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Andreas Niedrig




Andreas, Du bist jetzt über zehn Jahre Hochleistungssportler. Wie lange hast Du noch vor, auf diesem Top-Level weiterzumachen und wie sehen Deine Pläne für die Zeit danach aus?

AN: Durch eine schwere Verletzung im Jahr 2003 konnte ich meine Profi-Karriere nicht so beenden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich versuche dieses Jahr ein Comeback, um mich gebührend, wie es sich für einen echten Profi gehört, beim Ironman auf Hawaii zu verabschieden.
Die Zeit danach ist die Zeit davor. Heute bin ich dabei, verschiedene Projekte umzusetzen. Einige laufen bereits erfolgreich seit vielen Jahren, andere sind gerade dabei, entwickelt zu werden. Primäres Ziel ist es, über meine Erfahrungen aus meiner Lebensgeschichte, meine Lebenseinstellung und gelebte Zielstrebigkeit, vor allem junge Menschen, aber auch Erwachsene, zu motivieren, ihr Leben ernst zu nehmen. Etwas daraus zu machen – privat und beruflich. Workshops, Tagesseminare und in naher Zukunft auch mehrtägige Projekte sind in Vorbereitung. Um meine Veranstaltungen auch weiterhin im Jugendbereich durchführen zu können, ist mein Nahziel die Gründung meiner eigenen Stiftung.

Da hast Du jede Menge vor. Wie viele Stunden trainierst Du im Schnitt pro Woche?

AN: Ein durchschnittlicher Trainingsaufwand von 30 Stunden in der Woche ist schon erforderlich, um bei den Profis mithalten zu können. Natürlich auch, um Ergebnisse zu erzielen, die einen zufrieden stimmen und den Aufwand rechtfertigen.

Wie vereinbarst Du das mit Deinen anderen Verpflichtungen?

AN: Zeitmanagement ist hier gefragt. Ich stelle mir immer wieder die Frage: Wo will ich hin und was erwartet mich? Was will ich und was bin ich bereit zu geben?

Meine Vorträge, meine Projekte und die Gründung meiner Stiftung benötigen viel Zeit. Doch sind dies Arbeiten, die mich nur bedingt belasten, da ich sie gerne mache und es sich nicht unbedingt wie Arbeit im klassischen Sinne anfühlt.

Ich habe einen Freund und Geschäftspartner, mit dem ich sehr viel kommuniziere. Wir gehen jeden Tag, jede Minute durch und versuchen objektiv und vor allem lösungsorientiert zu handeln. Durch mein doppeltes Ziel ist dies unbedingt notwendig.

Es war und ist schon unglaublich hart, sich noch einmal für den Profisport zu entscheiden. Ich komme gerade aus dem Trainingslager auf Lanzarote, wo ich 45 Stunden in der Woche trainiert habe. Neben den vielen jungen Athleten komme ich mir als 41-Jähriger schon wie ein älterer Herr, sprich Opa, vor. Viele sind gerade einmal 20 Jahre alt – so alt wie meine Tochter. Wenn die sehen würden, wie ich mich nach einem harten Trainingstag aus dem Bett quäle… Ach, das lassen wir mal lieber. Wenn man wieder beginnt, die Trainingskilometer auf dem Rad runterzuspulen, täglich bis zu 200 Kilometer, frage ich mich schon: Warum das alles? Aber die Antwort ist klar: für das Ziel. Das, was man begonnen hat, auch zu Ende zu bringen. Auch, falls es nicht klappen sollte – was durchaus im Bereich des Möglichen ist –, muss ich später nicht die Angst haben, mich selbst zu fragen, was wäre gewesen, wenn ich es probiert hätte. Ich probiere es und werde eine Antwort bekommen, um meine Energie für die nächsten Projekte voll zur Verfügung zu haben und zu fokussieren.

Wie gehst Du bei diesem harten Programm mit Rückschlägen, etwa Verletzungen, um? Und wie motivierst Du Dich immer wieder neu zum Weitermachen?

