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Kjell
Nordström

Kjell, der Untertitel Deines Buchs “Funky Business
forever” lautet “Mehr Spaß am Kapitalismus”. Ist das nicht
eine ziemlich ironische Aussage angesichts der momentanen
Wirtschaftssituation, in der selbst die USA - das Mutterland
des Kapitalismus und Bollwerk des freien Marktes - mit Hilfe
staatlicher Hilfsfonds von kaum vorstellbarem Ausmaß gegen
den Wirtschaftsabschwung kämpft?
KN:
Nein ist es nicht. Ich meine, im Prinzip ändert sich ja
nichts. Wir haben immer Rezessionen und Boomphasen im
Wechsel gehabt. Das ist überhaupt nichts Neues. Und wir
sitzen hier immer noch in einem luxuriösen Hotel, die
Mitarbeiter von BMW sind auch heute Morgen zur Arbeit
gegangen und machen Pläne für die Zukunft. Das Leben geht
also weiter. Sicher, es wird vielleicht eine höhere
Arbeitslosenquote in Deutschland und Europa, vor allem in
Island, geben. In China wird das Wirtschaftswachstum
vielleicht von 12% auf 7% sinken, und in den europäischen
Ländern von 2% auf 0%. Das ist also alles nichts Neues.
Du sagst, dass in gewissem Sinne, Misserfolg das Herz der
Marktwirtschaft ist und wir deshalb Unternehmen brauchen,
die das Prinzip von „Versuch und Irrtum“ leben. Kannst Du das genauer erklären?
KN:
Ich bin mir nicht sicher, ob die alte industrielle Logik,
Produkte herauszubringen und sie zu verbessern noch
funktioniert. In vielen Unternehmen hat man nicht die Zeit,
Dinge Schritt für Schritt zu verbessern. Man ist gezwungen
riesige, dramatische Schritte zu machen und Dinge einfach
auszuprobieren. Nimm beispielsweise den Newton von Apple: Er
war ein riesiger Schritt und ein Versuch, aber er war ein
Fehler. Aber Apple kam zurück, machte einen weiteren
riesigen Schritt, brachte das iPhone heraus und war damit
extrem erfolgreich. In der Computer und
Mobiltelefonindustrie hat man einfach nicht die Zeit,
Produkte in langsamen Schritten zu verbessern. Man muss
extreme, kreative Ideen einfach realisieren und sehen was
passiert. Das kann schief gehen, aber auch ein
Riesenerfolg sein. Unternehmen müssen heutzutage
experimentieren, wenn sie erfolgreich sein wollen.
Du bist der Überzeugung, dass „Irrelevanz und
Bedeutungslosigkeit ein viel größeres Problem ist als
Ineffizienz“. Was bedeutet das für
Unternehmen und Individuen?
KN:
Darunter verstehe ich die Gleichung: normal = nichts. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir aufhören
so verdammt normal zu sein. Das fängt beim Einzelnen an und
reicht hinein bis in die Struktur von großen Unternehmen.
Deshalb ist die einzige Chance, Bedeutung
zu erlangen, ein Sonderling zu sein und mit Tabus zu brechen.
Denn gut zu sein, reicht nicht mehr aus.
Hast
Du ein Motto, das Dich beschreibt und
Deine Lebenseinstellung?
KN:
Ein richtiges Motto habe ich keines. Aber es war mir immer
schon wichtig, mich von anderen abzuheben, anders zu sein
und mich nicht anzupassen, gegen den Strom zu schwimmen.
Danke für das Interview, Kjell!
KN:
Gerne!
Kjells aktuelles Buch:
Funky Business forever
Kjells Website:
http://www.funkybusinessforever.com/

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