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360-GRAD-BLICK
Blicken Sie bei der Suche nach Innovationen gezielt und systematisch über den Tellerrand Ihrer eigenen Branche


Foto: Umpqua - eine Bank wie eine Shopping Mall, ein Starbucks Kaffee...

Viele Unternehmen sind primär darauf eingestellt, sich mit ihren Branchenrivalen zu messen und sie zu schlagen. Das führt jedoch dazu, dass sich Strategien, Produkte und Preise tendenziell angleichen: Willkommen im Massenmarkt, in dem sich die Angebote immer mehr angleichen, die Kunden nur noch auf den Preis achten, die Distributoren ihre Muskeln spielen lassen und die Margen schrumpfen!

Business Querdenker blicken über die konventionellen Grenzen des Wettbewerbs hinaus und suchen ganz gezielt in vollkommen fremden Branchen nach guten Ideen und Innovationen: Der 360-Grad-Blick.

 

Querdenk-Praxis

360-Grad-Blick im Industriegüter-Bereich

Was passiert mit dem Maschinenpark von Unternehmen, die in Konkurs gegangen sind? Traditioneller Weise werden diese Aktiva in Form von Verkäufen oder Präsenzauktionen vor Ort abgewickelt. GoIndustry hat hier durch den Blick über den Tellerrand ein ganz neues Geschäftsfeld erschlossen:

Man hat das Prinzip der Internet-Auktionen von eBay übernommen und erfolgreich auf das Gebiet der Industrieauktionen übertragen. Vorteil: Da der Kreis der Interessenten im Internet naturgemäß deutlich größer als bei einer Präsenzauktion ist, können bessere Erlöse erzielt werden. Zudem sparen die Interessenten Zeit und Spesen, wenn sie nicht extra anreisen müssen.


360-Grad-Blick im Service-Bereich

McDonald's für Anwälte? Das Prinzip Franchising, nach dem auch McDonald's arbeitet, könnte das Advokaten-Biotop gründlich verändern. Michael Zahrt, Vorstand der Frankfurter Janolaw AG, will zukünftig Mandanten mit klaren, standardisierten Leistungsprofilen und nachvollziehbaren Honorarstrukturen gewinnen.

Bis zu 300 Franchisenehmer sollen in den kommenden Jahren unter dem Branding janolaw die rechtliche Grundversorgung übernehmen. Wie in jedem guten Franchise-Unternehmen finanziert die Franchise-Zentrale das gesamte Backoffice, Buchhaltung, Inkasso und regionale und überregionale Marketingkampagnen.


360-Grad-Blick im Endkunden-/ B2C-Bereich

Banken und Lebensmittelmärkte haben es vorgemacht: Wenn die Kunden nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu ihnen. Wie das funktioniert: Man stellt die Bank oder den Lebensmittelladen auf vier Räder und fährt zum Kunden. Was kann die Kirche davon lernen?

Auch hier kommen die Kunden kaum noch in die Kirche – und schon gar nicht zur Beichte. Damit das wieder anders wird, hat man sich beim katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen: Unter dem Motto "Beichten leicht gemacht" hat man sich zum Einsatz eines Beichtmobils entschlossen. Es wurde ein VW-Campingbus angeschafft und umgebaut, der nun Priestern für Beicht-Tourneen zur Verfügung gestellt wird.

Ihre Chance

Trainieren Sie Ihre Sinne für den 360-Grad-Blick. Gehen Sie mit offenen Augen durch den Alltag. Schauen Sie, was Sie von Anbietern in anderen Branchen lernen können. Diese müssen nicht in Ihrem unmittelbaren Wettbewerbsumfeld tätig sein. Ganz im Gegenteil: Je weiter entfernt, desto besser. Warum? Weil in Ihrer eigenen Branche schon alle Wettbewerber sich gegenseitig beobachten und daher der Raum sehr eng ist, um Dinge wirklich anders zu machen.

 

Querdenk-Update

Ubisoft Entertainment – Neues Vermarkten von Videospielen (Beratungsletter 7/2008)

Kaum ist der neue Zeichentrickfilm über den kugelrunden und von Natur aus antriebsschwachen Pandabären Po in den Kinos angelaufen, ist auch schon die Merchandising-Maschinerie in vollem Gang: Bücher, Plüschfiguren, Tassen, T-Shirts, Bettwäsche und vor allem Videospiele.

