Zwei Mails – eine Erkenntnis

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Vor kurzem erhielten wir eine Mail. Betreffzeile: Treffen in Heidelberg. – Die Mail kam von einer Autorin, die ihr Buch veröffentlicht hatte und unzufrieden mit den Buchverkäufen war. Darum schlug sie in uns vor, mit ihr zu telefonieren. Oder noch besser: Dass wir uns mit ihr in Heidelberg treffen sollten. Denn dann könnten wir ihr Tipps und Tricks verraten, wie sie den Buchverkauf ankurbeln könnte. Unser letztes Buch, meinte sie, sei schließlich ein Spiegel-Bestseller gewesen. Offenbar ging sie davon aus, dass wir über ein „Erfolgsrezept“ verfügen. Und Rezepte sind schließlich zum Teilen da, oder?

Nur ein paar Tage später erhielten wir eine andere Mail – wiederum von einer Autorin, die gerade ein Buch veröffentlicht hatte. Betreffzeile: Interview. Sie gratulierte uns darin zu unserem Erfolg und bat uns um ein Interview für ihren Blog – verbunden mit einer Verlosung von zwei Freiexemplaren unseres neuen Buchs „Macht, was ihr liebt!“. Also: Interview plus Buchhinweis, prima Sache. Und ganz nebenbei fragte sie, ob wir uns im Anschluss an das Interview vielleicht noch einige Minuten darüber unterhalten könnten, wie sie ihr eigenes Buch noch besser vermarkten könne.

Preisfrage: Welche Mail haben wir beantwortet?

Beide wollten im Kern ein und dieselbe Sache. Nur haben sie das Feld von ganz unterschiedlichen Seiten her aufgerollt. Dadurch setzten sie ihre Bitte in einen ganz unterschiedlichen Kontext. Und genau dieser  Kontext, der ist entscheidend!

Der Kontext der ersten Mail: Eigennutz.
Der Kontext der zweiten Mail: Dienst-Leistung.

Die eigennützige Haltung ist zuerst darauf ausgerichtet, das eigene Ziel zu erreichen, zu gewinnen, einen Vorteil zu bekommen. Erst danach kommt (vielleicht) noch eine Gegenleistung.

Im Gegensatz dazu fragt die einem gemeinsamen Ziel dienende Haltung zuerst: Was kann ich leisten? Was kann ich geben? Was kann ich beitragen? Erst dann kommt der zweite Teil: Wie kann ich von dieser Position aus mein eigenes Ziel erreichen?

Diese Haltung und diese Reihenfolge machen den Unterschied. Das ist Fülle-Denken in seiner besten Form, denn alle Beteiligten können hier gewinnen.

Zugespitzt gesagt gibt es also zwei Formen des Gebens: „Ich gebe dir…“ ist die erste. „Gib mir…“ ist die zweite. Die erste öffnet Türen, die zweite verhärtet die Fronten. Die erste basiert auf Gemeinsamkeit, die zweite basiert auf Dreistigkeit. Die erste baut eine Beziehung auf, die zweite verbaut die Zukunft. Die erste legen wir Ihnen ans Herz, die zweite sollten Sie sich aus dem Kopf schlagen, weil sie auf Dauer nicht funktioniert.

Die wertvollste Erkenntnis aus diesen zwei E-Mails ist also für uns: Wenn ihr etwas haben wollt, fragt euch, was ihr geben könnt!

Wie sehen Sie das?

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