Den Chef abwählen dürfen – vorstellbar oder nicht?

Chef - ja oder nein?Arkadi Kuhlmann halten viele für durchgeknallt – die Kollegen in anderen Banken, die Journalisten sowieso. Nur seine Mitarbeiter und seine Investoren nicht. Sie lieben ihn als Chef. Seit zehn Jahren steht Kuhlmann als Chairman und President an der Spitze der ING Direct USA. Wie feiert Kuhlmann dieses Jubiläum? Indem er sich freiwillig zur Wahl stellt. Jetzt im Dezember läuft die Abstimmung: Noch ein Jahr mit Kuhlmann – Ja oder Nein?

Weiterhin Chef? – Jeder darf mitreden

Gut, das klingt noch gar nicht so spektakulär. Allerdings: Ob er weiterhin die Bank führen soll, entscheidet nicht irgendein erlauchter Kreis. Das Board, also der Aufsichtsrat, hat ohnehin schon grünes Licht gegeben. Nein, gefragt wird jeder einzelne Mitarbeiter! Jeder – vom Banker bis zur Putzfrau. Geheim und frei.

Also: Sagen die Mitarbeiter mehrheitlich „nein“ zu Kuhlmann, ist er ab 2011 seinen Chefsessel los. Und selbst wenn sich nur ein Drittel oder ein Viertel von ihm abwendet, geht prompt ein tiefer Graben durchs Unternehmen. Kuhlmann wäre nicht Kuhlmann, wenn er das nicht riskieren würde. Er akzeptiert das Risiko, weil er die Chance anvisiert: Nur wenn die Mitarbeiter wirklich mit voller Überzeugung hinter ihm stehen, kann er die Latte höher legen und nochmal wirklich etwas bewegen. Er will nicht ein bisschen Gefolgschaft, sondern er will alles oder nichts. Mit diesem Anspruch hat er ING Direct zur größten Internetbank der USA gemacht. Und aus dieser Position heraus will er von jedem Einzelnen wissen: „Vertraust du unserer Mission? Vertraust du dem Unternehmen? Vertraust du mir?“

Wir finden Kuhlmanns freiwillige Wahl extrem konsequent. Und wir fragen uns: Wie sähe unser Land in einem Jahr aus, wenn Chefs ihre Mitarbeiter jetzt im Dezember abstimmen ließen: Noch ein Jahr derselbe Kopf an der Spitze? Ja oder nein?

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