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PRODUKT-DNA
Hinterfragen Sie gängige Produktkonzepte und eröffnen Sie vollkommen neue Spielräume für innovative Leistungsangebote!


James Dyson: Der Mann, der den Staubsauger neu erfunden hat

Egal, in welcher Branche wir tätig sind, wir können jedem jederzeit genau erklären, warum unser Produkt oder Serviceangebot so ist, wie es ist und vermutlich auch, warum es nicht anders sein kein.

Bestätigt werden diese scheinbar unumstößlichen Prinzipien durch die Wettbewerber, die sich ebenfalls an diese Produktkonventionen halten. Viel Raum für wirklich neue Ideen gibt es nicht, denn die meisten Angehörigen einer Branche sind auf die gleiche Weise blind – sie achten alle auf die gleichen Dinge und sind den gleichen Dingen gegenüber blind.

So wird der Blick auf die Welt durch die Brille der eigenen Branche, die Akzeptanz der vermeintlich unumstößlichen Branchenregeln und alle damit zusammenhängenden Auffassungen und Meinungen zu einer Art intellektuellen Zwangsjacke, die die Wahrnehmungsfähigkeit auf einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit beschränkt.

Der Trick – und der ist für Insider viel schwerer, als es sich anhört – ist es, die geistigen Fesseln der branchenüblichen Auffassung über das Produktkonzept zu sprengen und sich zu fragen "warum ist das eigentlich so?" und "muss das tatsächlich so sein?" Vergessen Sie also alles, was Sie bisher über Ihr Produkt wussten! Hinterfragen Sie gängige Produktkonzepte und eröffnen Sie sich so vollkommen neue Spielräume für Innovationen!

 

University of the People

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 7/2009

Er lässt sich selbst von der Decke baumeln, um die Wirkung eines Pendels zu erklären. Er benutzt einen Feuerlöscher als Antrieb für ein Dreirad, um zu demonstrieren, wie eine Rakete beschleunigt. Und auch sonst lässt er keine Möglichkeit aus, ein trockenes Fach lebendig und bunt zu gestalten: Wenn es so etwas unter Physikprofessoren gibt, dann ist der 71-jährige Walter H. G. Lewin ein Star. Ein Entertainer. Ein Meister seines Fachs. Einer, von dem Studenten noch lange erzählen, wenn sie das Glück hatten, bei ihm am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einer Vorlesung zu sitzen. Bisher ein Privileg einiger weniger. Tatsächlich kann das mittlerweile aber die ganze Welt. Denn seine Vorlesungen sind, für jeden sichtbar und kostenlos, als Filme im Internet zu finden.

Bildung geht ins Web. Ähnlich wie Walter H. G. Lewin als Dozent das Außergewöhnliche wagt, so traut sich nun auch ein Unternehmer, die Idee des Online-Lernens weiter voranzutreiben. Der Israeli Shai Reshef nutzt seine Business-Erfahrungen, um mit der ersten kostenfreien Online-Universität, der University of the People, ans Netz zu gehen. Sein Ziel: Das Wissen, das es im Netz bereits gibt, zu sammeln, zu bündeln und in Stundenpläne umzuwandeln, die dann auch abgeprüft werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er einige Spitzenkräfte mobilisiert, ihn auf freiwilliger Basis zu unterstützen.


Quelle: www.uopeople.org

Sie alle arbeiten zusammen, damit Menschen einen Abschluss machen können, die sich sonst keine Universität leisten können oder an Orten leben, wo es keine höhere Bildungseinrichtung gibt. Die Dozenten sind Professoren im Ruhestand, Freiwillige mit Fachkenntnissen, Experten mit Webcam – dem Durchschnitt der üblichen Wikipedia-Autoren also nicht unähnlich. Studiengebühren fallen für die ersten Studenten der University of the People auch noch nicht an. Später, wenn der Unterricht reibungslos funktioniert, sollen sie sich im zweistelligen Dollar-Bereich bewegen, um die Kosten des Projekts zu decken. Das erste Semester beginnt im September 2009.

Sicher ist die Universität auch ein Experiment – und als solches ist es nicht sicher, ob es gelingt. Aber egal, wie dieses Projekt ausgeht: Die University of the People ist schon jetzt ein lebendiges und spannendes Beispiel dafür, wie viel Potenzial in einem sozialen Netzwerk stecken kann. Es verbindet die Menschen nicht nur miteinander, sondern auch mit Informationen und Wissen. Und innerhalb dieser Verknüpfungen findet die eigentliche Wertschöpfung statt, indem die gesammelten Kontakte und das Wissen genutzt werden, um Bildung für jeden verfügbar zu machen. Und damit etwas so behäbiges wie das Bildungssystem in Bewegung zu bringen.


Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org

Was uns das zeigt: Bildung ist einer der Bereiche, der am dringendsten runderneuert werden müsste und im Anschluss daran die besten Chancen für enorme Wertschöpfung bietet. Was die University of the People anstrebt, ist etwas, was weit reichende Bedeutung hat: Heute kann jeder, der über Wissen verfügt, zu einem Lehrenden werden. Und diejenigen, die etwas lernen möchten, können sich mit denjenigen verbinden, die etwas wissen. Kurse können kooperativ und öffentlich stattfinden. Lehranstalten, die sich darauf beschränken, die Knappheit der Studienplätze zu verwalten, sind ein Auslaufmodell, denn sie haben nicht verstanden, worauf es wirklich ankommt: echte Beteiligung und die Zusammenarbeit in einem lernfähigen Netzwerk, das Menschen dabei hilft, nicht routinemäßige Maßnahmen zur Problemlösung zu entwickeln.

Ein Gedanke, der auch für Unternehmens-Plattformen gedacht werden darf: Was wäre eigentlich, wenn es auf einer Firmenwebsite eine Art „Universität“ für Kunden und Mitarbeiter gäbe? Nicht passwortgeschützt, sondern offen für jeden, den es interessiert? Was wäre, wenn jeder sich da einbringen dürfte, Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner, die interessierte Öffentlichkeit? Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer die Wertschöpfung.
 

In unserem Business Space Center haben wir folgende Inhaltsstoffe ermittelt:
50% Produkt-DNA
30% Business-Querdenker
20% Customer-Discovery

Linktipps
» 'University of the People' Homepage
» New York Times: On the Internet, a university without a campus
» Inc. Magazine: Interview with Shai Reshef
» Walter H. G. Lewin: "Best Of" Video
» Walter H. G. Lewin: Seine Vorlesungen als Videos

 

 

TCHO

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 3/2009

Wir lieben Schokolade! Aber jedes Mal, wenn wir in einem der großen Kaufhäuser durch die überall irgendwie ähnlichen "Confiserie"-Abteilungen schlendern, denken wir: Köstliche Produkte – wenig berauschende Geschäftsmodelle: Dieselben Traditionshäuser im Hochpreissegment, dieselben lila oder quadratischen Marken für den Massengeschmack - und das seit Jahren. Sicher, die Verpackungen sind stylisher geworden. Aber kaum ändert einer das Design, machen es alle. Und dieser Nachahmungstrieb betrifft nicht nur die Verpackung: Schokolade mit Chili oder Pfeffer? Einer macht es – und dann machen es alle. Fair Trade und Bio? Haben jetzt auch alle im Programm.


"A year in Beta, your gold master is now ready" Quelle: www.tcho.com

Klar, dass wir begeistert waren, als wir kürzlich in den USA entdeckten, wie zwei im besten Sinn verrückte Kalifornier das Schokoladengeschäft gerade neu erfunden haben: Die Schokoladenmarke TCHO hat ihre Fabrikationshallen direkt am Hafen von San Francisco angesiedelt und ist ein echtes Schokoladen-Start-up.

Weil man als solches nur schlecht das übliche "Seit Achtzehnhundertschnee" als Qualitätssiegel auf die hauchzarten Täfelchen drucken konnte, entstand eine clevere Idee: TCHO entwickelte über 1.000 (ausgeschrieben: Tausend!) "Betaversionen" neuer Schokoladensorten, die von den Kunden und baldigen Fans der Marke – den "TCHO-coholics" – getestet und bewertet wurden. Nach einer rund einjährigen "Betaphase" sind inzwischen vier Schokoladensorten als "Version 1.0" erschienen. Leckerclever! Zarte Versuchung trifft Silicon Valley.