AN: So ganz weiß ich es auch nicht. Aber ich glaube, es hat sehr viel mit der Erfahrung zu tun, die ich im Sport machen durfte. Bei einem Ironman-Rennen ist die Aussteiger-Quote sehr viel niedriger als vergleichsweise bei einem Marathonlauf. Obwohl das Ironman-Rennen um das vielfache härter ist. Warum ist das so? Wir Triathleten gehen in das Rennen mit dem einen klaren Ziel: finishen, wie wir es nennen – darum geht es. Wenn wir an der Startlinie stehen, haben wir nur den einen Gedanken, dieses verdammte Rennen, egal wie hart es wird, zu Ende zu bringen. Jeder Gedanke, was alles passieren könnte, um das Ziel nicht zu erreichen, ist dabei ein verschwendeter Gedanke.

Nicht viel anders gehe ich heute mit allen Entscheidungen meines Lebens um.

Volle Zuversicht, absolut positives Denken – und dann los! Die Erde wird sich weiter drehen – egal, ob wir etwas schaffen oder nicht. Bleiben wir aber einmal stehen, wird es schwer, den Lauf der Dinge wieder einzuholen. Kurz: dran bleiben bei allem, was man tut.

Starke Worte. Verrätst Du uns auch Deine Lieblingslaufstrecke?

AN: Ich liebe es, am Wasser zu laufen. Egal, ob es der Rhein-Herne-Kanal ist, ein schöner See oder das Meer. Wasser hat etwas so lebendiges und wirkt dabei unglaublich beruhigend. Es kann auch unglaublichen Spaß machen, in einer Großstadt zu laufen. Durch meine vielen Veranstaltungen und Vorträge komme ich sehr viel herum. Hamburg, Berlin, Paris – egal wo ich gerade bin, ich bin meist nur für eine sehr kurze Zeit dort.

Ich fahre von Zuhause los, checke im Hotel ein und am gleichen oder nächsten Tag habe ich meine Veranstaltung. Danach geht es dann zurück nach Hause.

Viele Leute sagen mir: Du kommst aber rum. Richtig! Denn ich gehe abends und morgens laufen und suche mir dabei Ziele aus, die man sich als Tourist anschauen sollte. Sightseeing in Kombination mit meinem Training – das ist einfach, schön und entspannend zugleich. Oft, wenn ich zurück ins Hotel komme, sehe ich Menschen, die beruflich dort übernachten müssen. Sie sitzen an der Bar und sind dabei einen sogenannten Absacker zu trinken, um mit dem Gefühl der Müdigkeit ins Bett zu gehen. Morgens beim Frühstück sehe ich die gleichen Menschen, schaue in deren Gesichter und erkenne häufig diese Unzufriedenheit, diese Getriebenheit und weiß, dass diese Menschen nicht wissen, warum sie sich so fühlen.

Ich weiß allerdings, warum ich mich beim Frühstück frisch, hungrig und ausgeglichen fühle: Ich bin eine Stunde früher aufgestanden als die anderen und habe den Tag mit einem lockeren Lauf angefangen.

Hast Du ein Motto, das Dich und Deine Lebenseinstellung beschreibt?


AN: Niemals aufgeben, egal worum es geht! Immer auf sich selbst hören, aber auch Kritik von außen annehmen. Jede Chance ergreifen, die sich einem eröffnet, auch wenn es anfangs vielleicht gar nicht das ist, was man sich vorgestellt hat. Auch über Umwege kommt man oft zum Ziel. Dies ist jedenfalls immer besser, als abzuwarten – und wenn doch abwarten, dann aktiv, sprich: beobachtend, lauernd.

Das dies nicht immer einfach ist, ist mir klar, aber wer sagt, dass das Leben immer leicht sein muss?

Vielen Dank für das Gespräch mit Dir und bis bald mal wieder!




Die Website von Andreas: www.andreas-niedrig.com

Seine Bücher: Vom Junkie zum Ironman, Motivation Kompakt
Sein Kinofilm als DVD: Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman