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CUSTOMER DISCOVERY
Die vielschichtige Welt der Nicht-Kunden erobern!

Geben Sie sich nicht mit der existierenden Nachfrage zufrieden. Eine riesige neue Zielgruppe wartet darauf, von Ihnen erschlossen zu werden: Die Nicht-Kunden Ihrer Branche!

Business-Querdenker stellen zwei scheinbar unumstößliche Branchengesetze in Frage. Das Erste lautet: Fokussiere auf bestehende Kunden, umwerbe sie, pflege sie und tue alles, damit sie nicht zum Wettbewerb abwandern. Das zweite Branchengesetz, das Querdenker hinterfragen, lautet: Wir splitten die vorhandene Zielgruppe in immer feinere Segmente auf, um jedem noch so kleinen Unterschied in der Kundenpräferenz gerecht zu werden. Und je intensiver der Wettbewerb in einer Branche tobt, desto härter wird der Kampf der Unternehmen, die diesen beiden Gesetzen blind gehorchen.

Ihre Chance

Anstatt ausschließlich auf bestehende Kunden zu fokussieren und den bestehenden Markt in immer feinere Mikro-Segmente aufzusplitten, verlagern clevere Querdenker einfach das Spielfeld: Sie suchen nach neuen Kunden - den Nicht-Kunden der Branche. Anstatt nach Unterschieden in den Kundenpräferenzen zu suchen, bauen sie auf grundlegende Gemeinsamkeiten: Das Bindeglied ist das, was Kunden oder potenzielle Kunden wirklich wertschätzen. Dieses Vorgehen ermöglicht Business-Querdenkern über die bestehende Nachfrage hinauszugehen und neue Zielgruppen zu erschließen, die bisher überhaupt nicht als solche wahrgenommen wurden.


Customer-Discovery: So-Gut-Wie Nichtkunden



"So-Gut-Wie Nichtkunden" sind die Kunden, die buchstäblich auf dem Absprung sind. Sie sind genervt und unzufrieden damit, was ihnen der Markt (= Ihre Branche) gegenwärtig als Lösung für ihr Problem anbietet. Der erste Anbieter, der eine bessere Alternative bietet, kann sich dem uneingeschränkten Zuspruch dieser Zielgruppe sicher sein. Eine riesige Ressource an Nachfrage, die derzeit noch nicht wirklich befriedigt wird, wartet darauf, sich auf ein besseres Angebot zu stürzen.

Querdenkpraxis: Blackberry

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie auf Geschäftsreise waren und abends in Ihrem Hotelzimmer das immergleiche Ritual vollzogen haben? Niederknien und ab unter den Schreibtisch! Das Ziel: den Telefonstecker zu finden, der vom Hotel stets so gut versteckt angebracht war, dass man erst einmal ein paar Möbelstücke verrücken musste, um das Objekt der Begierde freizulegen und sich in diesem Prozess noch dreimal den Kopf gestoßen und zwei Finger eingeklemmt hat. Das alles nur, um den Laptop an die Telefondose anzuschließen und die E-Mails abzurufen.

Kunden, die in dieser Haltung Ihr Produkt nutzen, sind typische "So-Gut-Wie Nichtkunden", denn sie sind auf dem Absprung. Sie sehnen sich nach einer besseren Lösung von einem Anbieter, der ihnen das Leben einfacher macht.

Die Lösung für dieses Problem heißt Blackberry: eine Mischung aus Taschencomputer und Mobiltelefon, die drahtlose E-Mail-Kommunikation erlaubt. Und zwar als so genannten Push-Dienst. Damit werden die Mails, die zum Beispiel an die Firmen-E-Mail Adresse geschickt werden, sofort auf das mobile Gerät weitergeleitet - und der Empfänger wird direkt benachrichtigt. Der geplagte Manager verpasst so auch auf dem Golfplatz keine elektronische Nachricht eines Geschäftspartners. Seinem Hersteller, dem in der Nähe der kanadischen Stadt Toronto ansässigen Unternehmen Research in Motion (RIM), hat der Blackberry ein explosionsartiges Wachstum beschert: Über eine Million neue Nutzer in weniger als sechs Monaten.

Querdenk-Chance

Suchen Sie aktiv nach der Zielgruppe der "So-Gut-Wie Nichtkunden". Sehen Sie sich in IHRER Branche um: Über welche ungelösten Probleme ärgern sich Ihre Kunden nach wie vor? Das ist Ihre Chance!

Denn das sind die Kunden, die zwar noch das gegenwärtige Angebot Ihrer Branche kaufen - aber mental bereits auf dem Absprung sind. Sie warten auf die bessere Alternative, auf das neue Leistungsangebot, das Schluss macht mit dem Frust und dem Ärger über die unzureichende gegenwärtige Lösung. Wenn Sie dieses neue Angebot entwickeln, können Sie davon ausgehen, dass die Zielgruppe der "So-Gut-Wie Nichtkunden" mit fliegenden Fahnen zu Ihnen überläuft.


Customer-Discovery: Verweigernden Nichtkunden



"Verweigernden Nichtkunden" sind die Personengruppen, die entweder nicht die finanziellen Mittel haben, um das bestehende Leistungsangebot Ihrer Branche zu nutzen oder die sich mit dem bestehenden Angebot so unwohl fühlen, dass sie es nicht in Anspruch nehmen.


Querdenkpraxis: Kieser Training

Puristisch eingerichtete Trainingsräume, keine Bar, an der Eiweißdrinks verkauft werden, keine Musik, keine Fernseher, keine Aerobic-Kurse oder Yogaklassen. Sauna, Whirlpool oder Massage? Fehlanzeige. Das Motto: Spezialisierung pur auf präventives und therapeutisches Krafttraining zur Förderung der Gesundheit und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.

