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Martin Lindstrom

Martin, Dein neuestes Buch Buy-ology verspricht dem Leser
ÄÁ ÁÄ wegweisende neue Erkenntnisse aus dem Feld des
Neuromarketings. Das macht uns neugierig. Welche neuen
Erkenntnisse gibt es denn?
ML:
Ich sehe drei wesentliche Erkenntnisse. Erstens: In 85
Prozent der Fälle entscheiden wir nicht aus Vernunft,
sondern unbewusst. Ein Beispiel: Die Reaktion im unbewussten
Teil der Gehirne von Rauchern hat uns gezeigt: Warnhinweise
auf der Zigarettenpackung halten Konsumenten nicht vom Kauf
ab – im Gegenteil.
Was mich zweitens völlig überrascht hat, waren die
Parallelen zwischen Religion und starken Marken. Ich denke,
wir stehen in diesem Bereich noch ganz am Anfang. Aber die
Entwicklung, die ich sehe, ist, dass Marken immer mehr dazu
übergehen werden, systematisch Elemente aus der Religion in
die eigene Markenwelt zu integrieren.
Und drittens waren für mich die Erkenntnisse überraschend,
die wir im Bereich der Sinneswahrnehmungen gewonnen haben.
Unsere Studie hat gezeigt, dass unsere wichtigste
Sinneswahrnehmung das Hören ist, gefolgt vom Geruchssinn und
vom Sehsinn. Das Problem aber ist, dass 83% der werblichen
Kommunikation heute einzig den Sehsinn anspricht.
Mit welchen Sinnen wir sie auch erfassen – unsere Welt
ist transparenter denn je. Alle nur erdenklichen
Informationen können über das Internet jederzeit sofort
abgerufen werden. Welche Auswirkungen hat das Deiner Ansicht
nach für das moderne Marketing und den Verkauf? Bedeutet es,
dass Unternehmen noch transparenter werden müssen als sie
schon sind? Oder sollten sie das Gegenteil tun?
ML:
Ich denke, dass Unternehmen viel transparenter werden
müssen. Aber ich sehe auch zwei grundsätzliche Probleme
dabei: Erstens die Informationsflut. Wir sind überfrachtet
mit Informationen und Optionen. In unserer Studie haben wir
ein Experiment gemacht: Die Probanden konnten aus zwei
unterschiedlichen Pralinenschachteln wählen – die eine
Schachtel hatte eine Vielzahl an Pralinen, die zweite
enthielt nur 8 Pralinen. Aus der ersten Schachtel haben die
Leute eine einzige Praline genommen. Bei der Schachtel mit
der limitierten Anzahl haben die Probanden dagegen drei
Pralinen genommen. Fazit: Zu viele Optionen verwirren. Die
Herausforderung für das Marketing der Zukunft wird es sein,
eine Art von Navigationssystem für dieses Überangebot an
Informationen und Optionen im Markt zu entwickeln.
Zweitens glaube ich daran, dass Marken zukünftig den
Konsumenten gehören und nicht den Markeneigentümern. Marken,
die das verstanden haben, werden künftig zu ihren Kunden
sagen: Wir wagen es, die Macht an Euch abzutreten. Das
erfordert aber auch ein echtes Vertrauensverhältnis zwischen
Markeneigentümer und Kunde. Wir sehen das heute schon ein
bisschen bei Google.
Mal etwas ganz anderes: Du bist Däne und lebst in Sydney.
Hast Du einen Lieblingsplatz in dieser interessanten Stadt?
ML:
Ich lebe echt gern in Sydney, weil die Leute dort „down to
earth“ sind und Zeit haben. Die haben echt viel Zeit. Mein
Lieblingsplatz in Sydney ist der Tamarama Beach. Neben
Sydney habe ich aber noch zwei andere Lieblingsstädte: Tokio
und auch Zürich, obwohl die Strände dort nicht ganz so gut
sind wie in Sydney…
Tja, das stimmt. Wobei es in Zürich immerhin coole
Freibäder gibt. Zum Abschluss: Hast Du ein Lebensmotto, das
Dich und Deine Lebenseinstellung beschreibt?
ML:
Ja, und das ist ziemlich simpel: Du hast nur dieses eine
Leben. Ich habe keine Lust darauf, mich irgendwann einmal zu
grämen, was ich alles aufgeschoben habe. Deshalb lebe ich
mein Leben zu 101% im Hier und Jetzt.
Vielen Dank für dieses Gespräch, Martin. Und noch viel
Spaß hier in einer Deiner drei Lieblingsstädte!
Die Website von Martin Lindstrom:
www.martinlindstrom.com
Seine Bücher:
Buy-ology,
Brand Sense,
Brandchild

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