Wer kommt auf solche Ideen? Hier hat sich ein ausgesprochener Querdenker mit einem Insider zusammengetan. Louis Rosetto, der Mitgründer des Zeitgeist-Magazins "Wired", hatte Lust, seine süße Leidenschaft zum Beruf zu machen, aber keine Ahnung von der Branche. Timothy Childs wiederum hatte als Lebensmitteltechniker fünf Jahre in der Schokoladenproduktion verbracht und sich dort gelangweilt. Mit einem guten Schuss Ironie ernannte Firmengründer Rosetto seinen Mitstreiter Childs zum CCO, zum "Chief Chocolate Officer" und mit Geld von Freunden und anderen Schokoladenenthusiasten legten die beiden los.


The designers refine the final packaging. Quelle: www.tcho.com

Die Grundidee funktioniert ähnlich wie bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia: Da entstehen ständig neue Inhalte und jeder, der Lust hat, kann sich einbringen. Im ersten Jahr vergingen manchmal nur 36 Stunden bis den "Betatestern" eine neue Schokoladenmischung zur Bewertung angeboten wurde. Das Ziel: eine Schokolade, wie sie die Leute wirklich wollen. Die Faszination: dabei sein, einen Unterschied machen – und dazu noch ein sinnliches Erlebnis genießen! Dabei "erziehen" Rosetto und Childs ihre Kunden nebenbei zu Schokoladenkennern, indem sie in Anlehnung an die Wein-Szene einen Kult um die einzelnen Geschmacksnuancen – eher "nussig" oder doch "fruchtig"? – betreiben.

Fazit: Während Branchen, in denen Insider die Regeln und Dogmen definieren, oftmals immer wieder um dieselben kleinen Verbesserungen kreisen, eröffnen Quereinsteiger, die sich mit den Insidern zusammentun, neue Horizonte.

Darauf eine Tafel "Citrus 1.0"!

In unserem Business Space Center haben wir folgende Inhaltsstoffe von Tcho ermittelt:
50% Produkt-DNA
30% 360-Grad-Blick
20% Mix-It

Linktipps
Homepage TCHO
TCHO's Blog
Wikipedia über Louis Rossetto
Artikel: New York Times: Chocolate in Beta Testing

 

 

Shimano

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 2/2009

Kleine Testfrage: Wissen Sie, wer der Hersteller Ihres Fahrrads ist, mit dem Sie bald im Frühjahr wieder durch die Sonne radeln wollen? Falls nein, dürften Sie zur Mehrheit gehören. Denn Marken sind bei Fahrrädern eher nicht so wichtig, zumindest im Vergleich mit Autos, Skiern oder Erfrischungsgetränken. Wenn wir jetzt aber fragen, wer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Schaltung Ihres Fahrrads hergestellt hat, denken Sie vielleicht kurz nach und sagen dann – Shimano! Na, klar. Kennt doch buchstäblich jedes Kind.
 
Auch wir haben es bei unseren Fahrrädern überprüft: Alle haben Komponenten von Shimano. Keine Überraschung bei einem Marktanteil von über 80 Prozent. Uns hat interessiert, wie Shimano diese Marktdurchdringung erreichen konnte und sind dabei auf ein paar sehr aufschlussreiche Zusammenhänge gestoßen.


Quelle: http://cycle.shimano-eu.com/

Noch vor 25 Jahren waren Teileproduzenten für Fahrräder im Prinzip völlig austauschbar: Bremsen, Pedale, Naben, Schaltungen stammten von Wem-auch-immer. Doch Firmengründer Shozaburo Shimano hatte schon im Gründungsjahr 1921 erklärt: „Ich will, dass Shimano-Produkte die besten in Japan und schließlich die besten auf der ganzen Welt sind.“ Der Durchbruch zu diesem hohen Ziel gelang Jahrzehnte später durch die Erfindung des Komponentensystems. Und darin liegt gleichzeitig der Schlüssel zum Quasi-Monopol.

Die fein abgestimmten Baugruppen brachten zunächst eine nie gekannte technische Perfektion mit sich. Nichts knirschte und knarzte mehr, da alles aus einer Hand kam. Gleichzeitig konnten fremde Teile aber auch nicht mehr ohne weiteres eingefügt werden. Damit war eine echte Marktzutrittsbarriere errichtet. Wer Shimano heute noch die Stirn bieten will, muss ebenfalls Komponenten anbieten, was eigentlich nur dem italienischen Hersteller Campagnolo einigermaßen überzeugend gelingt.


Quelle: http://cycle.shimano-eu.com/

Die Lehre für den hiesigen Mittelstand sehen wir glasklar: Hersteller austauschbarer Einzelteile haben ebenso wenig eine Zukunft wie austauschbare Manager in den Chefetagen. Wer aber über den Weg der Synthese unterschiedliche Zutaten bündelt und daraus ein unvergleichliches Angebot macht, kann neue Märkte kreieren, erobern und beherrschen.

 

 

FLEXA Wandfarbe von Akzo Nobel – Eine saubere Lösung

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 10/2008

Kennen Sie das Problem? Sie stehen im Baumarkt vor einem Regal mit Wandfarben und können sich nicht entscheiden. Zu viele ähnliche Produkte, in ähnlicher Verpackung und ähnlicher Qualität zu ähnlichem Preis. Was tun?

Aus Unternehmenssicht bedeutet das: Willkommen in der Commodity-Falle. Die Unterscheidungsmerkmale sind minimal – und die Gewinnspannen sind es auch.

"Flexa", eine Marke des weltweit größten Farbherstellers Akzo Nobel, ändert nun die Spielregeln der Branche. Denn bei Akzo Nobel war klar: Es macht keinen Sinn, eine weitere Farbe in die Regale zu stellen, die sich nur marginal von den bereits vorhandenen Produkten unterscheidet.

Also hat man folgende Strategie gewagt: Wir schaffen neuen Wert nicht mit dem Inhalt, sondern der Verpackung! Und die ist besonders praktisch ausgefallen:
Der Flexa-Deckel ist so gestaltet, dass man ihn als Abrollgitter verwenden kann. Der Deckel wird nur aufgeklappt, nicht aber ganz abgenommen. Überschüssige Farbe tropft so wieder in den Eimer. Das hält den Boden sauber und spart Farbe.

Einen Eimer Flexa und einen Roller – mehr braucht man nicht mehr beim Renovieren. Abrollgitter und Tropfwanne (Garanten für eine Riesensauerei, die man danach eh wegwirft) werden ebenso überflüssig wie langwieriges Reinigen. Nach dem Streichen: Deckel zu, die Farbe ist dann bis zum nächsten Gebrauch versiegelt und fertig.

Das Eimer-Design stammt von der niederländischen Agentur Flex (daher auch der Name "Flexa") und wurde mit dem Industrial Design Excellence Award ausgezeichnet. Nach Meinung der Juroren repräsentiert Flexa genau das, was Design bewirken sollte: Eine Neudefinierung des Marktes.

Der wirtschaftliche Erfolg?
Seit Einführung von Flexa hat sich der Umsatz VER-ACHT-FACHT und die Präsenz im Regal ist von durchschnittlich 8 auf 18 Prozent gestiegen.



Querdenk-Chance


Clever, finden wir! Bisher waren Farbeimer nur Aufbewahrungs- und Transportbehälter. Akzo Nobel hat der Verpackung – und dem Produkt – einen entscheidenden Mehrwert hinzugefügt und damit das getan, was Alberto Alessi für sein Unternehmen einmal folgendermaßen beschrieben hat:

"Früher waren wir noch in erster Linie ein Haushaltswarenhersteller. Heute versteht sich Alessi als ein Forschungslabor im Bereich der angewandten Kunst. Wir erforschen, was alles möglich ist."

Deshalb gilt: Egal ob Sie Zitruspressen, Wandfarbe oder Industrieroboter herstellen - grundsätzliches Designbewusstsein (nicht nachträgliches Verschönern!) ist der Mount Everest intellektuellen Kapitals.

