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OUTSIDE INNOVATION
Nutzen Sie die Welt als Entwicklungsabteilung!

Business-Querdenker verwischen die Grenzen
zwischen internen und externen Innovationsquellen und verändern
damit das Prinzip der Wertschöpfung. Sie lösen das
unternehmenszentrierte System der Innovation ab durch einen
ko-kreativen Innovationsprozess, an dem aktive, vernetzte und
bestens informierte Outsider mitwirken: Zum Beispiel Kunden,
externen Wissensnetzwerke und Partnern oder Lieferanten. Die
Schaffung von Innovationen erfolgt bei diesen Querdenkern als
gemeinsamer kreativer Prozess zwischen der Outside und der
Inside satt.
Verwechseln Sie Outside-Innovation aber nicht mit dem
Outsourcing von Innovationen: Outsourcen heißt in der Regel, die
Arbeit an bessere oder günstigere Drittfirmen auszulagern.
Outside-Innovation heißt im Gegensatz dazu:
Innovationsvorschläge systematisch außerhalb des eigenen
Unternehmens abschöpfen und diese dann mit der eigenen
Innovationsmannschaft, der eigenen Produktion oder dem eigenen
Marketing in profitable neue oder verbesserte Leistungsangebote
umzusetzen.
Querdenk-Update
Dell Idea Storm – Ideen von Kunden herzlich willkommen!
(Beratungsletter
8/2008)
Wie Sie wissen, sind wir große Fans der "Einfach-mal-die-Klappe-halten"-Methode.
Genau das macht übrigens auch der US-Computerhersteller Dell.
Er sucht aktiv das Feedback und den Ideenreichtum seiner
Kunden, um die eigenen Produkte sukzessive zu verbessern.
Um die Vorschläge zu bündeln, hat Dell im Internet die
interaktive Plattform "Dell Idea Storm" eingerichtet. Dort
können Nutzer ganz unkompliziert Ideen für neue Produkte und
Services vorschlagen. Sie können auch Ideen von anderen
Nutzern kommentieren und deren Ideen "promoten" (positiv
bewerten) oder "demoten" (negativ bewerten).
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Durch die Zählung von positiven und
negativen Bewertungen schwimmen gute Ideen auf und sind in der
Kategorie "Popular Ideas" gesondert abrufbar. Dell gibt auch
Feedback, welche Ideen bereits aufgegriffen wurden bzw. in
nächster Zeit berücksichtigt werden. Diese Rückkoppelung ist
enorm wichtig und zudem vertrauensbildend.
Konkrete Kritik entfacht sich zum Beispiel bei vorinstallierter
Software, mit der die Computer vollgeladen seien, auf die Nutzer
aber gerne verzichten würden ("Bitte kein AOL!"). Auch wünschen
sich viele Open-Source-Software wie Linux, statt ein fixes
Microsoft-Betriebssystem samt Internet Explorer und Media Player.
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Dell Idea Storm ist eine simple – aber gut
umgesetzte – Lösung, um Kunden und Interessierte in die stetige
Verbesserung des Angebots einzubinden. Über 9.000 Ideen und
konstruktive Kritiken hat das interaktive Forum bereits
generiert. Darunter mögen zwar wenig bahnbrechende Innovationen
sein, aber doch eine ganze Menge an Dingen, die Dell aufgreifen
und verbessern kann.
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Querdenk-Chance
Billiger und besser kann man wohl kaum wertvolle Inputs von
Kunden erhalten. Ob derbe Kritik oder konstruktive Konzepte –
ein offener Dialog mit den Kunden ist extrem wichtig.
Aber um diesen Dialog in Gang zu bringen und vom Input der
Menschen zu profitieren, muss der Dialog vom Unternehmen
clever gesteuert werden - und dafür ist Dell nach unserer
Einschätzung ein sehr gelungenes Beispiel. Eine allgemeine
Aufforderung nach dem Motto "Tippen Sie Ihre Kritik oder Ihre
Anregungen in dieses graue Kästchen" ist NICHT ausreichend.
