Die umgekehrte Bewerbung

Recruiting Talentmanagement und die umgekehrte Bewerbung

In welchem Unternehmen würden Sie lieber arbeiten?

A) In einem, in dem die Beschäftigung eher eine Art von Duldung ist und der Tenor lautet: Wenn wir irgendwie ohne Sie auskommen können, werden wir das wohl bald tun.

B) In einem, in dem Sie sich wertgeschätzt und respektiert fühlen und Ihre Ideen anerkannt werden?

Die Antwort dürfte relativ leicht fallen. Trotzdem gelingt es vielen Firmen nicht, eine wertschätzende Kultur aufzubauen. Die Suche nach neuen Mitarbeitern zieht sich dann über Monate hin, während bei anderen Unternehmen die guten Bewerber förmlich Schlange stehen.

Ein Unternehmen, das eine starke Anziehungskraft auf Bewerber ausübt, ist das IT-Beratungshaus noventum consulting aus Münster. Noventum hat frühzeitig erkannt: Wer Spitzenleute um sich versammeln will, muss etwas dafür tun. Sich bemühen. Investieren. Und ungewöhnliche Wege gehen. Das war die Geburtsstunde der Idee: Warum bewerben wir uns eigentlich nicht bei unseren Bewerbern? Diese Idee wurde übrigens von Susanne Menges entwickelt, die bei Noventum gerade ein Praktikum machte. Ihre Aufgabe: Denk Dir mal was aus! Etwas, das originell, aufmerksamkeitsstark und wirkungsvoll ist.


Das Ergebnis: Die Noventum Bewerbungsmappe. Das Unternehmen wechselt die Seiten und bewirbt sich selbst bei künftigen Mitarbeitern. Mit persönlichen Angaben, Lebenslauf, Stichworten zur Weiterbildung, mit Auszeichnungen, Interessen und aussagekräftigen Fotos zeichnet Noventum in der Bewerbungsmappe das Bild eines modernen und freundlichen Arbeitgebers.

Dieses „Werbemittel“ wird aber nicht wild gestreut. Dafür ist die Bewerbungsmappe zu aufwendig gestaltet. Vor allem aber würde eine solche Aktion ihren Zweck verfehlen. Denn die Mappe ist ein Instrument, um mit potentiellen Bewerbern in Kontakt zu bleiben – etwa mit Bekannten der Mitarbeiter, die vielleicht gerade nicht auf Jobsuche sind, aber grundsätzlich gut zu Noventum passen würden. Oft wird die Mappe auch eingesetzt, um Bewerbern, die in der finalen Phase des Bewerbungsprozesses angekommen sind, den letzten Anstoß zu geben. Noventum signalisiert damit: Wir wissen, dass ihr gut genug seid, um euch überall zu bewerben. Aber wir würden uns freuen, wenn ihr zu uns kämt.


Eine solche Botschaft bleibt im Gedächtnis. Selbst dann, wenn man vorerst nicht zusammenfindet. Aber genau darum geht es Noventum. Die Bemühungen sind ganz klar Richtung Zukunft ausgerichtet – und die Bewerbungsmappe dient als cleveres und langfristig wirksames Networking-Instrument. Dass die IT-Firma das fünfte Jahr in Folge zu einem der besten Arbeitgeber Deutschlands gekürt wurde, wundert da nicht.

Solche Unternehmen begeistern uns. Deswegen möchten wir hier mit zwei weiteren Beispielen daran erinnern, wie wichtig es ist, frühzeitig Beziehungen zu den Spitzenkräften von morgen aufzubauen.

SEMCO

Über Ricardo Semler haben wir schon öfter berichtet, weil er uns immer wieder inspiriert. Er hat nicht nur mit einer modernen Unternehmenskultur dafür gesorgt, dass das einst konservative brasilianische Unternehmen Semco seinen Umsatz binnen 20 Jahren von 4 Millionen auf 212 Millionen gesteigert hat.

Er hat für Semco auch das „Date Semco“-Programm eingerichtet, eine Plattform im Internet, auf der potentielle Bewerber mit Mitarbeitern und auch mit anderen Bewerbern in Kontakt treten können. Dabei ist es egal, ob das Unternehmen gerade eine Stelle besetzen möchte oder der potentielle Bewerber im Moment aktiv sucht. Wenn die Beziehung einmal hergestellt ist, kann Semco bei Bedarf einfach aus dem bestehenden Pool an Talenten rekrutieren: schnell, kostengünstig und sehr effektiv.

HAPPY COMPUTERS

Eine ähnliche Strategie verfolgt das britische IT-Trainingsunternehmen Happy. Das Unternehmen aus London schreibt nie offene Stellen aus. Stattdessen können Jobanwärter ihr Interesse an einer Mitarbeit selbst online bekunden. Statt Anzeigen zu schalten, hat sich die Firma ihre eigene, thematisch auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Suchplattform zugelegt. Heute hat Happy Computers eine Warteliste von 2.000 Menschen, die gerne dort arbeiten würden.

Wäre das nicht großartig, das auch über das eigene Unternehmen sagen zu können?

Aber dazu genügt ein freundlicher Auftritt, ein Tag der offenen Tür oder ein gut gemachtes Formular auf der Website nicht. Die Änderung muss tiefer gehen: Nur wenn Menschen sich in besonderem Maß wertgeschätzt und respektiert fühlen, kann deren kreative Leidenschaft und Energie überall ausbrechen. Und diese Energie ist ansteckend. Für die Menschen im Unternehmen. Für Kunden und Geschäftspartner. Und für alle potenziellen Bewerber.

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