 

 

GE Caulk Singles – Fugen Abdichten für Zwischendurch

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 9/2008

Heimwerker kennen das Problem: Müssen Fugen im Badezimmer neu abgedichtet werden, geht man in den Baumarkt und kauft Silikon. Das gibt es allerdings nur in der großen Profi-Silikon-Kartusche. Doch meist verwendet man nur einen Bruchteil der gekauften Masse – der Rest vertrocknet irgendwo im Keller...

GE Sealants, die Dichtungsmittelsparte des General-Electric-Konzerns, macht dieser Misere ein Ende mit den Caulk Singles (to caulk = abdichten, verfugen). Das sind kleine Beutel mit gerade so viel Silikonmasse, wie man für die üblichen Reparaturen in Bad oder Küche benötigt.

Das ist praktisch. Denn eine handelsübliche 310ml-Kartusche in die Spritzpistole einzuspannen ist in den meisten Fällen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Mit 2,99 US-Dollar pro Packung sind die Caulk Singles nicht gerade günstig. Wenn man aber bedenkt, wie viel ungenutzte, eingetrocknete Dichtungsmasse in den Kellern verkommt, relativieren sich Aufpreis und Mehrverpackung schnell.

Querdenk-Chance

Zugegeben: Dichtungsmasse in homöopathischen Dosen zu verkaufen ist keine Durchbruchinnovation. Bei Lebensmitteln etwa sind Packungsgrößen für den individuellen Verbrauch längst auf dem Vormarsch – denken Sie an Kaffeepads.

Dennoch sind die Caulk Singles eine hochinteressante Innovation – weil GE hier ein Low-Interest-Produkt zu einem attraktiven Mitnahmeartikel macht. Denken Sie an die Teelichter und künftig auch Sonnenkollektoren bei Ikea ;-)

 

 

Kaugummi – Der Trägerstoff, aus dem die Träume sind

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 8/2008

Das waren noch Zeiten, als Kaugummikauen für Lässigkeit stand. Immer eine Hand in der Hosentasche, cool sein und die Kiefer malmen unermüdlich. Kaugummi kauen war ein Art Rebellion – wenn auch eine klebrig-sanfte.

Irgendwann war der Markt aber satt und die Anbieter mussten feststellen, dass ihre Kernkompetenz – eine Masse herzustellen, auf der man rumkauen kann – kaum noch was zählt. Die Marktführer änderten ihre Strategie und damit auch das Produkt radikal: Kaugummis werden heute als Trägerstoff für ganz neue Anwendungen verwendet. Ein paar Beispiele:

Orbit Balance Papaya-Aloe Vera. Wellness zum Kauen. Denn wo Aloe Vera draufsteht, kann doch nichts Schlechtes drin sein, oder? Die Werbung verspricht, dass Orbit dabei helfen soll, die Stresssituationen des täglichen Lebens gelassen zu nehmen…

Jolt Caffeine Energy Gum. Die Tasse Kaffee zum Kauen. Der Hersteller GumRunners wurde im Jahr 2002 von zwei ehemaligen Colgate-Palmolive Managern gegründet und vertreibt auch den gleichnamigen Energy Drink Jolt Cola.

Nutra-Trim Weight Management Gum. Kaugummi zum Abnehmen. Die Wunderpillen mit Spearmint oder Fruchtgeschmack sollen vor den Mahlzeiten angewendet werden. Eine Studie an der Universität Liverpool will herausgefunden haben, dass dadurch Kalorien und Hungergefühl signifikant reduziert werden. Eine zuckerfreie Kombination mit grünem Tee Extrakt, L-Carnitine, Chromium Picolinat und Guarana soll’s richten. Und Diättipps gibt es auf der Homepage.

Nicorette. Nikotinhaltiger Kaugummi. Gilt als Klassiker unter den Kaugummis, die als Träger für Wirkstoffe verwendet werden. Soll helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Ob es tatsächlich hilft, keine Ahnung. Wir sind überzeugte Nichtraucher. Die Geschmacksrichtungen klingen übrigens gar nicht nach Kippe: Freshmint, Freshfruit, Mint und Classic.


Querdenk-Chance


Um in einer Überflussgesellschaft überleben zu können, brauchen wir mehr Innovation. Für Kaugummihersteller bedeutet das: weg von der austauschbaren Gummimasse - hin zur Trägermasse für Nahrungsergänzungsmittel.

Das Versprechen: Der Anwender wird gesünder, schlanker, schöner oder wacher. Ganz nebenbei wird damit auch noch eine neue Zielgruppe erobert: Der Anteil regelmäßiger Kaugummikauer erhöhte sich in der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren auf 44 Prozent.

Haben Sie schon einmal überlegt, was IHR Produkt und IHRE Dienstleistung eigentlich noch alles können? Wenn Kaugummis schon gesund, schlank und schön machen, sollte eigentlich fast alles möglich sein – oder?

 

 

Smart Metering – Strom wird endlich sichtbar

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 6/2008

Egal ob in Yello-Gelb oder E.ON-Rot: Strom ist unsichtbar. Das Produkt ist kaum differenzierbar und irgendwie auch langweilig - abgesehen vom Preis. Am ehesten wird Strom noch in den Farben schwarz auf weiß erfahrbar, mit der Rechnung zum Jahresende. Bis dahin zahlt der Verbraucher Abschlagszahlungen ins Blaue hinein und muss, meist zu Beginn des neuen Jahres – und weil die Preise gerne steigen – nachzahlen.

Mit der zeitlichen Entkoppelung von Verbrauch und Bezahlung jedoch verlieren Kunden jegliches Gespür dafür, wann sie wie viel Strom wofür verbrauchen. Das muss nicht sein. Intelligente Stromzähler, so genannte "Smart Meter", machen Strom endlich für jeden sichtbar.

Smart Meter sind digitale Zähler, die Verbrauchsdaten sowohl dem Versorger als auch dem Kunden via Internet übermitteln. Und zwar permanent. So lässt sich der Verbrauch auf dem heimischen Computer überwachen und Stromfresser im Haushalt identifizieren – Stichwort: Stand-by-Betrieb.

Vorteile für die Verbraucher: Smart Meter können nicht nur Strom, sondern auch den Gas- oder Wasserverbrauch messen und gebündelt visualisieren. Sparmöglichkeiten werden aufgezeigt. Auch wenn eine Studie von Arthur D. Little den Spareffekt ohne Komforteinbußen auf nur zehn Prozent im Jahr beziffert – Kontrolle ist besser und schafft Vertrauen.

Vorteile für die Versorger: Digitale Zähler können den Verbrauch in kürzeren Intervallen messen. Dadurch kann exakter abgerechnet und die Stromrechnung monatlich ausgestellt werden. Das regelmäßige Ablesen von Hand fällt weg. Auch verbrauchs- oder tageszeitabhängige Staffelpreise werden möglich.

Würde etwa morgens der Strom verteuert, zu anderen Tageszeiten hingegen verbilligt, könnte das Kunden motivieren, gleichmäßiger über den Tag verteilt zu konsumieren. Das teure Hinzuschalten von Kraftwerken, die in Spitzenzeiten eine Überlastung des Stromnetzes verhindern, würde überflüssig.

Smart Metering bei E.ON: In Großbritannien und Osteuropa laufen gerade Tests. In Schweden erhält jeder E.ON-Kunde bis 2009 einen Smart Meter, denn das Land verpflichtet die Versorger zur monatlichen Abrechnung.

Smart Metering bei RWE: Die RWE Rhein-Ruhr AG investiert ab diesem Jahr in das Projekt "100.000 intelligente Zähler für Mülheim". Kostenpunkt: 20 Millionen Euro für drei Jahre.

Smart Metering bei der Deutschen Telekom: Am Bodensee kooperiert die Deutsche Telekom mit dem örtlichen Versorger Technische Werke Friedrichshafen und dem Softwarehaus Bittner+Krull, um die Stadt mit intelligenten Zählern zu versorgen – ein neues Geschäftsfeld als Ersatz für die Verluste beim Festnetz?

