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André Borsche

Herr Dr. Borsche, was treibt Sie dazu an, Teile Ihres
Jahresurlaubs zu opfern, um ehrenamtlich plastische
Operationen in Entwicklungsländern durchzuführen? Fühlen Sie
sich mit Ihrer Arbeit in Deutschland nicht ausgelastet?
AB:
Ich bin beruflich voll ausgelastet und trotzdem möchte ich
die Interplast-Einsätze auf gar keinen Fall missen. Ja, sie
beflügeln mich trotz der körperlichen und psychischen
Belastungen zu Höchstleistung, da sie sinnstiftend und mit
einem hohen persönlichen Erfolgserlebnis verknüpft sind.
Wohl dem, der sich in seinem Beruf selbst verwirklichen und
seine individuellen Talente voll zum Einsatz bringen kann.
Deshalb nehme ich als Chefarzt gerne die Hälfte meines
Jahresurlaubes – mit das Wertvollste, das ich zu geben habe
– , um für unzählige Patienten in Armut direkte Hilfe zu
leisten, und das ohne großen Verwaltungsaufwand. Für einen
engagierten Arzt eine Riesenchance, seinen Idealismus
auszuleben.
Ihre Einsätze unter oftmals widrigen Bedingungen in
Entwicklungsländern sind sicherlich körperlich sehr
anstrengend. Wie gelingt es Ihnen, nach einem zweiwöchigen
Einsatz wieder mit voller Kraft in Bad Kreuznach
weiterzuarbeiten?
AB:
Mögen die Umstände vor Ort noch so widrig sein – allein der
Teamgeist und der gemeinsame Wille, in kurzer Zeit
Wesentliches zu bewirken, versetzt Berge. Und so kann ich
von inzwischen 30 eigenen Einsätzen sagen: Es war jedes Mal
ein einmaliges Erlebnis – menschlich, fachlich und
humanitär. Stress und Freude, harte Arbeit und Dankbarkeit,
extreme Eindrücke und Gefühle im Hoch und Tief prägen das
Miteinander.
Und so komme ich dann auch mit einer aufgeladenen „inneren
Batterie“ nach Hause und kann den Alltag in Deutschland
wieder viel leichter meistern. Die Probleme hier
relativieren sich im Vergleich zu dem Erlebten und machen
ein wenig bescheiden, insbesondere weil man erfahren hat,
dass andere Menschen mit viel weniger möglicherweise
zufriedener leben als wir.
Materieller Wohlstand allein macht nicht glücklich, wenn das
Leben hier sinnentleert dahinplätschert oder man Zielen
nacheifert, die einen persönlich nicht wirklich berühren.
Was kann die Businesswelt von Projekten wie Interplast
lernen?
AB:
Viel, das fängt schon mit der persönlichen Identifikation
aller Teammitglieder an. Kein anderer macht es, wenn ich es
nicht selber tue – dafür trägt es aber auch meine ganz
persönliche Handschrift. Die dezentrale
Organisationsstruktur von Interplast ermöglicht eine
optimale Selbstverwirklichung, jeder am besten in seinem
Metier. Der Verein liefert die Rahmenbedingungen, übernimmt
die Versicherungen und hat eine Qualitätskontrolle
etabliert. So erlebt jeder seinen Einsatz als sein ganz
persönliches Projekt, ist selber voll verantwortlich und
somit auch bereit, dafür alles zu investieren.
Der Stolz auf das Geleistete, die hinterlassenen Spuren, die
mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein bedeuten, sowie
eine abschließende Präsentation auf unserem Jahreskongress
in Bad Kreuznach krönen das außerordentliche Engagement. Das
betrifft auch unsere finanzielle Basis: Wir verzichten
bewusst auf ein professionelles Fundraising oder öffentliche
Gelder, da wir die Sympathie für unsere Aktivitäten bei den
Menschen finden, die für unkonventionelle direkte Hilfe
etwas übrig haben. Die individuellen Charme schätzen und
nicht einen großen Verwaltungsapparat sponsern wollen. Das
bedeutet zwar großen persönlichen Einsatz bei der
Spendenrekrutierung, aber dadurch, dass wir stets
authentisch bleiben und nicht abheben, kann jeder sich etwas
darunter vorstellen und weiß, was mit seinem Geld passiert.
Aufwandsentschädigungen oder Firmenautos sind tabu. Jeder,
der sich engagiert, tritt ausnahmslos ehrenamtlich an und
wird trotzdem tausendfach beschenkt.
Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie und Ihre
Lebenseinstellung beschreibt?
AB:
Meine Vision, andere Menschen von der Interplast-Idee zu
begeistern und durch Ausstrahlung mitzureißen, über sich
hinauszuwachsen und sich ehrenamtlich zu engagieren, ist
eines meiner Lebensziele geworden. Ich selbst habe erfahren,
wie wunderbar es ist, anderen zu helfen und sinnvoll zu
agieren. Ich glaube, diesen Hunger nach sinnvoller
Betätigung tragen viele Menschen in sich, doch fehlt es
ihnen möglicherweise an Mut und Phantasie sich etwas
auszudenken, wo sie sich richtig verwirklichen können. Hier
mag ich gerne als Wegbereiter wirken.
Da wünsche ich Ihnen, dass möglichst viele Ihrem Vorbild
folgen, und bedanke mich herzlich für das Gespräch.
Interplast Webpage:
www.interplast-germany.de
Interplast
Jahresbericht 2008
André Borsches Website am
Krankenhaus der kreuznacher diakonie.

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