Die Rede ist hier von einem Fitnessstudio der anderen Art: Kieser Training. Hier geht es nicht um Spaß oder Entertainment. Hier wird Körperpflege betrieben, Pflege von Muskulatur und Bewegungsapparat. Entsprechend der Philosophie des Krafttrainings nach der Kieser-Methode spricht dieses Angebot nur bestimmte Zielgruppen an, nämlich die der "Verweigernden Nichtkunden". Der typische Kieser-Kunde ist 44 Jahre alt, nicht besonders sportlich und ohne Erfahrungen im Fitnessbereich: 80 Prozent der Kunden waren vor Kieser Training noch nie in einem Fitnesscenter! Anders herum ausgedrückt: Diese Kunden wären niemals in ein Fitnessstudio des üblichen Zuschnitts gegangen.

Das Ergebnis: Kieser Training hat sich innerhalb weniger Jahre zum größten Anbieter für gesundheitsorientierte Krafttrainings im deutschsprachigen Markt entwickelt.

Querdenk-Chance

Machen Sie sich auf die Suche nach den "Verweigernden Nichtkunden" in IHRER Branche. Hier wartet eine unerschlossene Kundengruppe auf Ihr Angebot; eine Zielgruppe, die von Ihren Wettbewerbern noch gar nicht entdeckt wurde.

Um ein Angebot für diese Zielgruppe zu entwickeln, müssen Sie sich die folgenden Fragen stellen: Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass die Zielgruppe der Verweigernden Nichtkunden das Angebot in meiner Branche nicht wahrnimmt? Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten in den Antworten dieser potenziellen Kunden. Fokussieren Sie darauf! Das ist der entscheidende Schritt, um eine riesige Menge an derzeit noch unerschlossener Nachfrage zu nutzen.


Customer-Discovery: Unentdeckte Nichtkunden



Bei den "Unentdeckten Nichtkunden" handelt es sich um eine Zielgruppe, an die noch niemand in Ihrer Branche überhaupt gedacht hat. Warum? Weil man davon ausgegangen ist, dass die Bedürfnisse dieser Kunden und die Geschäftschancen, die mit der Befriedigung dieser Bedürfnisse zusammenhängen, in einen ganz anderen Markt gehören.


Querdenkpraxis: Lego Serious Play

LEGO - das sind doch die bunten Bauklötzchen für Kinder, richtig? Nicht ganz, denn Lego hat sich auf unbekanntes Territorium vorgewagt und eine ganz neue Zielgruppe erschlossen: die "Unentdeckten Nichtkunden". Das ist aus der Sicht von Lego die Zielgruppe der Manager. Legosteine für Manager? Das passt eigentlich nicht mit der Vorstellung zusammen, die man von Führungskräften hat. Die spielen nicht – oder doch? Zumindest erscheinen einige Vorstandsetagen höchst versiert in internen Ränkespielen, aber Spiele mit Plastikbausteinen? Doch auch das funktioniert: Es gibt spezielle Lego-Sets für Führungskräfte, die damit in die Lage versetzt werden sollen, auf spielerische Art unternehmerische Probleme zu identifizieren und neue Lösungen zu entwickeln.

Serious Play heißt das Konzept. Gespielt – pardon: geworkshopt – wird in der Gruppe und unter Anleitung eines speziell geschulten und von Lego zertifizierten Trainers. Die Mitarbeiter sollen Unternehmens- und Kommunikationsstrukturen mit Hilfe von Bauklötzen visualisieren. Gleicht das Unternehmen eher einer Festung oder einem Rennwagen? Sitzt der Chef hoch zu Ross oder hinter einer verschlossenen Tür im Eckbüro? Nachdem jeder Teilnehmer so die Charakteristika seiner Abteilung im Modell umgesetzt hat, beginnt das Zusammenbauen der Teilmodelle zu einer Einheit. Nach und nach entsteht ein komplexes Unternehmensmodell, das die Unternehmensstrukturen abbildet. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Beziehungen sichtbar, aber auch Probleme. Oft zeigt sich, wo es im Unternehmensverbund hakt.

Der Erfolg gibt Lego Recht. Zahlreiche Unternehmen lassen bereits mit LEGO spielen: Nokia ebenso wie Tetra Pak, Varta, Alcatel, Orange oder der IT-Systemintegrator Comparex. In Deutschland zählen Bosch, die Deutsche Bank und E.On zu den Kunden.

Querdenk-Chance

Haben SIE schon einmal darüber nachgedacht, das Spielfeld zu verlagern und dem unerfreulichen Kopf-an-Kopf Wettbewerb einfach aus dem Weg zu gehen? Anstatt mit allen Mitteln um dieselben Zielgruppen zu kämpfen, sollten Sie sich auf die Suche nach der viel versprechenden Zielgruppe der "Unentdeckten Nichtkunden" machen.

Diese Zielgruppe wird sich Ihnen nicht auf den ersten Blick offenbaren, denn sie ist deshalb noch unentdeckt, weil man die Lösung für ihre Bedürfnisse regulär in ganz anderen Branchen vermutet. Und das ist genau Ihre Chance! Diese Annahme müssen Sie in Frage stellen und fortlaufend darüber nachdenken, wie Sie diese Nichtkunden in Ihre Branche bzw. zu Ihrem Unternehmen bringen können. Natürlich wird man Sie für verrückt erklären, wenn Sie mit ausgefallenen neuen Ideen daherkommen. Doch in einer Sache können Sie sich sicher sein: Die Definition einer lausigen Innovationsidee lautet: Sie hat keine Feinde in der Firma!

 

Querdenk-Update

Querdenk-Praxis: Cemex – Träume aus Zement (Beratungsletter 10/2007)

Für Zementproduzenten galt Mexiko lange als schwieriger Markt. 85 Prozent des Gesamtmarktvolumens wurde über den Einzelhandel säckeweise verkauft – ein in jeder Hinsicht schleppendes Geschäft. Zwar ist Zement ein billiger Baustoff und der Wunsch nach solidem Wohnraum ist groß. Trotzdem wurde bislang kaum gebaut. Warum?

Nun, mit erspartem Geld werden in Mexiko traditionell lieber Dorffeste, Taufen, Quinceañeras (der 15. Geburtstag von Mädchen) oder große Hochzeiten ausgerichtet. Das Gemeinwesen geht den Mexikanern über alles – Eigenheimbau hingegen gilt als egoistisch. Deshalb leben 20 Millionen Menschen in chronischer Enge in dürftigsten Behausungen. Der Anbau eines zusätzlichen Zimmers dauert nicht selten bis zu sieben Jahre.