Smart Metering bei Yello: Die Kölner Tochter von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger, der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) überzeugte mit dem Slogan "gelb, gut, günstig" bisher über 1,4 Millionen Kunden zum Wechsel. Ab Sommer 2008 ist der "Yello Sparzähler Online" erhältlich. Eine Kooperation mit Microsoft soll den Zähler um Online-Services ergänzen.


Querdenk-Chance


Versorger, deren Preisgestaltung bislang einer Black-Box gleicht, können mit dieser nicht uneigennützigen Produkt-DNA ihr Image kräftig polieren.

Und angesichts steigender Energiepreise nehmen Smart Meter den Verbrauchern das mulmige Gefühl, raffgierigen Energieriesen ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Smart Metering macht aus passiven Stromverbrauchern aktive Energiemanager - und erfindet den guten alten Stromzähler neu.

 

 

Jones Soda – "Truthahn mit Soße" aus der Limoflasche

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 5/2008

Jones Soda-Gründer und Unternehmenschef Peter van Stolk erklärt das Erfolgsrezept seiner Innovation so: "Wir haben das Unternehmen in dem Wissen gestartet, dass die Welt alles mögliche braucht – bloß nicht noch eine weitere Limo-Marke. Das hat uns dazu gezwungen, phantasievoll zu sein."

Die Lösung: Van Stolk hat den direkten Kopf-an-Kopf-Wettbewerb mit etablierten Softdrink-Herstellern gemieden und Jones Soda anders positioniert. Ganz anders!

Denn eines ist klar: Wer versucht, das gleiche zu machen wie Coca-Cola oder Pepsi, hat gegen deren Werbe-Milliarden und Vertriebskanäle keine Chance. Der kleine Herausforderer Jones Soda ist dennoch hoch erfolgreich, dank...

...außergewöhnlicher Kunden: Ohne die Fangemeinde, die "Community", wäre Jones Soda nur ein weiterer überflüssiger Abfüller. Die Kunden sind die wichtigste Inspirationsquelle und werden via Website in die Markengestaltung involviert. Sie schicken ihre Fotos für die Etiketten ein, ihre Sprüche landen auf den Deckeln und sie entscheiden über das Design der Merchandising-Artikel. CEO van Stolk: "Dies ist nicht unsere Marke. Sie gehört unseren Kunden!"

...außergewöhnlicher Geschmacksrichtungen: Sie sind das direkte Ergebnis der Einbindung der Kunden, die Vorschläge für Aromen online einreichen und über die Namen abstimmen. Heraus kamen Zungenbrecher und zweifelhafte Gaumenfreuden wie "Blue Bubble Gum", "Bohemian Raspberry", "Chocolate Fudge oder "D'Peach Mode". Auch das grelle Flaschendesign entstammt den Vorlieben der Kunden.

Pünktlich zum Thanksgiving-Fest tischte Jones Soda ein flüssiges Komplettmenü auf, bestehend aus "Truthahn mit Soße", "Kartoffelpüree mit Butter", "Grüne Bohnen" und "Früchtekuchen". Prostmahlzeit. Innerhalb einer Stunde war die Special Edition ausverkauft und nur noch für viel Geld auf eBay zu ersteigern.

...außergewöhnlicher Vertriebskanäle: Als Marke muss Jones Soda vor allem dort präsent sein, wo sich die Kunden aufhalten: In Tatoo-Studios oder in Musikläden. Jones Soda betreibt auch die Online-Musikplattform MyjonesMusic: Hier können Kunden kostenlos Musikdateien austauschen, und Nachwuchsbands können ihre eigenen Songs der riesigen Jones-Community vorstellen.


Querdenk-Chance


Je mehr Jones Soda die Community einbezieht, desto mehr Menschen sprechen über das Getränk. Eine bessere und billigere Werbung gibt es nicht! Diese unglaublich enge Kundenbeziehung verleiht Jones Soda längst Kultstatus und ermöglicht revolutionäre Marketingansätze.

Geht es noch um ein Getränk? Auch. Aber vor allem geht es um die Gestaltung einer Marke. Genauer: Meiner Marke! Jones Soda zeigt, dass es keine satten Märkte gibt, solange man prickelnde Alternativen zum Mainstream parat hat.

Wenn Sie wissen, wie Ihre Kundschaft tickt und welche Bedürfnisse sie hat, können Sie auch mit gezielter und kreativer Produkt-DNA auf sie reagieren. Es muss ja nicht gerade blaue Kaugummi-Limo sein...

 

 

Rentokil Mouse Radar – Die Mausefalle neu erfunden

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 4/2008

Die Hausmaus (Mus domesticus) wird bis zu 9,5 cm groß, mit ebenso langem Schwanz. Ihre Nachkommen zählen 4–16 Junge pro Wurf. Bei etwa 7–8 Würfen jährlich ergibt das eine Mäusepopulation von bis zu 128 kleinen Nagern.

Ein kleines Problem, das sich aber potenziert, wenn man es lässt. Für Abhilfe sorgt das britische Unternehmen Rentokil, dessen Name seit 1925 Garant für die effektive Bekämpfung von Schädlingen aller Art ist. Und da der Feind nicht schläft, sondern eher nachtaktiv ist, ist man auch bei Rentokil hellwach und hat die Mausefalle neu erfunden: Der 'Mouse Radar' funktioniert nicht mit Käse, sondern mit Kohlendioxid. Tappt eine Maus in die Radar-Box, wird dies von druckempfindlichen Sensoren registriert, und die Box schließt sich. Eine exakt bemessene Dosis Kohlendioxid wird freigesetzt und tötet den Nager schnell und schmerzlos ohne umweltschädliche Toxine freizusetzen.

Auf Wunsch meldet der High-Tech-Apparat seinen Fang auch gleich per SMS oder E-Mail. Das ist insbesondere für Großkunden gedacht, für die Rentokil computergesteuerte Systeme zur Schädlingsprävention bereit hält: die 'Mouse Monitor Unit' oder 'PestNetOnline'.

Querdenk-Chance

Vielleicht wäre die Anschaffung einer 'Mouse Monitor Unit' für unser kleines Problem mit dem Nager unter der Küchenzeile eine Nummer zu groß gewesen - aber für Großkunden, etwa aus der Lebensmittelbranche, ist das die perfekte Lösung.

Es gibt kein Produkt, das man nicht neu erfinden könnte. Das gilt auch für die gute alte Mausefalle, die Rentokil in ein High-Tech-Produkt verwandelt hat. Sensoren, softwaregestütztes Monitoring und Erstellung eines 'Audit-Trails' – das sind nur einige Merkmale der Mausefalle für das 21. Jahrhundert.

Haben Sie vielleicht auch ein Produkt, das so aufregend ist wie eine Mausefalle? Ein Produkt über das alle sagen, da könne man eben nichts machen? Glauben Sie immer noch daran?

 

 

Statt Klingelton: Lebensversicherung für 1 Euro aufs Handy

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 1/2008

Mit den landestypischen, meist total überladenen Minibus-Taxis in Südafrika unterwegs zu sein, ist nicht nur ein Abenteuer, sondern mitunter lebensgefährlich. Allein während der vergangenen Osterfeiertage gab es 276 Verkehrstote. Diesem sehr realen Risiko begegnet nun der südafrikanische Versicherer Metropolitan Life.

Und zwar mit einem innovativen Produkt: der temporären Lebensversicherung "Cover2go Accidential Death Cover". Das Besondere an dieser Police: Sie ist nur einen Monat lang gültig, kostet umgerechnet nur einen Euro und zahlt im Todesfall rund 1.500 Euro an die Begünstigten aus.

Cover2go ist aber nicht nur für Passagiere von Sammeltaxis gedacht. Sie ist generell für arme Menschen auch in anderen Schwellenländern interessant, die sich herkömmliche Versicherungsprodukte bisher nicht leisten können und als Zielgruppe meist übersehen werden.

Ein weitere Innovationsidee ist, dass man Cover2go per SMS abschließen kann, ähnlich dem Kauf eines kostenpflichtigen Klingeltons. Um die Lebensversicherung abzuschließen, sendet der Kunde Name und Ausweisnummer per Kurzmitteilung an den Anbieter. Die SMS kostet 10 südafrikanische Rand und wird vom Guthaben abgezogen. Damit ist die Police bezahlt. Eine Antwort-SMS des Anbieters bestätigt den Abschluss.

