Renée Mauborgne

Interview mit René Mauborgne

Mit 29 wurde sie bereits mit dem „Haynes Prize for the Most Promising Scholar“ ausgezeichnet, mit 42 als die bestplatzierte Frau auf der „Thinkers 50“-Liste geführt. Renée Mauborgne ist nicht nur ein intellektuelles Schwergewicht, sondern durch ihre „Blue Ocean Strategy“ inzwischen weltweit bekannt.

Wir haben mit der Professorin für Strategie und Management an der INSEAD Business School im französischen Fontainebleau beim Alpensymposium in Interlaken gesprochen. Und wir haben festgestellt: Wir haben uns getäuscht. Obwohl sie in Frankreich unterrichtet und einen französischen Namen hat, ist Renée Mauborgne … durch und durch Amerikanerin.

Schön, dass wir uns unterhalten können, Frau Mauborgne. Lassen Sie uns gleich zum Kern des Buches kommen, das viele unserer Leser kennen werden: „Blaue Ozeane“ zu erschließen – also neue Märkte zu schaffen, wo es keine Konkurrenz gibt –, eröffnet Unternehmen enorme Chancen. Aber diese Strategie ist immer auch mit Risiken verbunden. Gibt es Wege, diese Risiken zu minimieren?

Renée Mauborgne: Ohne Risiko geht es nie! In unserem Buch beschreiben wir aber ein gutes Werkzeug zur Risikominimierung, den „Blue Ocean Idea Index“. Er zeigt, wie man aus einer Idee ein robustes Geschäftsmodell entwickeln kann. Ausgangspunkt ist der Nutzen für den Käufer. Gibt es für die Masse der Leute einen zwingenden Grund, das neue Produkt zu kaufen? Wenn nicht, dann ist kein Potenzial für die Eroberung des blauen Ozeans vorhanden. Der zweite Schritt ist die Festsetzung des richtigen strategischen Preises. Im dritten Schritt geht es um die Kosten: Können Sie die Zielkosten einhalten und dabei eine gesunde Gewinnspanne erzielen? Und schließlich geht es um mögliche Hindernisse bei der Annahme der Produktidee durch die Kunden.

Können Sie uns dazu ein Beispiel nennen?

Renée Mauborgne: Ja, nehmen Sie den CD-i von Philips: Das war ein wahres Wunderwerk der Technik, doch gerade wegen seiner Funktionsvielfalt konnten die Kunden nicht verstehen, wie man ihn benutzt. Das passiert häufig bei High-tech Produkten: Die Entwickler finden die technischen Möglichkeiten cool, aber der Kunde ist in der praktischen Anwendung damit ganz einfach überfordert. Also ein klassisches Beispiel für eine unüberwindbare Hürde in der Annahme der Produktidee.

Warum fokussieren sich so viele Unternehmen eigentlich immer noch auf den „roten“, den wettbewerbsintensiven Ozean? Sie liefern sich erbitterte Schlachten mit ihren Wettbewerbern um Kunden und Marktanteile – aber sie wenden wenig Energie dafür auf, ganz neue Märkte zu erschließen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Renée Mauborgne: Ich glaube, das ändert sich gerade. Unser Buch wurde in 41 Sprachen übersetzt und findet sich auf den Bestsellerlisten in allen fünf Kontinenten. Leute lesen es und beginnen sich mit den Strategien und Werkzeugen auseinanderzusetzen, die ihnen helfen, die blauen Ozeane zu erschließen. Als ich kürzlich in China war haben die Leute mir gesagt: Wir können es uns in China nicht mehr leisten, im Wettbewerb nur mit dem Argument der niedrigsten Kosten anzutreten. Alle machen das. Das ist kein langfristiger Wettbewerbsvorteil mehr für uns. Wir müssen uns Gedanken über die blauen Ozeane machen.

Sie sagen also, das Umdenken ist schon voll im Gang. Sind Wettbewerbsstrategien, die der Verteidigung des roten Ozeans dienen, also nicht mehr zeitgemäß?

Renée Mauborgne: Nein, das würde ich auf gar keinen Fall sagen. Es wird auch zukünftig für Organisationen wichtig sein, im roten Ozean mitzuschwimmen und ihre direkten Wettbewerber auszumanövrieren. Aber in Zeiten, in denen auf immer mehr Märkten das Angebot die Nachfrage übersteigt, ist der Wettbewerb um einen Anteil an einem schrumpfenden Markt zwar notwendig, aber nicht ausreichend, um langfristig überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Unternehmen müssen über den direkten Wettbewerb hinausgehen. Um neue Gewinn- und Wachstumschancen zu erschließen, müssen sie blaue Ozeane schaffen. Und es muss eine bessere Balance geben zwischen Initiativen zur Erschließung blauer Ozeane und derer, die der besseren Ausschöpfung roter Ozeans dienen.

Es wäre interessant, wie das konkret aussehen kann. Ist da eigentlich ein neues Buch von Ihnen in der Pipeline?

Renée Mauborgne: (lacht) Na klar! Aber über Details kann ich noch nicht sprechen.

Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage, die wir immer wieder stellen: Haben Sie ein Motto, das Sie und Ihre Lebenseinstellung beschreibt?

Renée Mauborgne: (überlegt erst ein bisschen) Mmh, ich denke, es ist der Wunsch, einen Unterschied zu machen. Die Welt ein bisschen besser zu machen. Das inspiriert mich.

Vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute für Ihr neues Buch!

__
Renée Mauborgne’s Bücher:
– Der Blaue Ozean als Strategie
Blue Ocean Strategy

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Email this to someone

Ähnliche Beiträge:

WERDEN SIE VIP!VIP-Newlsetter
Schließen Sie sich 30.000+ Lesern unseres Backstage Reports an. Exklusive Inhalte. Alles, außer gewöhnliche Ideen. Plus VIP Status, Einladungen und Gratis-Bücher. Nie Spam. Immer nur Gutes.