Die billigste Ausrede der Welt

Ausstattung als Ausrede

Peter ist im Juli mit dem Mountainbike in sechs Etappen über die Alpen gefahren, von Füssen zum Gardasee. Natürlich nicht allein, sondern in einer Gruppe mit 18 Moutainbike-Enthusiasten. Einer davon war lustig: ein Materialfreak! Carbonrahmen, Tubeless Tires, Highend-Carbon-Laufräder mit Keramiklagerung, hydraulischer Dropper Post, Upside-down-Gabel mit 160 Millimeter-Federweg und Alu-Spirgrips am Carbonvorbau … vermutlich hatte der auch pneumatische Carbon-Radlerhosen mit elektronisch gesteuerter Innenbelüftung.

Na ja, aber wenn Peter nun erwartete, dass dieser Extrem-Bike-Besitzer auch ganz vorne im Feld zu den Extrem-Bike-Performern gehörte … weit gefehlt! Der Typ war regelmäßig mittags schon platt.

Das teuerste Equipment ist noch lange nicht alles

Es kommt eben nicht auf das teuerste oder neueste Equipment an, sondern darauf, wie du trainierst, ob du gut vorbereitet bist und an deiner Kondition gearbeitet hast – und erst dann auf das Material. Es sind die Stunden auf dem Fahrrad, im Sommer wie im Winter, bei Schnee, Regen und Sonnenschein, die dich gut werden lassen.

Die Wahrheit ist, man braucht selten – insbesondere schon mal gar nicht als Anfänger – die beste Ausstattung, die es gibt. Gib dem Tour-de-France-Sieger Chris Froome ein Einsteigerrad vom Händler um die Ecke und er fährt dich in Grund und Boden. Übrigens würde auch Anne-Sophie Mutter dich mit einer Flohmarktgeige in Grund und Boden spielen, selbst wenn du eine Stradivari hättest.

Und so ist das bei allem!

Sie kennen bestimmt auch Beispiele: Der Garten- und Landschaftsbauer mit dem besten Fuhrpark und den neuesten Maschinen, dessen Gärten aber vollkommen uninspiriert sind. Die Friseursalonkette mit den großartig gestylten Läden, in denen mit viel Tamtam Haarschnitte produziert werden, die bestenfalls mittelmäßig sind. Das Hotel mit der eindrucksvollen Lobby und der State-of-the-art-Einrichtung, das aber trotzdem vollkommen seelenlos ist, weil die Servicequalität vernachlässigt und die Bedürfnisse der Gäste aus dem Auge verloren wurden.

Es ist verführerisch, sich ewig lange mit der Ausrüstung, der Ausstattung oder dem Material zu beschäftigen. Dabei ist es höchst selten der Fall, von Ausnahmen mal abgesehen, dass das den entscheidenden Unterschied macht. Es sind fast immer die Menschen, die den Unterschied machen. Menschen, die echte Profis sind, die mit Herz und Seele dabei sind und einen Unterschied für sich und andere machen wollen. Menschen, die echte Könner ihres Fachs sind, einer „Berufung“ verpflichtet, auf ständige Verbesserung erpicht.

Eine gute Ausstattung ist gut und richtig und wichtig, keine Frage. Aber allzu oft ist sie nur eine Ausrede dafür, dass es am Wesentlichen mangelt. Darum: Nutzen Sie doch das, was Sie schon haben – aber arbeiten Sie dafür hart und liefern Sie!

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