Der Versicherungsschutz ist sofort wirksam und überall verfügbar. Ohne teure Vermittler-Provisionen, ohne medizinische Ausnahmeregelungen und ohne komplizierte Verträge mit Kleingedrucktem.

Warum dieser ungewöhnliche Vertriebsweg? Nur wenige Südafrikaner verfügen über ein Girokonto – jeder zweite allerdings über ein Mobiltelefon. Das Bezahlen und Abwickeln von Geldgeschäften per Handy, so genanntes "M-Banking", ist im ländlichen Südafrika sehr weit verbreitet.

"Damit revolutionieren wir die Versicherungsbranche, weil wir dem Kunden wieder die Kontrolle über den Abschluss geben. Bisher konnten Versicherungen nur verkauft, nicht aber gekauft werden", sagt Derek Pead, Chef von Cover2go.

Querdenk-Chance

Mit Cover2go wurde ein klassisches Produkt in mehrfacher Hinsicht hinterfragt und neu erfunden: Lebensversicherungen können sehr wohl zeitlich befristet und ihr Abschluss einfach sein. Sie können auch sofort wirksam und per SMS bezahlt werden. Bedarfsorientierter geht es kaum!
Schon mal überlegt, wie Sie IHR PRODUKT neu erfinden können?

 

 

Wochenblister: Gut für Patienten – Wut bei Apothekern

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 11/2007

"3 mal täglich 2" von diesen Tabletten, "2 mal täglich eine" von jenen, die einen jeweils vor den Mahlzeiten, die anderen morgens und abends. Chronisch Kranke, die verschiedene Medikamente zu unterschiedlichen Tageszeiten einnehmen müssen, können da leicht den Überblick verlieren. Aber auch andere Patienten wären bei einer normalen Grippe schon dankbar, sich nicht ständig Gedanken über die Dosierung ihrer Arzneimittel und die Reihenfolge ihrer Einnahme Gedanken machen zu müssen.

Genau für dieses Problem hat Edwin Kohl eine Lösung. Der 57-jährige Saarländer plant noch für dieses Jahr, die vielen bunten Tabletten verschiedener Hersteller in ein und derselben Packung anzubieten: übersichtlich nach Wochentagen und Tageszeiten sortiert. Die so genannten "Wochenblister" werden für jeden Patienten individuell bestückt. Hergestellt werden die Durchdruckpackungen von der 7x4 Pharma GmbH, einem Tochterunternehmen der Kohl-Gruppe.

Dass Edwin Kohl mit dem Wochenblister die Wut der Apothekerverbände auf sich zieht, überrascht nicht. Schließlich ist es des Apothekers wichtigster Job, den Kunden zu erklären, wann diese welches Medikament wie einzunehmen haben.

Diesen Job wären sie, ginge es nach Kohl, bald los: 70 Millionen Euro hat der Querdenker bereits in seine Idee investiert. 400 Medikamente will er auf Lager halten, um sie über ausgewählte Apotheken zu vertreiben. In zehn Jahren will Kohl allein in Europa zehn Millionen Patienten versorgen und fünf Milliarden Euro einnehmen – Geld, das vielen kleinen Apotheken fehlen wird.

Kohlpharma mit Sitz im saarländischen Merzig wurde von einer Einmann-Gründung 1979 zu Deutschlands größtem Arzneimittelimporteur. Das Unternehmen versorgt über die Hälfte des Marktes, beschäftigt knapp 1.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr 706 Millionen Euro Umsatz. Das Logistikzentrum gilt als eines der modernsten Europas.

Querdenk-Chance

Für den Kunden wäre der Wochenblister ein Meilenstein hin zu mehr Convenience und Sicherheit. Diese clevere Produkt-DNA hat enormes Potenzial. Ach ja, und eigentlich sollte jede Einsparmaße im maroden Gesundheitswesen willkommen sein – meint man. Ob Kohlpharma aber im nächsten Jahr zum sechsten mal als "Bester Apothekenpartner" wiedergewählt wird, bleibt abzuwarten.

Haben auch Sie das Zeug dazu, mit radikalen Innovationen an den Grundfesten ungeschriebener Marktgesetze zu kratzen? Oder gelten in Ihrer Organisation die drei Grundgesetze der Fraktion der Bremser und Bewahrer: "Das war schon immer so! Da kann ja jeder kommen! Wo kommen wir denn da hin?"

 

 

Phorms macht Schule

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 8/2007

Die Horrormeldungen gingen durchs Land: An der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln waren die Pädagogen mit ihrem Latein am Ende – ihre Schüler gewalttätig statt lernwillig, deren Eltern unkooperativ oder überfordert. Die fatalen Folgen für alle Beteiligten: Ein Teufelskreis aus Demotivation und Desillusion. Wem die Schulbildung seiner Kinder nicht egal ist, der meidet berüchtigte Problemschulen. Am besten ist, man nimmt das Heft gleich selbst in die Hand.

So geschehen in Berlin Mitte, wo ein Team von Unternehmern, die gleichzeitig auch Eltern sind, kurzerhand die Phorms-Grundschule gegründet hat. Ihr Anliegen ist es, "einen relevanten Beitrag zur besseren Bildung unserer Kinder zu leisten." Dabei spielt der bilinguale Unterricht eine entscheidende Rolle - und zwar ab dem ersten Schuljahr. Die natürliche Sprachlernfähigkeit von Kindern soll genutzt werden: "Englisch und Deutsch sind an unserer Schule gleichwertige Unterrichtssprachen."

Weitere Schwerpunkte auf dem Lehrplan: Selbstverantwortung, Organisationstalent, Entscheidungsfreude und Risikobereitschaft sollen in jedem Schüler entwickelt werden. Hoch qualifizierte Lehrkräfte mit internationaler Erfahrung setzen modernste Lehrmethoden aus aller Welt ein. Das Ganztagskonzept mit Klassenstärken von höchstens 24 Schülern soll die intensive Beschäftigung mit jedem Einzelnen gewährleisten.

Seit Sommer vergangenen Jahres läuft die Berliner Grundschule - mit großem Erfolg. Das Angebot wird so gut angenommen, dass im August diesen Jahres das erste Phorms-Gymnasium den Unterricht aufnimmt, mit Spanisch als zweiter Fremdsprache und Latein, Französisch oder Chinesisch als dritter. Gleichzeitig expandiert das Konzept in andere deutsche Städte. Im August eröffnen Phorms-Grundschulen in München, Köln und Frankfurt. Hamburg und Hannover sollen folgen. Die Schulgebühren sind nach dem Familieneinkommen gestaffelt.

Querdenk-Chance

Bildung ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – aber den haben wir nicht allein gepachtet. Es geht nicht mehr darum, dass es zukünftige Generationen einmal "besser" haben sollen als wir. Es geht darum, dass sie mit Milliarden wissbegieriger Chinesen und Inder mithalten können.

Die Phorms-Gründer verdienen Respekt. Eltern haben sich engagiert zusammengetan, um ihren Kindern das beizubringen, was sie wohl selber gerne in der Schule gelernt hätten.

 

 

Gerolsteiner Linée

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 6/2007

Viele versprechen es, Gerolsteiner scheint es endlich erfunden zu haben: Ein Getränk, das nachweislich zum Abnehmen beiträgt. "Immer mehr Menschen kämpfen mit den Folgen ungesunder Ernährung", so Jörg Croseck, Sprecher der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG.  Das neue Produkt mit dem klingenden Namen 'Linée' "helfe dabei, Schwächephasen zwischen den Mahlzeiten zu überbrücken." Die drei fruchtig-herben Geschmackskombinationen Litschi-Limette, Mango-Grapefruit und Ananas-Zitronengras sollen heimliche Versuchungen vergessen machen.

Wie funktioniert Gerolsteiner Linée? Eine Kombination aus schnellen und langsamen Kohlenhydraten (Mono- und Polysaccharide) soll den Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten stabilisieren. Die 19,8 kcal pro 100ml werden vom Körper zeitlich verteilt aufgenommen und füllen die so genannten "Hungerlöcher" aus.

