Wir machen uns das Feuer unterm Hintern lieber selbst!

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„Strategie ist der einfache Teil. Unser Problem ist die Umsetzung …“ – diesen Satz sagte neulich der Vorstand eines MDax-Unternehmens zu uns nach unserem Vortrag.

Der Satz ist uns vertraut. Wir hören ihn ständig, fast wortwörtlich. Als ob er eine unumstößliche Weisheit wäre, an deren Wahrheitsgehalt nur boshafte Verräter des herrschenden Systems ernsthaft zweifeln…

Wir sind anderer Meinung: Der Satz ist falsch! Genau umgekehrt wird ein Schuh draus: Umsetzen ist der einfachste Teil … wenn die Strategie sitzt! Aber die passende Strategie zu finden, kann extrem einschneidend sein!

Eine wunderbare Geschichte, die diesen Gedanken belegt, handelt von Europas größtem Stahlhändler Klöckner & Co. aus Duisburg: Denn der ist gerade dabei, sich neu zu erfinden.

Der Treiber dabei ist der Chef Gisbert Rühl, ein Urgestein in der extrem konservativen Stahlbranche. Von so einem Platzhirsch würde man erwarten, dass er einfach so weitermacht wie bisher. Aber Rühl reiste absichtlich, bewusst und mit Vorsatz ins Silicon Valley, um von Internetpionieren zu lernen und deren Denkweisen zu inhalieren.

Schon die ersten paar Querdenker-Fragen, die er sich dort gefallen lassen musste, erschütterten sein Gedankenfundament: Ein 17jähriger fragte ihn aus, wie sein Unternehmen Wetterdaten auswerten würde, weil das Wetter für das Baugewerbe doch wichtig sei. Und weil das Baugewerbe schließlich einen Großteil des Stahls kaufe. Und weil man so ja vorhersagen könnte, wann wie viel Stahl gekauft würde. – Rühl war baff. Und musste zugeben: Wir werten da gar nichts aus!

Schlagartig wurde ihm klar, dass es der Stahlbranche sehr leicht genauso gehen könnte wie der Hotel-, der Musik-, der Handels- oder der Taxibranche: Airbnb, Apple, Amazon und Uber haben in diesen Branchen in kürzester Zeit alles aus den Angeln gehoben, was zuvor jahrzehntelang verschlossene Tresortüren waren.

Fakt ist: Heute bemisst sich der Unterschied zwischen Anführer und Nachzügler nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in wenigen Jahren. Manchmal sogar nur in Monaten. Eine gute Idee eines Neu- oder Quereinsteigers reicht, um eine Branche auf den Kopf zu stellen und die Spielregeln neu zu definieren.

Rühl zog aus diesem beängstigenden Gedanken die Konsequenzen: Er wartet nicht einfach, bis jemand kommt und sein Geschäft zerstört. Wenn sein Unternehmen ohnehin früher oder später Feuer unterm Hintern bekommen wird, dann macht er das lieber selbst!

Also führte er den Online-Handel ein und ließ einen Webshop für Stahl bauen. Er gründete eine Digitaltocher und trieb damit die Digitalisierung des ganzen Unternehmens voran, um schneller und kostengünstiger zu arbeiten und teure Zwischenlager zu reduzieren.

Aber die coolste Maßnahme ist unserer Meinung nach, dass Rühl gezielte Angriffe auf das eigene Unternehmen initiierte: Eine eigene Venture-Capital-Gesellschaft fördert Startups, die das Potential haben, die Wertschöpfungskette von Klöckner anzugreifen. Brillant! Und ganz schön mutig.

Was wir aus diesem Schritt ziehen, sind vier Gedanken:

1. Haben Sie den Mut zu radikalen Ideen! Anstatt im Strategiemeeting darüber nachzudenken, wie Sie Ihr etabliertes Geschäftsmodell ein bisschen aufhübschen könnten, stellen Sie es lieber gedanklich komplett in Frage!

2. Wenn das eine Erkenntnis bringt, dann handeln Sie! Ein strategisches Aha-Erlebnis muss auf die Realität im Unternehmen durchschlagen. Wie bei Klöckner.

3. Beschleunigen Sie dramatisch! Sobald die Dringlichkeit bewusst war, hat Klöckner in kürzester Zeit gelernt, neue Tools und Technologien in wenigen Wochen zu entwickeln und zu realisieren – was zuvor Jahre gedauert hatte.

4. Machen Sie aus dem Hinterfragen und Neudenken einen permanenten Zustand! Das heißt konkret: Schaffen Sie Strukturen, die dafür sorgen, dass Ihr Unternehmen gar nicht mehr erst zur Ruhe kommt.

Denn Weiter-wie-bisher, Chefetagen-Theorie-Geschwafel, Langsam-und-Gemächlich und Ausruhen-auf-dem-Plateau – diese vier bequemen Strategien von gestern bringen Ihr Unternehmen heute in Gefahr!

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