Wir wären die größten Fans dieses Leipziger Händlers geworden. Doch dann…

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„Können Sie uns ein anderes Sportgeschäft empfehlen?“ war Peters einfache und nachvollziehbare Frage. Wir waren in Leipzig und hatten dort einen Vortrag gehalten. Vor dem Rückflug war noch ein wenig Zeit, also rein in ein Sportgeschäft, um neue Laufschuhe für Peter zu kaufen.

Klasse, die richtigen Schuhe waren auch da – nur nicht in der passenden Größe. Schade, aber kein größeres Problem, in Leipzig gibt es ja noch mehr Sportgeschäfte. Nur kennen wir uns in der Stadt nicht aus. Doch als Peter den Verkäufer danach fragte, schaute der ihn mit großen Augen an. Und sagte dann:

Das darf ich Ihnen leider nicht sagen!

Doch. Allen Ernstes.

Was für ein verrückter Schwachsinn!

Die implizite Botschaft dieser Firmenpolitik: Nein, wir wollen Ihr Problem nicht lösen! Nein, wir interessieren uns überhaupt nicht für Sie! Auf Ihr Geld sind wir schon scharf, aber wenn Sie es woanders hintragen, sind wir beleidigt! Und bevor wir den Namen eines Konkurrenten in den Mund nehmen, reißen wir uns lieber die Zunge raus…

Das hat uns an die idiotische Geschichte eines Bewerbers erinnert, der ein Vorstellungsgespräch bei Pepsi hatte und beim Mittagessen mit dem Recruiter eine Coca Cola bestellte – was zur sofortigen Absage führte. Oder an Peters verblüffendem Erlebnis, als er bei einem IT-Unternehmen einen Vortrag hielt und vorher gebeten wurde, sein MacBook abzudecken, damit die Teilnehmer den Anblick des Apfels nicht ertragen mussten.

Irre!

Aber es geht auch anders. Unter Buchautoren beispielsweise ist es üblich, andere Autoren und deren Bücher zu empfehlen, wenn die gut sind – selbst dann, wenn sie direkte Wettbewerber sind oder das gleiche Thema haben. Wir halten das auch so, nämlich in unserem Buchclub.

Es ist ja kein Nullsummen-Spiel, bei dem man um die Kuchenstücke konkurrieren müsste. Der Kuchen ist groß genug und lässt sich mit gegenseitiger Unterstützung noch vergrößern. Mit einer offenen und am Kunden ausgerichteten Haltung wächst der Markt und gute Ideen verbreiten sich besser.

Ein Zeichen von Schwäche ist es jedenfalls gerade nicht, wenn man auf einen Wettbewerber hinweist, sofern es sinnvoll ist. Nein, es ist ganz im Gegenteil ein Zeichen von Stärke, von Selbstvertrauen.

Stellen Sie sich doch einfach mal vor, der Verkäufer in Leipzig hätte gesagt: „Wissen Sie was, ich zeig’s Ihnen schnell!“

Er wäre mit uns rausgegangen und hätte uns drei Straßenecken weiter zu einem anderen Sportgeschäft begleitet. Wir wären zu dritt dort aufgeschlagen, und weil er seinen Kollegen von den Laufschuhen kennt, wäre er zielsicher auf ihn zugesteuert und hätte ihn gleich gefragt, ob er bitte die Schuhe XY in der Größe sowieso für den gemeinsamen Kunden Peter hier hätte.

Sobald Peter mit den richtigen Laufschuhen versorgt gewesen wäre, hätte er seinem Kollegen einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter und uns beiden die Hand gegeben und wäre wieder zurück in sein Geschäft gegangen – das ab diesem Moment unser weltweites Lieblingssportgeschäft gewesen wäre. Wir hätten einen grandiosen Beitrag über dieses Sportgeschäft geschrieben, es bei Twitter und Facebook gepostet und als Beispiel in unser nächstes Buch aufgenommen.

Und das nächste Paar Sportschuhe in einem Jahr wäre mit dem Paketdienst gekommen – aus Leipzig vom Fachhändler. Dessen größte Fans wir gewesen wären!

Ja, so wäre es gewesen … aber so war es leider nicht.

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