Diese blutzuckerregulierende Wirkung wurde vom Westdeutschen Gesundheitszentrum in Düsseldorf bestätigt. Das ist entscheidend, denn mit der Health-Claims-Verordnung, die ab 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt (EU-Verordnung Nr. 1924/2006), müssen nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel wahr und belegbar sein. Fehlt der wissenschaftliche Nachweis, winkt ein Verbot. Verbraucher sollen so vor irreführenden Werbebotschaften geschützt werden.

Querdenk-Chance

Mit innovativen Produkten versucht Gerolsteiner, der Konkurrenz das Wasser abzugraben. Das scheint zu gelingen, denn der Nettoumsatz wuchs im vergangenen Jahr um 7,7 Prozent – laut ACNielsen überproportional zum Rest der Branche. Das ist bemerkenswert, denn kaum eine anderer Markt ist so stark umkämpft und fragmentiert (siehe auch Business-Backstage-Report Nr. 48).

Während die Konkurrenz also noch Wasser predigt, ist Gerolsteiner mit Linée schon einen Schritt weiter und setzt sich ernsthaft mit den Ursachen der modernen Zivilisationskrankheit Übergewicht auseinander. Auch wenn wir von Mineralwasser allein nicht satt und schon gar keine Supermodels werden – der Ansatz ist gut. Gerolsteiner Linée steht ab 1. Juni in den Regalen: 0,75 Liter zum Preis vom 1,29 Euro.

 

 

Crunch Pak: Der Apfel Snack

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 1/2007

Der Apfel ist ein Massengut - da geht der Wettbewerb nur über den niedrigsten Preis. FALSCH! Dass es sehr wohl anders funktionieren kann, zeigt eine Gruppe von Obstbauern aus dem US-Bundesstaat Washington. Sie haben den Apfel neu erfunden: Unter dem Namen "Crunch Pak" verkaufen sie geschnittene und abgepackte Apfelstückchen als Snack für unterwegs.

Die Erkenntnis, die zur Gründung Crunch Pak LLC führte: Äpfel sind lecker und gesund, haben aber keine "Snackability". Also kein Produkt, welches man im Vorbeigehen für zwischendurch kauft. Eher greift man zum Schokoriegel, den man bequem auspacken kann und nicht abwaschen muss!

Im Jahr 2000 begann man daher mit der Produktion, genauer gesagt dem Kleinschneiden von Äpfeln. Innerhalb von 5 Jahren hat sich das amerikanische Unternehmen einen Riesenmarkt erschlossen, der auf bis zu 1 Milliarde Dollar geschätzt wird – und rasant wächst: Schon 3 mal musste Crunch Pak in neue Produktionsanlagen umziehen, um die Nachfrage decken zu können.

Und so schaut die Produkt-DNA aus: Man hat die Wahl zwischen roter und grüner Sorte, geschnitten oder gewürfelt, Einzel- oder Großhandelsmenge, im wieder verschließbarem Plastikbecher oder Beutel und aus herkömmlichem oder ökologischem Anbau. Wesentlicher Faktor für die Kaufentscheidung ist die ansprechende Präsentation, so die Überzeugung von Tony Freytag von Crunch Pak: In Amerika sei allein durch die Verpackung von frischen Lebensmitteln der Konsum seit den 90er Jahren um 30% gestiegen.

Damit die Äpfel im Supermarktregal auch frisch und "crunchy" sind, werden sie mit einer mineralischen Glasur haltbar gemacht. Der natürliche Konservierungsstoff ist reich an Kalzium und Vitamin C, womit man speziell Kinder und deren Eltern ansprechen will. Crunch Pak hält zudem ein Zertifikat, welches das Schnittobst als "koscher" deklariert.

Querdenk-Chance

Crunch Pak zeigt, dass es keine Ausreden gibt: "Wir verkaufen doch nur Äpfel" - "Na und!". "Wir verkaufen doch nur Hygienepapiere" - "Dann macht doch etwas draus!". "Wir verkaufen nur Baustoffe" - "Dann nehmt Euch doch ein Beispiel an den Crunch Paks!". Geht nicht - gibt's nicht. Gerade scheinbar ausgereizte langweilige Produkte in konservativen Branchen bieten oft die größten Ansatzpunkte für eine gelungene Produkt-DNA. Worauf warten Sie noch :-)

 

 

Farben & Tapeten als besorgte Mitbewohner

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 11/2006

Tapeten und Farben: Nichts weiter als austauschbare Produkte? Schließlich ist doch eine weiße Farbe wie die andere, oder? Denken Sie so? Dann denken Sie noch mal!

Dulux Magic White – Rosa Wandfarbe, die weiß wird
Diese Wandfarbe von Dulux hat im Eimer eine rosa Färbung, wird aber ca. 40 Minuten nach dem Anstrich weiß. Dadurch sieht man sofort, wo man auf dem weißen Untergrund mit Magic White schon gestrichen hat.

Alpina Farben – Alpina AirClean
Diese Dispersionsfarbe verbessert Ihre Raumluft. Unangenehme Gerüche und Luftschadstoffe verschwinden. Das Wirkungsprinzip basiert auf der Photokatalyse: Spezielle Titandioxid-Teilchen werden durch Tageslicht aktiviert, und bauen daraufhin Stickoxide (z.B. von Verbrennungsprozessen) oder Fettsäuren (vom Kochen) ab.

Marburger Tapeten –  Die mit elektromagnetischer Abschirmung
Diese Tapete kann mehr als nur die Wand zu verhübschen: Ein eingebettetes Gewebe verspricht Schutz vor hoch- und niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung. Wer beim Thema Mobilfunk- oder WLAN-Strahlung schon immer Unbehagen verspürte, kann sich mit dieser Tapete wirksam abschotten. Soll auch gegen andere moderne Bedrohungen wie z.B. Lauschangriffe oder Spionage-Wanzen helfen...

Caparol – die Wellness-Farben
Die Firma Caparol bekämpft den unsichtbaren Feind gleich an drei Fronten – oder besser gesagt in drei Schichten: Das ElectroShield wird als Grundierung aufgetragen und sorgt als "Wellenbrecher" für strahlungsfreien Schlaf. CapaSan bekämpft ganz ähnlich der Alpina CleanAir unwillkommene Mikroorganismen. Caparol Sensitiv ("Die Sanfte") wurde speziell für Allergiker und sensible Personen entwickelt. Sie enthält weder Lösemittel noch Weichmacher oder Konservierungsmittel. Die Zielmärkte: Gesundheitsbewusste Wandanstriche für  Arztpraxen, Kindergärten, Schulen und natürlich Häuser und Wohnungen.


Querdenk-Chance

Diese vier Unternehmen haben aus scheinbar banaler Baumarktware echte High-Tech-Produkte mit saftigen Margen gemacht. Intelligente Produkt-DNA kann aus Farbe & Tapete Wellnessobjekte machen!

 

 

Pharmaca, Elephant Pharmacy & Apotheke zum Löwen von Aspern

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 8/2006

Die beiden amerikanischen Unternehmen Pharmaca und Elephant Pharmacy sprechen gezielt Leute an, die von ihrem Apotheker mehr erwarten als Medikamente gegen Rezept auszuhändigen und dazu "Dreimal täglich nach den Mahlzeiten" zu murmeln.

"Wir wollen die besten Alternativen von Naturmedizin und Schulmedizin unter einen Hut bringen" sagt Pharmaca Chef Barry Perzow. Und so gibt es ein riesiges Angebot an Naturmedizin und die entsprechende Beratung durch Naturheilkundler. Ein zweiter wichtiger Gedanke ist die Weiterbildung der Kunden. So werden beispielsweise Kurse angeboten, wie man Hautpflegeprodukte selbst herstellt und es gibt Infoveranstaltungen zu den verschiedensten Themen wie z.B. über Chinesische Hausmittel.