Der Hersteller Cemex sah in dieser Zielgruppe einen interessanten potentiellen Markt im Wert von rd. einer halben Milliarde US-Dollar jährlich, der nur darauf wartet, erschlossen zu werden. Vor einigen Jahren startete Cemex deshalb die Kampagne "Patrimonio Hoy" (etwa "Vermögen heute") und positionierte Zement als emotional aufgeladenes Produkt, mit dem sich der Traum vom Wohnen realisieren lässt.

Um diesen Traum erschwinglich zu machen, bediente sich Cemex mit den "Tandas" einer weiteren Tradition. Bei diesem dörflichen Sparschema zahlen beispielsweise zehn Dorfbewohner zehn Wochen lang 100 Peso wöchentlich ein. Per Auslosung erhält jeder der Teilnehmer wieder 1.000 Peso zurück (rund 65 Euro). Rechnerisch ein Nullsummenspiel – Großanschaffungen jedoch gelten damit nicht mehr als egoistisch.

Nach diesem Prinzip gründete Cemex Patrimonio-Hoy-Klubs, deren "Gewinner" Geld statt Zement ausgeschüttet bekommen. Und damit nicht genug. Cemex bietet darüber hinaus Mikrokredite, Kurse zum richtigen Umgang mit dem Baustoff, stellt Fachberater zur Seite und organisiert nach Bauende sogar Dorffeste – Tradition neu gedacht!


Querdenk-Chance

Während alle anderen Zementhersteller die Feierlaune der Dorfgemeinschaften als geschäftsruinierend verfluchten, sah Cemex als einziger darin eine Chance. Mit dem cleveren Aufgreifen von Traditionen hat Cemex einen riesigen Markt verweigernder Nicht-Kunden erschlossen. Denn Geld – wenn auch wenig – war bei der Bevölkerung stets vorhanden, es wurde nur nicht zum Eigenheimbau verwandt.

Während die Konkurrenz weiter Zementsäcke anbietet, verkauft Cemex Wohnträume – und wächst dank neu entdeckter Zielgruppe um knapp 20 Prozent jährlich. Mehr als 150.000 Familien nutzten bereits Patrimonio Hoy.

Jedes Problem einer Branche (z.B. die Kaufunlust eines Kundensegmentes) ist auch immer eine Chance. Wo schauen Sie gewohnheitsmäßig hin? Auf das Problem - oder auf die Chance?

 

 

Querdenk-Update

Nintendo – Sudoku spielen wider die Demenz (Beratungsletter 7/2007)

Mit Spielkonsolen ist es so eine Sache. Meist kommen sie verspätet auf den Markt, und wenn sie endlich in den Läden sind, kommt auch schon die nächste – von der Konkurrenz. Ihre Halbwertzeit wird immer kürzer und immer schnellere Entwicklungsphasen ziehen eine gewisse Fehleranfälligkeit nach sich. Momentan wird Microsoft von Hardwareproblemen der Xbox 360 arg gebeutelt: Die US-Firma rechnet mit Reparaturkosten in Milliardenhöhe.

Eine ausgesprochen "reife Leistung" ist hingegen Wettbewerber Nintendo gelungen. Die Japaner haben sich mit einer cleveren Querdenk-Idee vom Jugendwahn der Branche freigeschwommen und setzen verstärkt auf ältere Menschen. Die bisher vernachlässigte Zielgruppe kann sich mit der Spieleserie "Brain Age" geistig auf Trab halten.

"Brain Age" wurde gemeinsam mit Wissenschaftlern entwickelt und basiert auf der Lehre des in Japan äußerst beliebten Neurologen Ryuta Kawashima. Die Übungen umfassen einfache Rechenaufgaben, lautes Lesen von klassischer Literatur und Zeichnungen auf dem Touchscreen – unter ständiger Obhut von Dr. Kawashima als virtuellem Ratgeber.

Besonders in Arztpraxen und Krankenhäusern findet die Konsole reißenden Absatz: "Das Spiel kann Demenz zwar nicht heilen, ist aber eine gute Form der Stimulation", so die Einschätzung eines Neuropsychiaters der Uchida-Klinik in Kyoto. Speziell bei allein lebenden oder demenzkranken Menschen wirke die Beschäftigung mit der tragbaren Spielkonsole anregend.

Die Geschäfte mit Jung und Alt laufen bestens für Nintendo: Dank der beiden Konsolen "DS" und "Wii" stieg der Umsatz um 90 Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar und der Gewinn um 130 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar (Stand: 31. Mai 2007). Das freut die Anleger – und grämt Microsoft und Sony, die von solchen Zahlen nur träumen können. Seit Mai 2005 verkaufte sich "Brain Age" allein in Japan rund 3,5 Millionen mal und ist seit etwa einem Monat auch in Europa und den USA erhältlich.

Querdenk-Chance

Videospiele für Rentner – geht das? Das geht. Intelligentes Spielen lautet die Lösung. Nintendo hat mit Hilfe des Teams um Professor Ryuta Kawashini einen neuen und lukrativen Markt erschlossen, dessen Potential und Bedarf immer noch nicht wirklich erkannt wird. Und wen übersehen Sie, zufällig oder geflissentlich?

 

 

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Nobelpreis für Querdenker (Beratungsletter 11/2006)

WOW! Wir waren begeistert, als wir es Mitte des Monats gehört haben: Muhammad Yunus und seine Grameen Bank sind mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden! Wir sind vor ungefähr vier  Jahren über diesen Mann und seine Idee "gestolpert", haben ihn in unserem Buch Different Thinking! portraitiert und sind seitdem wie elektrisiert.

"In den Dörfern verhungerten die Menschen, während ich an der Universität meine klugen Vorlesungen über wirtschaftliche Zusammenhänge hielt." Die Geschichte von Muhammad Yunus beginnt mit diesem Gedanken. Und mit einer Frau im ländlichen Bangladesh, die Bambusstühle in Schuldknechtschaft herstellte. Um sich daraus freizukaufen und ihr Geschäft auf eigene Beine zu stellen, fehlten ihr 25 Cent. Yunus gab sie ihr.