Wir haben zwar noch keine Kung-Fu-Panda-Platzdeckchen angeschafft und daddeln auch noch nicht mit dem zugehörigen Pandabären-Videospiel. Aber es werden sich genügend Käufer für diese Produkte finden, die mit ihrem Kauf auch einen Großteil der Produktionskosten des Films refinanzieren.

Aber: Die Hackordnung bei der Verwertung von Kinofilmen gilt nicht mehr. Manche Videospiele für PC oder Spielkonsole machen bereits mehr Umsatz als aufwändige Blockbuster. Die Graphik der Spiele ist Trickfilmen längst ebenbürtig, auch die Produktionskosten sind es.

Der amerikanische Videospiel-Hersteller Take Two Interactive etwa landete mit dem Spiel "Grand Theft Auto IV" jüngst einen Megaseller, der bei Jugendlichen auf Anhieb die Bekanntheit von Coca Cola erreichte und in den ersten Wochen über 500 Mio. US-Dollar einspielte. Kaum ein Kinofilm hat das je geschafft.

Ubisoft Entertainment, ein führender Produzent von interaktiven Spielen ("Die Siedler") dreht die klassische Verwertungsrichtung daher komplett um: "Anstatt ein ergänzendes Produkt zu sein, werden wir künftig im Mittelpunkt stehen", kündigt Ubisoft-Chef Yves Guillemot an.

Die Strategie des französischen Konzerns ist klar: Ubisoft will künftig selbst die Einkommensquellen erschließen, die bisher von Filmstudios erschlossen wurden. Im Mittelpunkt steht fortan das Videospiel. Bücher, Filme und TV-Serien werden um die Spiele herum konzipiert. Nicht mehr andersherum!

Der Erfolg dieser Strategie ist schon jetzt absehbar: Der Nettogewinn von Ubisoft schoss im vergangenen Jahr auf knapp 110 Mio. Euro. Das Entwickler-Team soll von rund 60 Angestellten bis 2013 auf 500 Mitarbeiter anwachsen.

Querdenk-Chance

Wir meinen: Ubisoft ist clever, denn das Unternehmen hat verstanden, dass es nicht darum geht, so viele Merchandising-Produkte wie möglich zu entwickeln.

Der springende Punkt ist vielmehr, alle Bestandteile und Kräfteverhältnisse der branchenüblichen Wertschöpfungskette immer wieder zu hinterfragen – und sich dann selbst gegebenenfalls vollkommen neu zu positionieren.

Der Spieleproduzent Ubisoft hat mit dem 360-Grad-Blick von der Filmindustrie gelernt und das eigene Produkt von der Peripherie in den Mittelpunkt gerückt!
 

 

Querdenk-Update

Echnaton, Borat und Caligula im Maschinenbau (Beratungsletter 5/2008)

Vor einigen Tagen erreichte uns folgende, wohltuende Mail von Michael Hergeth (Text von der Redaktion unverändert):

"Ihr Buch 'Alles, außer gewöhnlich' ist eines der wenigen Bücher, das ich auf einen Rutsch gelesen habe. Selten haben mich Ideen so bestärkt und motiviert.

Ich bin beruflich in einer als relativ langweiligen angesehenen Branche, dem Maschinenbau, als Führungskraft im Werkstattbereich beschäftigt. Sie können sich vorstellen, dass gerade die Werkstatt kein guter Nährboden für 'ungewöhnliche' Ideen ist. Nichts desto trotz, haben mich Ihre Ideen inspiriert. Gerade der 360-Grad-Blick hilft mir täglich, eigene Prozesse zu verbessern.

Ein kleines Beispiel: Es gibt immer wieder wichtige Bauteile, die von den Mitarbeitern mit besonderer Priorität bearbeitet werden müssen. Nun sind die Teile mit einer 7-stelligen Nummer versehen. Sie können sich vorstellen, wie gut die Kommunikation funktioniert: 'Wo ist Bauteil 1234567?'. Nicht wirklich der Priorität angemessen.

Wie kann man über Bauteile sprechen, die nur Nummern haben? Die Lösung zu dem Problem kam mir während der letzten Hurrikane-Saison in den USA. Warum spricht man dort von 'Hurrikane Katrina' und nicht von 'Hurrikane 1234567'? Weil man sich damit besser identifiziert und die Gefahr plastischer wird.

