Scheitern ist schick – aber schickt sich Scheitern wirklich?

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In Berlin fand am 17. September die achte „Fuck Up Night“ statt. Thema: Menschen erzählen von ihren Pleiten, Pech und Pannen, Produktflops und unternehmerischen Schlappen. Ableger gibt es mittlerweile landesweit und die Veranstalter treffen damit einen Nerv.

Über Flops und unternehmerisches Scheitern zu REDEN ist gerade ziemlich angesagt, auch und sogar in Deutschland.

Ist ja auch irgendwie ehrlicher, als immer nur die Hochglanz- Erfolgsgeschichten zu hören, oder? Wir finden das heilsam, denn jeder vernünftige Mensch weiß: Fehler und Irrtümer sind integraler Bestandteil jeden Fortschritts, jeder Innovation, jeder neuen Form der Wertschöpfung. Wenn Sie die Fehlerquote bei Innovationen auf null setzen wollen, geht das nur, indem Sie die Innovationen gleich komplett verhindern.

So weit, so gut. ABER … verstörend finden wir, dass sich zwischen dieser schönen Theorie, bei der jeder zustimmend nickt, und der Praxis ein Graben von der Größe des Grand Canyons auftut. Denn – „Fuck Up Nights“ & Co. hin oder her – hierzulande gilt immer noch: wer gescheitert ist, der hat versagt! Und wer versagt hat, ist weg vom Fenster! Es ist, als ob jeder, der mal einen nennenswerten Fehler gemacht hat, auf der Stirn ein waschfestes V tragen muss. V wie Versager.

Klingt das übertrieben?
Nein, es klingt genauso, wie es ist: Richtig schlimm!

Das Ergebnis einer Umfrage der Uni Hohenheim ist sehr ernüchternd: Von gut 2000 Befragten würden nur rund 20 Prozent bei einem einst gescheiterten Unternehmer Waren bestellen! Mehr als die Hälfte ist unschlüssig oder lehnt es ab, in neue Projekte eines gescheiterten Gründers zu investieren. Aber rund 75 Prozent sagen vollmundig, Unternehmer hätten eine zweite Chance verdient.

Ja, wie soll die Chance denn aussehen, wenn keiner kauft oder investiert? Genau hier stehen Reden und Handeln im Widerspruch. Scheitern als Chance finden alle toll, aber die zweite Chance sollen dann doch bitte lieber die anderen einräumen!

Exakt eine solche paradoxe Einstellung ist die Grundlage für Untätigkeit und Erstarrung. Erst erstarrt der Mitarbeiter, der sich hütet einen Fehler zu machen. Dadurch erstarrt die Abteilung, dann die Firma, dann die Wirtschaft eines ganzen Landes, das Fehler fürchtet wie ein Tour-de-France-Fahrer die Dopingkontrolle.

Was wir hierzulande dringend brauchen, ist eine kluge Differenzierung zwischen dummen Fehlern, aus denen wirklich keiner etwas lernen kann, und produktiven Fehlern, die gemacht werden, weil jemand Dinge ausprobiert und vorantreibt. Auf letztere sollten wir lernen, stolz zu sein!

Wir wünschen uns von Ihnen darum eine ganz praktische Kultur des intelligenten Umgangs mit Fehlermachern. Und das ist ganz einfach: Wann immer Sie einen Fehler sehen, gehen Sie auf den Fehlermacher zu und sagen: Hey, interessant, was hast du daraus gelernt?

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