Etwas später kam der Wirtschaftsprofessor mit seinen Studenten in das Dorf zurück und ermöglichte 42 weiteren Frauen eine Zukunft als Unternehmerin. Das Investitionsvolumen: ganze 27 Dollar. So entstand die Grameen Bank – ein Finanzinstitut, das sich zum Ziel gesetzt hat, mit Minikrediten den Teufelskreis aus Wucherzinsen, Pfändung und Armut zu durchbrechen.

Mittlerweile hat die Bank 2,4 Millionen Menschen in Bangladesh geholfen. Die meisten der Darlehensnehmer sind Frauen, weil sie ihre Schulden und Zinsen diszipliniert zurückzahlen und aus eigener Erfahrung wissen, dass damit wieder anderen geholfen werden kann. "Kredit ist ein Menschenrecht", sagt Yunus über sein Erfolgsmodell, das inzwischen in vielen Entwicklungsländern kopiert wird. Business-Querdenken at it’s best!

Querdenk-Chance

Die Idee der Minikredite wurde lange Zeit von wichtigen Playern im Bereich der Entwicklungshilfe (der Weltbank u.a.) als "Peanuts" abgelehnt, denn schließlich gehe  es um signifikante Darlehen für Großprojekte. Wie wir heute wissen, waren die signifikanten Darlehen vor allem eines: Die Eintrittskate zu einem Höchstmaß an Korruption....

Die Grameen Bank dagegen vergibt Geld an Kunden, die von normalen Banken nicht mit der Kneifzange angefasst werden würden: Arme Menschen. Genauer gesagt: Arme Frauen, die von Grameen als Treiber für eine bessere Zukunft gesehen werden. Yunus schreibt dazu in seinem Buch Banker to the Poor: "Es sind nicht die Menschen, die nicht kreditwürdig sind, sondern die Banken, die nicht menschenwürdig sind."

 

 

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Deutsche Grammophon – 99x Klassik (Beratungsletter 9/2006)

Vor ziemlich genau 119 Jahren, am 29. September 1887 ließ Emil Berliner seine bahnbrechende Erfindung patentieren: Das Grammophon und die Schallplatte. Ein Jahr später gründete er in seiner Geburtsstadt Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft, Ursprung und heutiges Herzstück des Weltmarktführers Universal Music Group.

Die Deutsche Grammophon beackert mit klassischer Musik ein schwieriges Feld: Junge Hörer lassen sich nur noch schwerlich für die Musik begeistern und die Verkaufszahlen sind rückläufig. Hinzu kommt, dass Klassikliebhaber gern unter ihresgleichen fachsimpeln und so einen elitären Zirkel bilden. Eine dreiteilige CD-Kompilation der Deutschen Grammophon wendet sich nun an alle "Ausgeschlossenen", die sich für klassische Musik interessieren, aber nicht viel Vorerfahrung mitbringen.

"99 x Klassik" ist ein "klingendes Lexikon", das diesen Zirkel der Exklusivität durchbricht. CD 1 erläutert vokale Klassik, CD 2 Instrumentalmusik. Die dritte CD ist ein Abriss vom gregorianischen Choral bis zur Moderne, und lässt 99 elementare Musikbegriffe von Stars wie Anne-Sophie Mutter, Anna Netrebko oder Hobbyorganist Harald Schmidt erklären und vortragen.

Querdenk-Chance

Statt weiterhin nur auf die Zielgruppe der traditionellen Klassikhörer zu setzen, entschloss sich die Deutsche Grammophon, neue Zielgruppen an das Thema klassische Musik heranzuführen. Wer also schon immer mal wissen wollte, wie ein "falsches Vibrato" klingt oder was ein Adagio oder Zwölftonmusik sind und sich nie zu fragen getraute, dem wird geholfen.

 

 

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Outdoor Schokolade (Beratungsletter 8/2006)

Hachez-Schokolade ist eine Erfindung des belgischen Chocolatiers Joseph Emile Hachez, der 1890 die gleichnamige Bremer Chocolade Fabrik gründete. Die Produkte des Hauses tragen so klangvolle Namen wie Cocoa d`Arriba, Cocoa de Balao oder  Cocoa Premier Cru. "Wir produzieren Geschmackserlebnisse in höchster Qualität", sagt Hasso Nauck, der geschäftsführende Gesellschafter "und dies überwiegend in Handarbeit". 

Tradition und Innovation sind allerdings kein Widerspruch bei Hachez: 40% des Umsatzes werden mit Produkten erzielt, die jünger als 5 Jahre sind. Hachez ist damit nicht nur auf der Höhe der Schokotrends. Kombinationen wie Mango & Chili oder Erdbeeren & Pfeffer wirken auch geschmacksbildend.

Der neueste Coup: "Outdoor-Tafeln" für Ernährungsbewusste und aktive Genießer. Statt Müsliriegel gibt’s in den Pausen zwischen dem Sport nun 60 Gramm Schokoladenfinesse in den Varianten "Sail", "Golf" und "Polo".

Polo enthält mit Magnesium einen unentbehrlichen Mineralstoff für Muskeln und Nerven. Dezent nach Apfel schmeckt die Golf-Schokolade, die mit Kalzium angereichert ist - gut für gesunde Knochen und Zähne. Und Sail hat ein leichtes Mangoaroma und fördert mit einer Extraportion Vitamin C die Abwehrkräfte.  Sehr clever: Die Outdoor-Sorten werden über ausgewählte Vertriebspartner verkauft, wie z.B. Fahrrad- oder Trekkingshops.

Hachez zielt mit den edlen Energiespendern auf eine Zielgruppe, die sich neben teurer Ausrüstung noch etwas Besonderes gönnen will und auch kann – Customer Discovery!

