Was wir wirklich brauchen

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Im Dezember waren wir in Indien. Es war unser vierter Besuch in diesem faszinierenden Land. Was unsere Reise ganz besonders spannend und bereichernd gemacht hat, waren die Gespräche mit den Menschen vor Ort.

Zum Beispiel mit verschiedensten Kleinstunternehmern, die Stoffe bedrucken, Wäsche bügeln, Plastikflaschen recyceln oder die zum Frühstück so beliebten Idlis (flache, runde Linsen-Reiskuchen) herstellen. Viele dieser Unternehmer verdienen etwa vier bis sechs Euro am Tag. – Unvorstellbar nach unseren Maßstäben…

Und genau das ist der Punkt: Unsere Maßstäbe!

Was wir in Indien gesehen und gehört haben, hat uns zum Nachdenken gebracht. Dabei geht es uns allerdings NICHT um die Moralkeule, nicht um den reflexhaften Schaut-doch-mal-wie gut-wir es-haben-Appell, nicht um Mitleid oder Armut.

Uns ist vielmehr klar geworden: Die Differenz zwischen diesen Menschen in Indien und uns Westeuropäern liegt im Unterschied zwischen WOLLEN und BRAUCHEN.

Menschen, die in diesem Stadium von Wirtschaft und Gesellschaft leben, wollen dramatisch weniger als wir. Sie können mit der Idee des „Shoppings“ nichts anfangen. Wenn sie etwas kaufen, dann um etwas zu ersetzen, was sie zum Leben brauchen, etwas, das kaputt gegangen und nicht mehr zu reparieren ist. Aber niemals, weil es gerade im Angebot ist oder weil es so schön im Schaufenster aussieht!

Wir und Sie und alle, die diesen Beitrag hier lesen, haben alles, was wir brauchen. Und zwar immer und schon längst. Im Klartext: Sie BRAUCHEN nichts! – Darum bleibt nur noch die Frage: Was WOLLEN Sie HABEN?

Und genau hier beginnt das Karussell unserer Wirtschaft sich zu drehen: Wir wollen haben, was die Werbung im Fernsehen und in den bunten Magazinen und im Internet uns verführerisch anbietet.

Jeder Kauf finanziert den Lohn der Arbeit, mit jedem Lohn bestehen neue Möglichkeiten, etwas haben zu wollen und immer so weiter. Das Karussell stoppt niemals, es dreht sich immer schneller. Wir haben immer mehr und unsere Wirtschaft rennt und rennt. Seit Jahrzehnten schon.

Aber jetzt mal Hand auf’s Herz: Schauen Sie mit uns 20, 30 Jahre in die Zukunft: Werden Sie dann stolz und zufrieden sein, dass Sie die ganze Zeit auf dem Karussell mitgefahren sind? Oder könnte es etwas anderes gegeben haben, das Sie gerne getan hätten?

Ausnahmslos alle Menschen, die uns in den letzten Jahren inspiriert und begeistert haben, haben das, was sie getan haben, niemals gemacht, um sich mehr materielle Wünsche erfüllen zu können. Sie haben es immer getan, weil das Tun selbst ihnen etwas bedeutet hat.

Das ist schließlich der Kern des Menschseins: Nicht dem Glauben aufzusitzen, dass wir noch mehr Zeug zum Glücklichsein brauchen, sondern etwas zu TUN, das für uns selbst Bedeutung hat und das vielleicht auch noch andere Menschen inspiriert und anstiftet.

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