werden. Wir empfehlen lediglich: Bleiben Sie offen und neugierig. Lehnen Sie sich nicht zurück. Bekämpfen Sie die Selbstzufriedenheit. Bleiben Sie wachsam. Begrüßen Sie Veränderung. Hören Sie niemals auf zu lernen.

Denn Sie wissen nie, wer die Seefahrer sind, die auf Ihrer Insel landen. Sie wissen nie, woher sie kommen. Sie wissen nur: Sie sind unterwegs!

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