Querdenk-Chance

Und wieder geht etwas zusammen, was eigentlich nicht sein darf! Diesmal: Schokolade & Sport. Doch nach der Kombination "Bier für Athleten" (Beratungsletter vom Mai 2006) wundert uns gar nichts mehr. Die Chocolatiers von Hachez blicken dank dieser und anderer Innovationen in eine süße Zukunft. Denn nur wer ungeschriebene Gesetze in Frage stellt, gewinnt. Etwa: "Wieso muss Schokolade Milka-Format haben?", oder wie Geschäftsführer Nauck sagt: "Wir wollen nicht nur braune Masse in lila Papier packen..."

 

 

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Erdinger Weißbier: Trinken - aber richtig! (Beratungsletter 5/2006)

Kaiser Franz Beckenbauer (wer sonst?) wirbt derzeit für Erdinger Weißbier im TV. Der Spot bedient alle typisch bayerischen Klischees, mit denen die Marke zum Weltmarktführer in Sachen obergärigem Bier wurde.

Während das Weißbier ein Selbstläufer ist und von Taipeh bis Timbuktu erhältlich ist, erfreut sich die junge, alkoholfreie Variante einer rasch steigenden Beliebtheit. "Erdinger Alkoholfrei" rangiert in Deutschland hinter Clausthaler und Jever bereits auf Platz 3.

Doch das reicht dem Traditionsunternehmen nicht. Und so suchten sie (neben Frauen und Autofahrern) nach weiteren Zielgruppen - und wurden kurioserweise in der Welt des Sports fündig. Momenterl mal - Bier & Sport?

Nun, für die Erdinger passt das durchaus zusammen. Auf geniale Weise haben sie ihr alkoholfreies Weißbier als isotonischen Regenerationsdrink positioniert: Denn das Bier ist nährstoffreich aber kalorienarm, "tut gut und schmeckt gut nach dem Sport".

Auf der Homepage erfährt man unter der Rubrik "Trinken und Sport" allerhand Nützliches über Vitamin- und Mineralstoffbedarf des menschlichen Körpers - und als Ernährungstipp natürlich den Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts per Weißbier.

Um die positiven Eigenschaften noch bekannter zu machen, arbeitet die Brauerei im "Team Erdinger Alkoholfrei" gezielt mit Profisportlern wie dem Triathleten Lothar Leder zusammen und engagiert sich zudem im Amateursport. Frei nach dem Motto: aus "Sport" wird ganz einfach "Prost"!

 

 

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Lumas (Beratungsletter 4/2006)

Suchen Sie ein schönes neues Bild fürs Wohnzimmer oder die Essecke? Natürlich wäre es super, statt der üblichen Ikea-Poster ein echtes Ölbild oder eine Original-Fotografie eines berühmten Künstlers aufzuhängen. Aber wer soll das bezahlen?

In diese Lücke zwischen billigem Poster und exklusivem Original stoßen die Unternehmer Stefanie Harig und Marc Alexander Ulrich aus Berlin. Sie haben sich vorgenommen, ausgewählte Fotoarbeiten als handsignierte Originale unters Volk zu bringen. Große Editionen von etwa 75 bis 150 Exemplaren ermöglichen auch nicht-professionellen Sammlern den Erwerb eines Originals zu einem erschwinglichen Preis.

"Wir wollen, dass sich jeder hochwertige künstlerische Fotografie leisten kann – selbst in größeren Formaten", so das Credo bei Lumas.


Damit sprechen die beiden Jungunternehmer eine große Kundschaft an, die IKEA-Postern oder Kunstdrucken aus dem Museumsshop entwachsen ist, sich aber in teure Galerien (noch) nicht hineintraut. Wohl aber in die Lumas-Galerie in Berlin-Kreuzberg, die Harig und Ulrich vor zwei Jahren eröffneten. In insgesamt fünf deutschen Städten gibt es Lumas bereits, Ende dieses Jahres auch in Zürich.

Querdenk-Chance

Auch wenn mancher Kritiker in den relativ hohen Auflagen der Lumas-Editionen eine "Verwässerung durch Massenware" befürchtet – Lumas weckt die Lust auf Kunst und verführt zum Sammeln.
Und das bei einer Zielgruppe, die vom elitären und hochpreisigen Kunstmarkt bisher übersehen wurde. Merke: Wo Interesse ist, ist auch ein Markt – Customer-Discovery!

 

 

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Hipp (Beratungsletter 2/2006)

Hipp – der Name steht für Babybrei aus Gläsern. Sofort kommen idyllische Bilder in den Sinn, die aber angesichts der Realität verblassen: Sinkende Geburtenraten, schrumpfender Markt für Babynahrung, fallende Umsätze – bei starker Konkurrenz durch Milupa oder Alete.

Was also tun, wenn einem die Kunden ausgehen? Man suche sich einfach Neue!

Jedes vierte Gläschen Hipp löffeln inzwischen Erwachsene aus, so eine Studie. Es lag also nahe, diese Zielgruppe (genauer: Ernährungsbewusste Frauen um die 30) anzusprechen. Hipp tat das sehr vorsichtig mit anfangs unverändertem Sortiment ("ab dem 4. Monat" kann ja fürs 4. Lebensjahrzehnt nicht schaden). Als sich der Erfolg abzeichnete, traute man sich, innovative Neukreationen abseits der Standard-Babykost anzubieten.

Die Herausforderung bestand nun darin, offensiv für die "Hipp-Fruchtpause", die Cerealien oder das Müsli "Hippness Crisp" zu werben, ohne den Kernmarkt zu vernachlässigen. Denn die Gleichung "Hipp gleich Qualität" sollte auch weiterhin gelten. Die neue Strategie trägt zwar erst 2% zum Umsatz von 240 Mio. Euro bei, wächst aber stark.

Querdenk-Chance

Hipp ist in zweifacher Hinsicht sehr mutig: In den 50er Jahren führte Hipp als erstes Unternehmen in Deutschland industriell gefertigten Babybrei ein. Ungefähr zeitgleich begann Georg Hipp mit dem Anbau von Obst und Gemüse auf naturbelassenen Böden und ohne Chemie. Heute ist Hipp der weltweit größte Verarbeiteter von organisch-biologischen Rohstoffen.