Und noch etwas: Die Aufforderung zum Feedback bedeutet
natürlich nicht, dass Sie jede Anregung sklavisch genau,
entsprechend der Wünsche der Kunden umsetzen müssen. Aber es
wäre unklug, auf diesen Input von vornherein zu verzichten und
gar nicht danach zu fragen.
Querdenk-Update
Goldcorp Challenge – Geheimnisse offen legen ist Gold wert!
(Beratungsletter 2/2008)
Noch vor wenigen Jahren war es schlecht bestellt um die Mine
von Coldcorp Inc. im kanadischen Red Lake, Ontario.
Überschuldung und explodierende Abbaukosten brachten das
Traditionsunternehmen an den Rand des Ruins. CEO Rob McEwen
war frustriert, denn die firmeneigenen Geologen waren von
immensen Goldvorkommen in Red Lake überzeugt - aber sie
wussten nicht, wie man ökonomisch sinnvoll an sie herankommt.
Zufall - oder Schicksal: In genau dieser prekären Situation
besuchte Rob McEwen eine Schulung für die Open-Source-Software
"Linux" am MIT in Boston. Dabei lernte er auch, warum die
Online-Enzyklopädie "Wikipedia" so erfolgreich ist: Weil jeder
aufgefordert ist, an dem Lexikon mitzuschreiben und Wissen
einzubringen. Laut Vergleichstests ist Wikipedia bereits
besser als der gute, alte Brockhaus.
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McEwen begriff, dass er via Internet
Experten in aller Welt erreichen kann, die ihm helfen könnten,
die vermuteten Goldvorkommen für Goldcorp zu entdecken. Und er
machte etwas, was in seiner überaus diskreten Branche als
absoluter Tabubruch gilt: Er stellte wohlbehütete
Firmengeheimnisse ins Internet: Kartenmaterial, bisherige
Explorationsstrategien und Geodaten aus 50 Jahren
Firmengeschichte. Zudem rief McEwen die "Goldcorp Challenge"
aus, ein offener Wettbewerb mit 500.000 US-Dollar Preisgeld.
Für Goldcorps Wettbewerber, aber auch für viele altgediente
Mitarbeiter war dieses Vorgehen schlichtweg schockierend und in
seiner Logik nicht nachvollziehbar. Aber für das Unternehmen
zahlte sich diese mutige und unkonventionelle Maßnahme aus: Rund
1.500 Tüftler nahmen an dem Wettbewerb teil: Hobby-Geologen,
IT-Spezialisten, Mathematiker und Studenten. McEwan war
fasziniert: "Noch nie in meinem Leben habe ich so eine geballte
Kompetenz erlebt!"
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Fast alle Eingaben, wo und mit welcher
Technologie nach Gold gebohrt werden sollte, waren radikal neu –
und höchst ergiebig. Die hauseigenen Geologen staunten. Aus der
totgesagten Mine wurde ein lukratives Vorzeigeunternehmen.
Goldcorp enteilte der Konkurrenz und wurde zum Benchmark in
puncto Kosteneffizienz. Von 2004 bis 2006 stieg der Gewinn von
191 Millionen US-Dollar auf 1,71 Milliarden. Kein schlechtes
Ergebnis bei einem Einsatz von "nur" einer halben Million
US-Dollar Preisgeld!
Querdenk-Chance
"Meine Branche wird von Menschen
gelähmt, die ausschließlich linear denken", kritisiert McEwen.
Die größte Sorge seiner Kollegen: "Alle werden uns auslachen,
weil wir zu blöd sind, das Gold selbst zu finden." Kommt Ihnen
das bekannt vor?
Aber wenn Sie sich zum Ziel gesetzt haben, etwas Neues und
Bedeutendes zu schaffen, dann müssen Sie fest damit rechnen,
ausgelacht zu werden – das ist quasi der Test. Wenn es sich um
ein Ziel handelt, bei dem alle mit den Köpfen nicken und
sagen: "Oh ja, das ist sinnvoll", dann gibt es möglicherweise
bereits ein Dutzend Leute, die es umsetzen.
Querdenk-Update
Weltraumkleidung aus dem Baumarkt
(Beratungsletter 10/2007)
Auch eine High-Tech-Unternehmung wie die NASA kann nicht alles
selbst erfinden. Das gilt auch für die Ausstattung der
Astronauten für strapaziöse Außeneinsätze im Weltraum. Denn
trotz Schwerelosigkeit kann von leichtfüßigen
Weltraumspaziergängen nicht die Rede sein: Meteoriten und
Weltraumschrott können lebensgefährlich sein und die
stocksteifen Handschuhe sorgen nicht selten für Quetschungen.
Da sind innovative und vor allem schmerzlindernde Lösungen
gefragt!
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Und die lässt die NASA immer häufiger
"draußen" entwickeln, von Partnerunternehmen und Zulieferern.
Die Weltraumbehörde hat erkennen müssen, dass sie Teil eines
globalen Marktes und eines knallharten Wettbewerbs um kluge
Köpfe und kreative Ideen ist.
Um bislang ungenutztes Know-how aufzuspüren, hat die NASA einen
mehrmals jährlich stattfindenden Erfinder-Wettbewerb ins Leben
gerufen, die "Centennial Challenges". Bastler und Querdenker aus
aller Welt sind zum Mitmachen in verschiedenen Kategorien
aufgerufen. Innovative Lösungen für Weltraum-Missionen werden
mit einem Preisgeld von 200.000 US-Dollar bedacht – ein
Schnäppchen, verglichen mit den herkömmlichen Forschungs- und
Entwicklungskosten der NASA.
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Der Gewinner der letztjährigen Centennial
Challenges war übrigens ein arbeitsloser Ingenieur: Mit allzu
irdischen Materialien aus dem Baumarkt entwickelte Peter Homer
einen außergewöhnlich flexiblen Handschuh, der in fast allen
Belangen geeigneter war, als das derzeit verwendete Modell.
Dieser Wettbewerb wurde ein ungeahnter Erfolg und ist ein tolles
Beispiel für gelungene Outside-Innovation!
Querdenk-Chance
Die Milliarden vom Staat für die
NASA sprudeln nicht mehr so selbstverständlich und die
Konkurrenz durch private Anbieter macht vor, wie man effizient
wirtschaftet. Mit den Centennial Challenges hat sich die NASA
nun nach außen geöffnet und neue, ergiebige Quellen für
anspruchsvolle Innovationen erschlossen.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Ist die Entwicklung neuer
Leistungsangebote ein Privileg einer abgeschotteten Gruppe
oder nutzen Sie den Markt, den es dort draußen gibt? Wer
garantiert denn, dass ausgerechnet aus der 27. Etage Ihres
Büroturms in Wuppertal die besten Ideen kommen?
Querdenk-Update
Neo 1973
(Beratungsletter 8/2007)
Handys haben – wie die meisten elektronischen Geräte – einen
entscheidenden Nachteil: Schon wenige Monate nach dem Kauf
sind sie veraltet. Wer ständig auf dem neuesten Stand der
Technik sein will oder muss, dem bleibt nur der Teufelsritt
auf einem sich immer schneller drehenden Karussell: Hersteller
entwickelt - Kunde kauft - Hersteller bessert nach – Kunde
kauft wieder - usw.
Doch diese klassische Rollenverteilung wird immer öfter
aufgebrochen – prominentestes Beispiel: Die
Open-Source-Software Linux, die jeder weiterentwickeln und
verbessern kann. Städte wie München oder Wien haben sich dank
Linux aus der Abhängigkeit von Microsoft emanzipiert und ihre
IT-Infrastruktur umgestellt. Denn Linux-Computersysteme haben
den Ruf, weniger fehleranfällig und billiger im Unterhalt zu
sein.