Die Elephant Pharmacy, die sich selbst "Der Drugstore, der Ihnen Yoga verschreibt" nennt, treibt den Gesundheitsgedanken noch weiter. In den  über 1.000 qm großen Filialen bekommt man all das, was man üblicherweise in einer Apotheke und Drogerie findet und noch viel mehr: So gibt ein Yoga-Studio (!), Biolebensmittel, Bücher rund um das Thema Gesundheit und viele andere Produkte und Dienstleistungen, die ein gesundes und aktives Leben unterstützen.

Apotheke zum Löwen von Aspern

Auch im deutschsprachigen Raum ist Bewegung in den Markt gekommen. Der Apotheker Wilhelm Schlagintweit in Wien hat es verstanden: Wenn man sich auf einem so engen Markt gegen etablierte Konkurrenten behaupten will, muss man etwas Besonderes bieten. Alles genauso zu machen wie die anderen, nur ein bisschen größer, ein bisschen moderner, das bringt nichts.

Schlagintweits Apotheke zum Löwen von Aspern versteht sich als ein ganzheitliches Gesundheitszentrum, als Ort der sozialen und kulturellen Begegnung. Im Verkaufsraum finden sich Beratungsinseln anstelle eines durchgehenden Verkaufspults und zusätzlich ein großer Selbstbedienungsbereich. Die Kunden können bei der Herstellung von Salben zusehen. Es gibt einen Veranstaltungsraum wo Lesungen mit prominenten Autoren und andere Events stattfinden. Samstags wird das Angebot durch einen "Bauernmarkt" ergänzt. Auf dem Dach des architektonisch sehr gelungenen Gebäudes findet sich ein Kräutergarten nach benediktinischem Muster.

Seit der Eröffnung hat sich der Umsatz - gegenüber dem Vorgängerlokal - um 30 Prozent erhöht. Die Kunden schätzen die Offenheit und Großzügigkeit, den Wegfall der Barrieren und die bessere Beratung. Einigen Kunden geben die Sichtbetonoberflächen des modernen Baus allerdings Rätsel auf und sie stellen sich die Frage, warum man den Bau nicht zu Ende geführt habe :-)

Querdenk-Chance

Gesundheit ist ein Wachstumsmarkt, daran ändern auch die Sparlisten der Politiker nichts. 33 Milliarden Euro jährlich sind allein in Deutschland zu verteilen. Die Alten, die Jungen, die Schlauen und die Dummen, alle wollen fit sein. Die Apotheke zum Löwen von Aspern, die Elephant Pharmacy und Pharmaca haben eine ungeschriebene Branchenregel auf den Kopf gestellt: Wer in diese Apotheken kommt, muss nicht unbedingt krank sein. Man bietet die optimierte Apotheke für Menschen, die sich gesundheitlich optimieren wollen.

Für die Apotheken der traditionellen Art gilt: sie werden wohl nie ganz vom Markt verschwinden, aber die Luft wird immer dünner. 

 

 

Andreasgemeinde

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 6/2006

Gehen Sie regelmäßig in die Kirche? Dann zählen Sie zu einer aussterbenden Minderheit, denn in den meisten Gotteshäusern herrscht gähnende Leere. An den Sonntagen halten die Pfarrer ihre Predigten meist vor leeren Bänken.

Dass es auch anders sein kann, zeigt das Beispiel der evangelisch-lutherischen Andreasgemeinde in Niederhöchstadt bei Frankfurt. Doch das war nicht immer so. Als Pastor Klaus Douglass dort im Jahr 1989 seine Karriere als Seelsorger begann, saßen nur etwa 30 Gläubige in den Reihen. Doch wo waren die restlichen 2.500 Mitglieder der Kirchengemeinde? Douglass verteilte Fragebögen, um zu erfahren, was der fernbleibende Rest wolle. Und er begann, sein Produkt - also den Gottesdienst - attraktiver zu gestalten.

Nach einer Reise in die USA, wo Gottesdienste traditionell auch Shows sind, arbeitete Douglass ein Konzept aus. Am Ende stand ein Gottesdienst, der sich "GoSpecial" nennt. Die Veranstaltungen haben Themen wie "Die Kir(s)chen in Nachbars Garten – Warum wir alle neidisch sind" oder "Monster unterm Bett – Vom richtigen Umgang mit Ängsten". Bands spielen elektronische Musik. Nach der Predigt können die Kirchenbesucher Fragen stellen. Mittlerweile findet GoSpecial monatlich in einem Kino in Sulzbach mit 700 Plätzen statt. Der Saal ist dann fast voll, die Leute holen sich Popcorn und Getränke.

"Die Gemeinde hat eine Vorreiterrolle", so Hans-Albert Genthe, Sprecher der Landeskirche Hessen und Nassau. Zwar geht das bunte Treiben einigen zu weit, aber für die gibt es nicht nur nach wie vor die klassische Messe, sondern ein komplettes Dienstleistungsportfolio, wie z.B. den traditionellen Morgengottesdienst, den aufgelockert traditionellen Morgengottesdienst, den Gottesdienst kompakt, den Kindergottesdienst und vieles mehr.

Querdenk-Chance

Bei Jesus war es so: 99 Schafe waren da, eines fehlte. "In der Volkskirche ist es andersrum. Wir haben bestenfalls 2 Schafe. Die anderen 98 kommen nicht." Pastor Douglass kämpft um diese 98 Schafe. Dazu nahm er auch bewusst das Risiko in Kauf, mit seinen modernen "Kirchenprodukten" treue Schafe zu verlieren. Die vollen Gottesdienste mit begeisterten Menschen geben ihm und seinem Weg jedoch jeden Sonntag Recht!

 

 

Adidas, Nike & Puma

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 5/2006

Turnschuh ist nicht gleich Turnschuh. Die drei Branchengrößen Adidas, Nike und Puma zeigen auf exzellente Weise, wie man etablierte Produktkonzepte clever in Frage stellen kann. Jeder der drei Hersteller hat dabei einen ganz eigenen Weg gefunden, die Branchen- und Produktkonzepte zu hinterfragen.

Adidas setzt bei seiner Kreation ganz auf Hightech. Der adidas 1 ist ein Laufschuh, dessen intelligente Dämpfung sich automatisch dem Untergrund anpasst, auf man gerade unterwegs ist. Dank eines kleinen Computers erkennt der Schuh, ob die Dämpfung zu weich oder zu hart ist. Das System arbeitet wie ein menschlicher Nervenreflex. Der Nerv ist das magnetische Sensorsystem, dessen Sensor unmittelbar unter der Ferse des Läufers sitzt, während der Magnet auf der Unterseite der Zwischensohle platziert ist.

"Dieser Schuh soll die gesamte Sportartikelbranche revolutionieren. Es handelt sich dabei um eine absolute Neuheit, die die unumstrittene Führungsposition von Adidas auf dem Gebiet der Innovationen untermauert", so Adidas-Vorstand Erich Stamminger.

Der Nike Free geht mit seiner Produkt-DNA genau in die entgegengesetzte Richtung: Durch die Beschaffenheit und Anordnung seiner Sohle gleicht das Gehgefühl dem Barfuss-Laufen. Eine extrem flexible Sohle und ein ebenso flexibles Obermaterial lassen dem Fuß ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit.

Muskeln, Bänder und Sehnen müssen Unebenheiten und Stöße selbst abfangen, keine Dämpfung nimmt ihnen das ab. Halt auf dem Boden geben die Zehen, die wieder greifen lernen, statt eingepfercht zu sein. Es ist wie barfuss laufen; der Schuh schützt lediglich vor Verletzungen durch kantige Steine und hält den Fuß warm.
"Nike Free ist wie ein Kraftraum für die Füße und damit ein ganz spezifisches Trainingsmittel", so Prof. Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule Köln. Tests mit den Schuhen an seinem Institut zeigten erstaunliche Ergebnisse: Bereits durch das Tragen von Nike Free in der Freizeit, z.B. beim Einkaufen oder Spazierengehen, erhöht sich die Flexibilität der Fußgelenke, außerdem konnte ein Kraftzuwachs der Stabilisationsmuskulatur nachgewiesen werden.