Aber man ruht sich auf diesem Differenzierungsmerkmal nicht aus, sondern ist mutig genug, auch auf neue Zielgruppen zu setzen: Customer-Discovery. Die Strategie der Markterweiterung ist erfolgreich – und kann als Vorbild für andere Unternehmen dienen, die schrumpfende Märkte bearbeiten.

 

 

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P'Eau von Staatl. Fachingen (Beratungsletter 12/2005)

An was denken Sie bei "Staatl. Fachingen"? Die Heilwasserquelle, die bereits seit 1742 existiert, weckt Assoziationen an eine Zielgruppe, für die Pfarrer Kneipp, Trinkkuren und Stützstrümpfe Ausdruck des Lebensgefühls sind. Das war einmal so – doch nun geht man neue Wege & erschließt nebenbei gänzlich neue Zielgruppen.

Ein paar Fakten zur Ausgangslage: Den meisten der über 200 deutschen Mineralbrunnen steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Der Markt gilt als einer der schwierigsten, weil stark zersplittert. Nur wenige (Familien-) Betriebe haben es zu einem bundesweiten Vertrieb gebracht, wie etwa Gerolsteiner oder Adelholzener (von den französischen Erfolgsmarken Vittel oder Volvic mal abgesehen). Mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie "Birne-Kräuter" versucht man, ein wenig Wind in die müden Geschäfte zu bringen - aber der Weg zu echtem Wachstum ist das nicht!

Staatl. Fachingen steckte als "Heilquelle" in einem Dilemma: Die eigene Zielgruppe reagiert kaum auf die vorgenannten Innovatiönchen ("Birne-Kräuter"). Fachingen sah sich also nach neuen Zielgruppen um und entwickelte dafür ein neues Produktangebot: Das Mineralwasser als Kosmetik-Spray für gestresste Haut: P’EAU - L’Eau pour la peau.

Fachingen verspricht "Frische auf Knopfdruck", wenn sich der "feine Wassernebel auf die Haut legt, Make-up-schonend und -auffrischend". Damit wendet man sich an die wachsende Zahl beautybewusster Käufer – eine bis dato für Fachingen unerschlossene Zielgruppe, und dazu noch eine spendable!

Querdenk-Chance

Vom Heilwasser zum trendigen Pflegeprodukt. Das Rezept: Mut zur Entwicklung eines Produktes, das es so in der Mineralbrunnenbranche noch nicht gegeben hat. Der Preis des Kosmetik-Sprays, der bislang exklusiv in Douglas Parfümerien oder Online erhältlich ist, beträgt stolze 2,50 Euro für den 50ml Flakon. Customer-Discovery macht’s möglich!

 

 

Querdenk-Update

Summer Camp für Manager (Beratungsletter 11/2005)

Kinder haben es gut: Überschaubare Verantwortung, Eltern, die sich um das Wesentliche kümmern und zur Belohnung dürfen sie in den großen Ferien auch noch ins Sommer-Camp - gemeinsame Abenteuer und abendliche Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel inklusive.

Warum sollen diese Erlebnisse nur Kindern vorbehalten sein, dachten sich einige Betreiber von Sommer-Camps in den USA und entwickelten die Idee, eine ganz neue Zielgruppe anzusprechen: Führungskräfte, die sich in den Camps auf wichtige Werte wie Teamgeist, Verantwortung und Toleranz besinnen sollen. Neben der Erschließung einer neuen zahlungskräftigen Zielgruppe hat dieses Vorgehen noch einen großen Pluspunkt: die Saisonalität des Geschäftes wird ausgeglichen.

Als in Austin, Texas, die Schulferien endeten und die Jugendlichen das "Balcones Springs Camp" verließen, zogen gestandene Manager in die Holzhütten - und der Ansturm dieser bis dato übersehenen Zielgruppe war groß!

Unter professioneller Anleitung werden die im Job so wichtigen Fähigkeiten trainiert. In Rollenspielen schlüpfen Führungskräfte in die ungewohnte Position des Befehlsempfängers. Denn, so eine Teilnehmerin, man lerne Kollegen auf diese Weise besser kennen und (einzu-)schätzen als nach zehn Jahren im Büro.

eBay-Gründer Pierre Omidyar, der eine Woche auf dem Weltraum Campus in Alabama verbrachte, bezeichnete diese Zeit gar als eine der wertvollsten Wochen in seinem Leben. Und so legt man gerne schon mal 20.000 Dollar auf den Tisch für ein Wochenende mit Kollegen oder Geschäftspartnern im Zelt unter freiem Sternenhimmel und Lagerfeuer.

Querdenk-Chance

Viele Campbesitzer können ihr Glück noch nicht fassen, eine solch interessante neue Zielgruppe entdeckt zu haben. Aber es ist nicht Glück allein, sondern der gezielte Blick über den Tellerrand: Clevere Business-Querdenker gehen immer wieder auf ganz neue Zielgruppen zu und erschließen so neue Ertragspotenziale: Customer-Discovery!

 

 

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Per Scholas - New York (Beratungsletter 10/2005)

Nur ein Drittel der über 7 Millionen Kinder aus einkommensschwachen amerikanischen Familien haben Zugang zu einem Computer. Andererseits werden in den nächsten 5 Jahren etwa 250 Millionen veraltete Computer von Firmen entsorgt werden.

Diesen Umstand und die Überzeugung, dass neben Arbeitslosigkeit und ungleicher Einkommensverteilung Bildungs- und Informationsmangel Hauptursachen von relativer Armut sind, führt uns zu erfolgreichen und sozial engagierten Querdenkern und direkt in eine riesige Lagerhalle in der New Yorker Bronx. Bis unters Dach gefüllt mit gebrauchten Computern, Monitoren und Tastaturen.

Sie stapeln sich dort, weil die Organisation "Per Scholas" mit einer ungewöhnlichen Bitte an amerikanische Großunternehmen herantritt: Man bittet um die Überlassung ausrangierter Computer, um sie wieder in Gang zu setzten und für wenig Geld an bedürftige Familien weiterzuverkaufen.

