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Hans Blix




Guten Tag, Herr Blix, wir freuen uns, Ihnen zu begegnen. Viele Leute kennen Sie noch aus dem Fernsehen als Uno Chef-Waffeninspektor. Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie damals einen so diffizilen Job übernommen haben?

HB: Ich war bereits pensioniert und habe nur noch für meine Frau gearbeitet. Lacht.
Sie war zu der Zeit im diplomatischen Dienst und zuständig für Fragen der Arktis und Antarktis. Wir waren gerade gemeinsam auf einer Reise im Süden Argentiniens, als mich Kofi Annan anrief, der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er bearbeitete mich intensiv und überzeugte mich schließlich, diese Aufgabe zu übernehmen.

Seitdem ist im Mittleren Osten viel passiert. Wer hat aus Ihrer Sicht den Irak-Krieg gewonnen?

HB: Lassen Sie mich die Frage so beantworten: Wenn Sie in einer bestimmten Situation nicht die richtige Diagnose stellen, dann können Sie auch nicht die richtige Therapie verordnen. Das gilt im Geschäftsleben, im Krieg und überall. Die USA und Großbritannien hatten nicht die richtige Diagnose. Sie haben die selbst gesetzten Ziele alle verfehlt, bis auf eines: Sie sind Saddam Hussein losgeworden.

Aber das erste Ziel war es, die Massenvernichtungswaffen zu beseitigen. Doch die haben nicht existiert. Zweitens wollten sie die irakische Verbindung zu Al-Kaida stoppen, ein Vorhaben, das bereits zum damaligen Zeitpunkt fragwürdig war. Und drittens wollten sie eine Demokratie einführen, weil sie das nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgreich in Japan, Süd-Korea und Westdeutschland gemacht haben. Von diesem Ziel ist der Irak noch weit entfernt, statt Demokratie gibt es Anarchie.

Eine ziemlich ernüchternde Bilanz. Was kann denn die Businesswelt aus dieser Sache – und generell von Diplomaten – lernen?

HB: Begegnen Sie niemandem mit Geringschätzung. Erniedrigen Sie niemanden. Die Feindseligkeit und die Schwierigkeiten, die die UN-Waffeninspektoren in den 90er Jahren im Irak erlebt haben, waren auch darin begründet, dass man dort zu sehr in Rambo-Manier agiert hat. Als ich den Vorsitz der UN-Kommission übernahm, habe ich gesagt, dass es unser Ziel sein muss, die Iraker nicht zu provozieren, zu schikanieren oder zu demütigen.

Eine Frage, die wir in solchen Gesprächen immer wieder stellen: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie und Ihre Lebenseinstellung beschreibt?

HB: Ja, es ist ein bisschen exotisch und beeinflusst von einem schwedischen Philosophen, der gesagt hat: Wenn Sie ein Hufeisen irgendwo auf Ihrem Grundstück finden, sollten Sie es in Richtung Ihres Hauses werfen. Das heißt: Sie sollten stets Ihr Bestes geben und Dinge in die Richtung vorantreiben, die Sie für richtig erachten.

Das ist wirklich ein schönes Motto. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blix.


P.S.:
Nach diesem Teil des Gesprächs haben wir noch über Katzen gesprochen (wie wir darauf gekommen sind, können wir auch nicht mehr so richtig nachvollziehen ...). Hans Blix erzählte uns, dass er vor einiger Zeit eine Mail von einer Dame aus Kanada erhalten habe, die ihn fragte, ob er etwas dagegen habe, wenn sie ihre Katze „Blix” nennen würde. Versehen mit dem Zusatz „Weapon of mouse destruction“ – in Anlehnung an seine Aufgabe im Irak, dem Aufspüren von „weapons of mass destruction“. Hans Blix fühlte sich von dieser Anfrage sehr geehrt und hatte nichts gegen eine Namenspatenschaft einzuwenden. Wenn also eine Katze in Ihrer Nachbarschaft „Blix“ heißt, dann wissen Sie jetzt, warum ;-)




Hans Blix Biografie bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Blix

Seine Buch:
Mission Irak. Wahrheit und Lügen