Puma wiederum hat sich bei seiner Produkt-DNA vom mongolischen Barbecue inspirieren lassen. Das mongolische Barbecue funktioniert nach dem "Do-it-yourself" Prinzip: der Restaurantbesucher stellt die Zutaten für seine Malzeit selbst zusammen und gibt dann seine Auswahl an einen Koch weiter, der alles vor den Augen des Gasts zubereitet.

Inspiriert von dieser Tradition veranstaltet PUMA ein leckeres Schuh-Barbecue. Beim Mongolian Shoe BBQ entwirft der Kunde nach eigenen Wünschen seinen Sportschuh. Dafür werden im Puma-Store die einzelnen Schuhbauteile vom BBQ-Tisch ausgesucht und auf ein gekennzeichnetes Mustertablett gelegt.

Die Menükarte besteht aus 13 verschiedenen Komponenten in 30 verschiedenen Varianten. Danach werden die ausgewählten Komponenten mit der Adresse versehen und an der Kasse abgeben und bezahlt. Sechs Wochen später ist das persönliche Unikat dann fertig. Innovativ ist auch das Vertriebskonzept: 2005 tourte das erfolgreiche Konzept in nur sechs Monaten durch 8 Länder. Die Puma Concept Stores sind jeweils nur wenige Wochen geöffnet. Auf dem aktuellen Tourplan stehen Kopenhagen, Mailand und Melbourne.

Querdenk-Chance

Eine Branche – drei vollkommen unterschiedliche Konzepte. Wie sieht es in Ihrer Branche aus? Gleicht der Innovationswettbewerb eher einer Karaoke-Bar, in der die Originale hemmungslos kopiert und nachgesungen werden?

Legen Sie geistige Scheuklappen ab und fragen Sie sich jeden Tag aufs Neue, wie Sie vorhandene Produktkonzepte nachhaltig innovieren können. Unterschätzen Sie nicht das Potenzial, das in IHREN Produkten steckt. Wenn Kunden bereit sind, für eine Handvoll Plastik, Baumwolle und Leder (s.o.) 150 Euro auf den Tisch zu legen - welche Ausrede kann es dann noch geben?

 

 

Saul Griffith

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz, Ausgabe 2/2005

Ein Treffen mit Kenias Erziehungsminister, der von einem akuten Mangel an Brillen in seinem Land berichtete, weckte den Ehrgeiz des Querdenkers Saul Griffith.

Der Doktorrand am MIT in Boston, der bis dahin keine Ahnung von der Brillenproduktion hatte, machte sich an die Arbeit. Sein Ziel: die Herstellungskosten für Brillen radikal zu senken. Sein Vorgehen: das Geschäftsmodell zur Herstellung einer Brille grundlegend in Frage zu stellen.


PHOTO: MARK OSTOW

Der größte Kostenblock für die Herstellung und Anpassung einer Brille sind weder die ärztliche Untersuchung noch das Brillengestell, sondern die Gläser. Der Kostentreiber ist das hohe Inventar an Gläsern, das Zulieferfirmen vorrätig haben müssen: 500 bis 1.000 Gläser für jede mögliche Verschreibung.

Genau hier setzt Griffith an: Er entwickelte ein mobiles Gerät mit dem man schnell und preiswert Brillengläser auf Abruf fertigen kann. Und das funktioniert so: Ein Behälter mit Babyöl (!), über den eine Membran gespannt ist, dient als Form. Pumpt man mit einer großen Spritze mehr Öl hinein, wölbt sich die Membran sphärisch. Jetzt legt man einen ovalen Ring obendrauf und kann jede beliebig gewölbte Oberfläche erzeugen. Wenn alles justiert ist, wird der Ring mit Kunststoff ausgegossen und mit einer vom Zahnarzt bekannten UV-Lampe gehärtet. Innerhalb von wenigen Minuten hat man so eine annähernd perfekte Linse in der Hand.

Saul Griffith geht davon aus, dass es mit diesem Gerät möglich ist, direkt vor Ort Brillengläser anzufertigen. Die hierbei entstehenden Kosten für eine Augenuntersuchung und die fertige Brille sollten bei etwa 10 bis 15 Dollar liegen.

Querdenk-Chance

Die Welt-Gesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit fast eine Milliarde Menschen eine Brille benötigen. Für viele Menschen in den Entwicklungsländern leider nur ein Traum, denn die Anschaffungskosten entsprechen oft einem durchschnittlichen Monatseinkommen.

Doch das muss nicht so sein, wie das Beispiel von Saul Griffith zeigt: Geniale Ideen entstehen oftmals dann, wenn gängige Produkt- und Geschäftskonzepte grundlegend in Frage gestellt und völlig neue Wege beschritten werden.

 

James Dyson: Den Staubsauger neu erfunden

Quelle: Business Backstage Report von Förster & Kreuz

James Dyson ist der Mann, der den Staubsauger neu erfunden hat. Hätte er die vorgefertigten Auffassungen darüber, wie ein Staubsauger zu funktionieren hat, verinnerlicht, hätte er sich vermutlich niemals an die Aufgabe gewagt. Er hätte das gedacht, was alle anderen denken: "Wenn ein besserer Staubsauger möglich wäre, dann hätten Miele, Siemens oder Electrolux ihn doch schon längst erfunden."

Doch für Dyson war die Tatsache, dass sich niemand zuvor an die Neuerfindung des Staubsaugers gewagt hatte, kein Hindernis, sondern vielmehr eine offene Einladung! Und Dyson verfügt über eine weitere wichtige Eigenschaft, die Business-Querdenker auszeichnet: Er ist ein rastloser Geist, dem der Status Quo oft ein Gräuel ist. So hat Dyson sich darüber geärgert, dass sein Staubsauger permanent an Saugkraft verliert. Er wollte wissen, warum und befasste sich intensiv mit der Funktion des Staubbeutels…

Er schnitt den Staubsaugerbeutel auf, um sich den Inhalt anzusehen: Die feinen Poren des Staubsaugerbeutels haben die Aufgabe, den Staub im Beutel zu halten und die angesaugte Luft durchzulassen. Der Staub verstopft jedoch die Poren und ein ungehindertes Durchströmen der Luft ist dadurch nicht mehr gewährleistet. Wenn der Luftstrom aber blockiert ist, lässt die Saugkraft des Staubsaugers stark nach.

Also entschloss sich James Dyson, einen Staubsauger zu entwickeln, der anders ist und vor allem, der besser funktioniert. Nach 5 Jahren Entwicklungsarbeit war er schließlich da: Der erste beutellose Staubsauger.

Die Erkenntnis: Nur weil die Staubsaugerindustrie ihre Sauger schon seit hundert Jahren mit Beuteln ausrüstet, bedeutet das noch lange nicht, dass dies auch der richtige Ansatz war. Dyson folgte also in seinem Ansatz der Idee, die Kurt Tucholsky pointiert beschrieb: "Traue keinem Fachmann der sagt, das mache ich seit 20 Jahren so, es könnte sein, dass er es seit 20 Jahren falsch macht!"

Querdenk-Chance

Für die traditionellen Staubsaugerhersteller gehörten Staubsauger und Staubbeutel untrennbar zusammen, so wie Kaffee & Kuchen und Miles & More. Dass Dyson dieses gängige Produktkonzept in Frage stellte, eröffnete ihm vollkommen neue Spielräume. Der Erfolg: Dyson erwirtschaftet heute mit seinen Innovationen Millionenumsätze.

Die spannende Frage: Auf welchem Auge sind Sie blind? An welche unumstößlichen Branchenregeln und Meinungen über die Produkte Ihrer Branche glauben Sie?

Es gibt zwei Möglichkeiten, bestehende Produktkonzepte in Frage zu stellen:

1. Akzeptieren Sie nicht, wenn Sie hören: "Das geht nicht anders und das machen wir schon immer so!" Das sind Signalworte, die Sie hellhörig werden lassen sollten.

2. Ändern Sie einfach das, was Sie selbst an der bestehenden Lösung ärgert!

 

 

Förster & Kreuz sind Management-Vordenker einer neuen Generation.
Leidenschaftlich, kämpferisch und erfrischend bringen sie Führungskräfte und ihre Teams dazu, sich aus Denkschablonen zu befreien, Scheuklappen abzulegen und ausgetretene Pfade zu verlassen.