Und wenig Geld heißt konkret 245 Dollar. Dafür gibt es einen überarbeiteten Pentium II Computer mit Garantie, komplett ausgestattet mit Monitor, CD-Rom Laufwerk, Modem, Internetzugang, Keyboard, Maus, Lautsprecher und einem umfangreichen Softwarepaket. Bereits 20.000 gebrauchte Computer wurden in den letzten Jahren in 28 U.S. Bundesstaaten verkauft.

Um dem Bedarf an Second-Hand-Geräten nachzukommen, bildet Per Scholas seit kurzem auch Computertechniker aus. Eine echte Karrierechance für junge Menschen, die sonst weder die Chance auf Ausbildung noch zum Erwerb eines Computers gehabt hätten.

Querdenk-Chance

Solche Beispiele lassen uns das Herz aufgehen. Zeigen Sie doch, dass sich gute Taten und gesunder Geschäftssinn durchaus miteinander verbinden lassen.

Aber in diesem Beispiel steckt aus unser Sicht noch ein sehr wichtiger zweiter Aspekt und eine existenzielle Frage: Wer sind unsere Kunden? Eine Frage übrigens, die man sich regelmäßig stellen sollte.

Wichtig dabei: Es muss sich nicht zwangsläufig um die Kunden handeln, die Sie und Ihre Wettbewerber bereits seit 20 Jahren beackern. Clevere Business-Querdenker wie Per Scholas gehen auf ganz neue Zielgruppen zu. In diesem Fall: Kunden, die im Prinzip gar nicht genug Geld für den Kauf der Produkte haben. Und wenn man damit, wie das obige Beispiel zeigt, auch noch etwas Gutes tun kann – umso besser!

 

 

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Kreditkarten für Kinder (Beratungsletter 9/2005)

Kreditkartenunternehmen haben in der Vergangenheit Kinder und Jugendliche nicht wirklich als Kunden betrachtet: beschränkte Geschäftsfähigkeit und mangelnde finanzielle Eigenverantwortung waren nur einige der Gründe…

Eine VISA-Kreditkarte für Kinder? Tatsächlich! Was bisher unmöglich schien, gibt es seit kurzem in Deutschland: Der Software-Riese Microsoft bietet gemeinsam mit der Berliner Landesbank eine Lösung an, mit der auch 14-Jährige per Kreditkarte abzurechnende Dienste wie Xbox Live nutzen können. Die "Xbox Visa Card prepaid" ist eine für Jugendliche kostenlose Guthabenkarte, auf die der Karteninhaber Geld einzahlt, wobei das Guthaben auf der Karte derzeit mit 2 Prozent pro Jahr verzinst wird.

Was es in Deutschland erst seit einigen Wochen gibt, ist in den USA schon seit längerem auf dem Markt und entwickelt sich dort zu einem echten Verkaufsschlager: Das Kreditkartenunternehmen Visa bietet in den USA die "Buxx Karte" an (Bucks = umgangssprachlich für Dollar) und Mastercard die "Hello Kitty" Karte. Die Zielgruppe: Zehn- bis 17-Jährige. Die Funktionsweise: Eltern oder Großeltern zahlen einen Betrag ein und die Kids disponieren dann eigenständig über ihr gespeichertes Guthaben.

Die Vorteile gegenüber Bargeld: Diebstahlsicherheit und Ausgabenkontrolle durch die Eltern. Sie können nachschauen, in welchen Geschäften sich die Kids herumgetrieben haben, was sie gekauft haben und wie teuer es war :-) Überziehungskredit gewährt Visa allerdings nicht, sondern immer nur so viel Spielraum, wie die Eltern einräumen.

Allerdings stößt dieses neue Angebot nicht überall auf ungeteilte Zustimmung: Verbraucherschutzorganisationen wittern eine Verführung der Kinder zum hemmungslosen Konsum.

Wir wollen hier keine moralische Wertung abgeben, sondern diesen neuen Markt von der betriebswirtschaftlichen Seite her betrachten. Dabei zeigt sich schnell, dass wir hier nicht über Peanuts reden: Die Wachstumsraten der Kreditkarten für Kinder liegen in den USA im dreistelligen Bereich. Prognosen gehen davon aus, dass mit dem Plastikgeld in den nächsten fünf Jahren ein Verkaufsvolumen von 50 Milliarden Dollar finanziert werden wird.

Querdenk-Chance

Haben SIE schon einmal darüber nachgedacht, wie Sie das Wettbewerbsspielfeld in Ihrer Branche verlagern können? Anstatt mit allen Mitteln um die selben Zielgruppen zu kämpfen, sollten Sie sich auf die Suche nach der viel versprechenden Zielgruppe der "Unentdeckten Nichtkunden" machen – so wie es die Kreditkartenunternehmen mit der Zielgruppe der Kinder gemacht haben.

Diese Zielgruppe wird sich Ihnen nicht auf den ersten Blick offenbaren, denn sie ist deshalb noch unentdeckt, weil man die Lösung für ihre Bedürfnisse regulär in ganz anderen Märkten vermutet. Und das ist genau Ihre Chance! Diese Annahme müssen Sie in Frage stellen und fortlaufend darüber nachdenken, wie Sie diese Nicht-Kunden in Ihren Markt bringen können.

 

 

Querdenk-Update

Sparschwein AG (Beratungsletter 8/2005)

Kunden, die über Vermögen verfügen und dieses gewinnbringend anlegen wollen, sind die idealen Kunden aus Sicht der Banken. Und dieser Logik folgend, sind diejenigen ohne Vermögen auch keine potenziellen Kunden für das Anlagegeschäft – ist doch klar, oder?

Die Sparschwein AG hinterfragte genau diese Annahme und stellte sich folgende Frage: "Wie kann eine Bank Kunden zum Sparen bringen, obwohl sie überhaupt kein Geld haben?"

Sie kann! Und zwar so: Statt Bargeld zahlt der Kunde bei der Sparschwein AG Sachgegenstände auf sein Depot ein.

