Es gibt weder langweiligen Produkte noch stagnierende Märkte

1111 Lincoln Road Parkhaus

Ein Parkhaus ist ein Parkhaus ist ein Parkhaus. Da geht man hin, stellt sein Auto ab und verschwindet wieder. Der Betonklotz ist nun mal ein reiner Zweckbau. Und zwar einer mit dem einzigen Zweck, Autos vor schlechtem Wetter oder Einbrechern zu schützen und die Straßen möglichst frei zu halten. Soweit die herkömmliche Denke. Aber ist es auch die einzig mögliche Denke?

Als Robert Wennett 2005 ein Parkhaus in Miami Beach kaufte, war seine erste Frage: Wie könnte ich den dunklen Zweckbau aufwerten? Die Wände hell zu streichen, Lichtspiele einzubauen, Frauenparkplätze und Parkplätze für Elektroautos zu reservieren – auf solche Ideen ist Wennett nicht gekommen: So nahe am Üblichen hatte er erst gar nicht gesucht. Und das ist auch das Geheimnis seines Erfolgs.

Wer Wennets Parkhaus auf der Lincoln Road in Miami sucht, wird vermutlich daran vorbeilaufen. Der einstige Betonbau ist zu einem atemberaubenden Exempel moderner Architektur geworden. Im Erdgeschoss laden edle Boutiquen zum Bummeln ein, ein Penthouse auf dem Dach schimmert in warmem, gelblich-orangem Licht und die Restaurants in den mittleren Etagen machen das Gebäude zu einem Touristen-Magneten. Das vom Schweizer Dream-Team Herzog und de Meuron komplett umgestaltete Parkhaus ist so stylish geworden, dass seine Räume für Events aller Art vermietet werden. Hochzeiten feiern, sich auf der Yoga-Matte strecken, Wein probieren, sich fotografieren lassen … alles ist möglich in der 1111 Lincoln Road – oder auch einfach nur Parken. Und das einzig und allein, weil Robert Wennett nicht gesagt hat: Ein Parkhaus ist ein Parkhaus ist ein Parkhaus.

Shop im Parkhaus 1111 Lincoln Road

Wir finden Wennetts Haltung unglaublich inspirierend – und unglaublich einfach. Schließlich ist er lediglich eine Begriffsebene höher gegangen und hat das Parkhaus als „Gebäude“ definiert, in das auch Autos reinfahren können. Und das schließt gar nicht aus, dass es ein „cooles“ Gebäude, ein Stück Architektur vom Feinsten sein könnte. Vielleicht war ihm die Tragweite dieser Sichtweise gar nicht bewusst. Er hat damit aber Dogmen, Überzeugungen und Glaubenssätze durchbrochen und ganz neue Möglichkeiten entfesselt. Zum Beispiel die Frage: „Hmm, was könnte man in einem coolen Gebäude noch machen außer Autos dort abzustellen?“

Robert Wennett hat gezeigt: Es gibt keine langweiligen Produkte und keine stagnierenden Märkte. Es gibt nur eine fehlende Vorstellungskraft oder fehlenden Mut.

Wir sind überzeugt, dass man aus jedem Ganz-Okay-Produkt ein absolut verblüffendes Produkt machen kann, aus jeder Ganz-Okay-Dienstleistung eine absolut verblüffende Dienstleistung, und aus jedem Ganz-Okay-Projekt ein absolut verblüffendes Projekt. – Wenn man seinen Blickwinkel bewusst ändert.

Wer hat denn gesagt, dass Parkhäuser von 08/15-Architekten gebaut werden?
Dass sie dunkel und schmutzig sind und dass man darin nicht essen gehen kann?

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