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Ein taiwanesischer Computerhersteller, die "First
International Computer Inc." (FIC) hat das Prinzip der
öffentlich zugänglichen Quellcodes nun auf Mobiltelefone
übertragen. Heraus kam das "Neo 1973", ein Handy, dessen
Software von Nutzern ständig weiterentwickelt werden kann. Das
Vorgehen sieht so aus: FIC liefert die Hardware und
koordiniert die Entwicklung, die Open-Source-Programmierer
arbeiten unentgeltlich mit und erhalten dafür die Garantie,
dass die gesamte Plattform (Geräte und Software) unter
quelloffenen Lizenzen steht. Die Software-Updates kann sich
jeder regelmäßig aus dem Internet herunterladen.
Seit einem Monat können die Versionen "Neo Base" für 300
Dollar und "Neo Advanced" für 450 Dollar im Online-Shop
gekauft werden. Beide Versionen richten sich an die
Entwicklerszene, die die Geräte auf Kinderkrankheiten
abklopfen soll. Leistungsstärkere, marktfähige Versionen für
den Konsumentenmarkt folgen im Oktober dieses Jahres.
Querdenk-Chance
Hatte nicht Steve Jobs versprochen, mit dem "iPhone" von Apple
das Handy neu zu erfinden? Nun, es sieht zwar gut aus – aber
neu erfunden? First International Computer hat tatsächlich den
Mut gehabt, genau das zu tun. Erklärtes Ziel des Linux-Handys
ist es, die relative Offenheit der PC- und Internet-Welt
endlich auch im Mobilfunk zu etablieren und die Anwender an
der Entwicklung und Verbesserung der Produkte zu beteiligen.
Outside-Innovation eben
Querdenk-Update
iRobot
(Beratungsletter 4/2007)
Keine Utopie, sondern Realität: Kleine Staubsauger, die sich
selbständig durch die Wohnung bewegen und nach getaner
Hausarbeit wieder brav an ihre Aufladestation andocken. Was
sich nach Science Fiction anhört, produziert die amerikanische
Firma "iRobot" schon seit 1990. Sie hören auf die Namen "Roomba",
"Scooba" und "Dirt Dog" und sind in dieser Reihenfolge
zuständig für das Saugen von Teppichböden, für das feuchte
Reinigen glatter Bodenbeläge und für hartnäckigen Dreck aller
Art.
Diese Erfindung allein wäre schon eine Geschichte wert – uns
aber geht es um eine andere geniale Outside-Innovation aus dem
Hause iRobot. Das Unternehmen erkannte, dass manche Kunden
ihren Roomba nicht nur zum Staubsaugen benutzen, sondern
Kameras auf den Deckel montieren oder an der Elektronik
herumbasteln, um den Roomba per Handy fernzusteuern.
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Die Ingenieure bei iRobot erkannten in diesen Tüftlern
potentielle Innovatoren. Folgerichtig ist ihr neuestes Produkt
"Create" gar kein richtiges Produkt im klassischen Sinn: Der
Create ist lediglich eine Art "unfertiger" Roomba, der von den
Kunden nach Lust und Laune weiterentwickelt werden kann. Denn
dieses Ding kann – erst mal – nichts.
Um der Phantasie freien Lauf zu lassen, stattete man den
Create mit Wireless-Empfang, USB-Anschluss und einer
Open-Source-Software aus, die von den Kunden programmiert
werden kann. Und natürlich betreibt iRobot auch einen Chatroom
im Internet, um möglichst nahe an den Tüftlern (ehemals:
"Kunden") und ihren Ideen dran zu sein.
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Querdenk-Chance
Querdenker mit Weitsicht werfen heutzutage nicht mehr ein
Produkt auf den Markt und warten, ob es angenommen wird oder
nicht. Sie suchen aktiv und "outside" des Unternehmens nach
Innovatoren, die bestehende Produkte verbessern, verändern
oder sogar zweckentfremden. So konnten beispielsweise
Hersteller von Sprühlacken einiges von der Graffiti-Szene
lernen (auch wenn diese Zielgruppe nicht vorgesehen war ;-).
Und von wem lassen Sie sich inspirieren?
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