Und das funktioniert wie folgt: Kunden registrieren sich auf der Homepage und bald darauf holen Agenten der Sparschwein AG den überflüssigen Fernseher oder PC auf Wunsch ab. Diese Wertgegenstände werden durch Verkauf oder Versteigerung, z.B. bei Ebay, verflüssigt. Der Erlös wird dann auf einem Konto angelegt und verzinst. Sogar von einer VISA-Karte oder von bedarfsgerechten Sparplänen können Sparschwein-Kunden profitieren. Die Zusammenarbeit mit renommiertem Finanzdienstleistern macht’s möglich.

"Innovation beim Sparen und damit verbundene Problemlösungen für den Kunden wurden bislang von Banken vernachlässigt", so die Finanzmanager Matthias Kröner und Martin Kölsch, die das Konzept der Sparschwein AG erfunden haben.
 

 

Querdenk-Update

Adult Size Big Wheels (Beratungsletter 7/2005)

Ein gut gemeinter Ratschlag von Experten und solchen, die sich dafür halten: "Erfinden Sie das Rad nicht neu!" Matt Armbruster mit seiner Firma "Big Wheel Rally" schlug diesen Rat in den Wind und entwickelte daraus ein lohnendes Geschäft.

Das Kinderdreirad "Big Wheel" war in Amerika über Generationen der Renner bei Kindern, bis die Firma Mitte der 80er Jahre Pleite ging. Neue Modelle kamen und gingen, hatten aber laut Armbruster alle einen entscheidenden Nachteil: "Unsexy – und zu klein für Erwachsene."

Man ahnt es schon: Der Amerikaner dachte quer – und erfand das legendäre "Big Wheel" aufs Neue, diesmal für große Kinder. Zahlreiche Modelle stehen zur Auswahl: vom "Original" über "Chopper County" bis zum "Slasher Downhill". Mit etwas Schwung legt das Dreirad für Erwachsene einen filmreifen 180-Grad-Turn aufs Pflaster, mit dem man sämtliche Verfolger elegant abschütteln kann. Die Nachfrage nach den rund 250 Dollar teuren Spaßgefährten ist überwältigend – Adult Size Big Wheels sind auf Wochen ausverkauft.

Querdenk-Chance

Machen Sie sich auf den Weg, neue Zielgruppen zu entdecken. Das Beispiel von Big Wheel Rally zeigt: Neue Kundengruppen haben oft vollkommen andere Preissensibilitäten: Während die Schmerzgrenze für ein Kinderdreirad bei etwa 50 bis 100 Dollar liegt, sind die neuen Spaßgefährte dem Kunden 250 USD und mehr wert!
 

 

Querdenk-Update

Tomboy Tools (Beratungsletter 1/2005)

Während die großen Baumarktketten noch überlegen, wie sie sich mit immer niedrigeren Preisen gegenseitig unterbieten können, geht das Unternehmen Tomboy Tools aus Denver einen ganz anderen Weg. Man verlagert das Spielfeld weg vom Preiswettbewerb hin zu einer neuen Zielgruppe von "So-Gut-Wie Nichtkunden" – in diesem Fall den weiblichen Heimwerkerinnen.



Dazu geht man im Produktdesign neue Wege: Die Werkzeuge werden so modifiziert, dass sie den Anforderungen der weiblichen Zielgruppe besser entsprechen. Die Werkzeuge sind leichter und haben gut konturierte Griffe, die auch kleineren Händen einen starken Zugriff erlauben. Außerdem werden die erfolgreichsten Produkte in einem Gesamtpaket angeboten, das immer die wichtigsten Werkzeuge für einen speziellen Aufgabenbereich beinhaltet.


Tomboy Tools beschreitet auch im Verkauf neue Wege: Man verkauft die Produkte zwar auch per Katalog und online – die meisten Heimwerkerprodukte werden jedoch bei Hausparties an die Frau gebracht – eben jene Verkaufsparties, die man beispielsweise von Tupperware kennt.

Das erfolgreiche Partiemodell funktioniert wie folgt: In einer entspannten Atmosphäre unter Freundinnen erfährt die Kundin, wie man Fliesen legt, eine undichte Toilette repariert oder ein schweres Bild an eine dünne Wand hängt. Natürlich regt diese Atmosphäre zum Kauf an und alle Beteiligten gehen mit dem Gefühl nach Hause, jetzt viel kompetenter bei kleineren Reparaturen im Haus zu sein.


Barbara K. (Beratungsletter 1/2005)

Barbara Kavovit war lange Jahre Chefin einer New Yorker Baufirma und bringt ihre Erfahrungen in das Geschäft mit den weiblichen Handwerkerinnen ein. Ihre Produktlinie richtet sich wie bei Tomboy Tools an Frauen und beinhaltet gestylte und doch nicht allzu teure Werkzeuge, die im Paket zusammen mit einem Handbuch kommen und den Kundinnen so eine praktikable Anleitung geben, wie sie problemlos kleine Reparaturen und Verschönerungsarbeiten am Haus durchführen können.

So gibt es beispielsweise für 49 Dollar das dreißigteilige Werkzeugset im eisblauen transparenten Köfferchen. Im Paket enthalten ist auch ein Buch über einfache Do-It-Yourself Hausreparaturen.

Querdenk-Chance

Cutomer-Discovery bedeutet, interessante neue Zielgruppen zu erschließen und dem drückenden Preiswettbewerb der Branche zu entkommen. Tomboy Tools und Barbara K. zeigen, wie man unwahrscheinlich clever die Zielgruppe der "So-Gut-Wie Nichtkunden" für sich gewinnen kann.

 

Anja Förster und Dr. Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von Wirtschaftsvordenkern.

Leidenschaftlich unkonventionell kämpfen die beiden Bestsellerautoren für die Befreiung aus Denkschablonen und das Verlassen ausgetretener Pfade. Mit ihrem Labor für Business Querdenken sind sie auf allen fünf Kontinenten unterwegs und suchen nach unkonventionellen und erfolgreichen Geschäftskonzepten und nach den Menschen, die dahinter stehen.

Was SIE davon haben? Den Blick über den Tellerrand und 100 Prozent Inspiration!