Wie echt ist Glück, wenn es zum Dogma erhoben wird?

Stockdale-Paradoxon von Jim Collins

Monika war ein echter Sonnenschein. Auf die Frage „Wie geht’s?“ strahlte sie uns stets an: „Danke, super gut!“ Und das nicht nur, wenn sie ein Erfolgserlebnis hatte oder frisch aus dem Urlaub zurück war – sondern: I-M-M-E-R. Ihre gute Laune war von unerschütterlicher Standhaftigkeit. So, als hätte Monika sich entschlossen, alle Grautöne im Leben einfach auszublenden und auf Dauerbunt zu schalten.

Nun sind wir definitiv keine Fans von Melancholie, Schüler von Verzweiflung oder Kinder von Traurigkeit. Aber wir fragen uns schon: Wie echt ist das Glück, wenn es zum Dogma erhoben wird?

Mit dieser Frage stehen wir nicht allein. Jim Collins schreibt in seinem Buch Good to Great (Der Weg zu den Besten) über einen hochdekorierten amerikanischen Offizier, James Stockdale, Kriegsgefangener in Vietnam, der acht Jahre lang in Einzelhaft saß. Acht Jahre! Er wurde gefoltert und hatte eigentlich keinen Grund zur Hoffnung, jemals aus dieser Hölle zu entkommen. Aber im Gegensatz zu seinen Mitinsassen hat er überlebt. Und wie hat er das geschafft? Mit unerschütterlichem Optimismus? – EBEN NICHT!

Die Optimisten unter den Gefangenen sagen: „Bis Weihnachten sind wir frei.“ Aber Weihnachten kommt und geht. Und die Befreiung lässt auf sich warten. Dann sagen sie: „Na gut, bis Ostern sind wir draußen.“ Und wenn dann wieder Weihnachten ist, dann haben sie sich selbst den Beweis geliefert, wie unrealistisch ihre Hoffnungen waren. Und dann wird der Optimismus immer verzweifelter, die Widerstandskraft bröckelt. Irgendwann schlägt die nicht erfüllte Hoffnung um in grenzenlose Resignation und die Menschen geben sich auf.

Stockdales Rettung bestand darin, gleichzeitig optimistisch und realistisch zu sein. Etwas, das Collins das Stockdale-Paradoxon nennt.

Oder um es in Stockdales Worten zu sagen: „Über dem Glauben an ein gutes Ende – an dem du immer festhalten musst – darfst du nicht vergessen, dich mit den brutalen Tatsachen der momentanen Situation auseinanderzusetzen, so schlimm diese auch sein mögen.“

Zwanghafte Optimisten reden sich ihre Misserfolge schön, Vollblut-Pessimisten versperren sich selbst den Weg zu einem besseren Leben.

Wer sich der Komplexität und auch den Widersprüchlichkeiten der Realität stellt, ohne dabei den Glauben an ein gutes Ende zu verlieren – der kann tatsächlich dazu beitragen, dass sich die Dinge zum Besseren verändern.

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