Vertrauen führt – ja klar!

„Vertrauen führt“. Das beten inzwischen alle Manager nach. Führungskräfte lesen schließlich auch Bücher, und niemand will dem Zeitgeist hinterher hinken. „Die Basis unseres Erfolgs sind Vertrauen und gegenseitiger Respekt“, hängt dann in Schönschrift, gerahmt und hinter entspiegeltem Glas im Konferenzraum. 

Merkwürdig nur, dass sich in so manchem Unternehmen dieses Vertrauen in einem 200-seitigen Pflichtenheft ausdrückt, in dem das Management die gesamte Vorgehensweise bei einem größeren Vorhaben peinlich genau vorgibt, damit alles schön unter Kontrolle bleibt. Denn „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ – dieser Satz von Lenin ist es, der viele Köpfe in den Führungsetagen eigentlich beherrscht. Und nicht die Sprüche, die an den Wänden hängen. 

Ein guter Indikator dafür sind beispielsweise die Ermessensspielräume, die Mitarbeitern zugebilligt werden. 
In Unternehmen, die ihren Mitarbeitern vollständige Freiheit bei allen Entscheidungen bis zur Höhe von max. 5,99 Euro gewähren, braucht es keinen Psychoanalytiker, um messerscharfe Rückschlüsse auf das dortige Führungsverständnis zu ziehen.

Es ist die klassische selbsterfüllende Prophezeiung: Aus lauter Angst, den Mitarbeitern nicht vertrauen zu können, schaffen Unternehmen ein Klima der Überwachung und Kontrolle, in dem dann tatsächlich irgendwann der Regelbruch für den Mitarbeiter die einzige Möglichkeit ist, seine Unabhängigkeit und sein Selbstwertgefühl wiederherzustellen. 

Man kann es auch so ausdrücken: Wenn die Führungsmannschaft nicht bereit ist, anderen Menschen im Unternehmen Freiheit zu gewähren, dann kann sie von diesen Menschen auch kein Verantwortungsbewusstsein erwarten.

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