Also haben meine wichtigen Bauteile jetzt Namen. Eines ist weiblich, eines männlich. Natürlich beginnend von A.

Der Effekt? Natürlich großes Gelächter der Mitarbeiter. Einer fühlte sich gleich in die Zustände der DDR versetzt. Ich hab mitgelacht und vorgeschlagen, jeder dürfe sich auch einen Namen aussuchen. Seitdem diskutieren wir jeden Morgen über Berta, Echnaton, Borat und Caligula. Die Durchlaufzeit hat sich um einige Prozentpunkte verbessert, gelacht wird immer noch. Aber nicht mehr über das System, sondern über die Namen.

Ein kleines Beispiel von vielen, die es uns ermöglichen den Vorsprung vor den 1.3 Milliarden Chinesen zu halten. Sie sehen, auch ein als vielleicht konservativ angesehener Bereich wie die deutsche Fertigung ist für Ihre Ideen zu begeistern."

Querdenk-Chance

Menschen wie Michael Hergeth sind unsere Helden. Weil ihr Handeln einem entscheidenden Grundsatz folgt: Es gibt keine Ausreden! Jeder von uns hat es in der Hand, das eigene Unternehmen zu einer sprudelnden Quelle für alles Neue und Unkonventionelle werden zu lassen. Wie das geht? Barrieren konventionellen Denkens überwinden, mutig experimentieren, das Lächeln der Bedenkenträger ignorieren, Fehler zulassen, daraus lernen und etwas verwirklichen. Bravo!
 

 

Querdenk-Update

Ein Blubb, ein Klick – Woher kommt mein Iglo-Spinat? (Beratungsletter 4/2008)

Woher kommt eigentlich der Spinat auf dem Teller? Diese Frage lässt sich meist nur vage beantworten – es sei denn, der Spinat kommt von Iglo. Der Tiefkühlkosthersteller bietet auf der Homepage einen Service an, mit dem der Kunde die Herkunft des Grüns ganz genau ermitteln kann.

Dieses 'Tracking', bei DHL auch 'Track & Trace' genannt, ist in der Logistikbranche längst gang und gäbe. Kunden können anhand einer individuellen Nummer im Internet nachverfolgen, wo sich ihre Sendung gerade befindet.

Iglo hat diese Idee mit Hilfe des 360-Grad-Blicks übernommen. Auf der Homepage des Unternehmens können Kunden die Herkunft ihres Spinats ermitteln. Tippt man den Zahlencode von der Spinatpackung in ein Formular ein, erfährt man, welcher Landwirt den Spinat auf welchem Feld angebaut hat.

Damit nicht genug. Man erfährt auch persönliches über die Vertragslandwirte: Ihr Alter, Familienfotos und was sie sonst noch so anbauen. Man erfährt etwa, dass sich der Hofstammbaum des Münsterländer Landwirts Claus Bernsmann bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und dass er gerne Milch trinkt: "Meine Frau meint, ich bin schon fast eine Milchkuh!" – Aha.

Leider sind solch brisante Informationen wie diese selten – aber darum geht es auch gar nicht. Iglo betreibt hier sehr cleveres Storytelling: Die Landwirte wirken authentisch und vertrauenswürdig. Sie erzählen ihre Geschichte, berichten darüber, was ihre Kinder so machen, etc. Das alles ist höchst sympathisch. Wer könnte diesem Spinat widerstehen?

Querdenk-Chance

Verbraucher wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und fordern Transparenz von der Herstellung bis ins Verkaufsregal. Iglo hat mit dem Spinat-Tracking ein veritables Differenzierungsmerkmal in der Tiefkühlkostbranche geschaffen. Suchen auch Sie in anderen Branchen nach Ideen? Was dort gängig ist, könnte in Ihrer Branche eine absolute Innovation sein!
 

 

Querdenk-Update

DPR Construction Inc. – "Be better than best in class!" (Beratungsletter 3/2008)

Das Bauunternehmen DPR Construction Inc. aus Redwood City in Kalifornien ist angetreten, um die Baubranche zu revolutionieren. Deshalb war es für Doug Woods, Mitbegründer von DPR, auch von vornherein klar, dass er sich niemals an den Wettbewerbern der eigenen Branche orientieren würde: "Wir nehmen High-Tech Firmen im Silicon Valley zum Vorbild. Das Valley ist ein idealer Platz für Leute, die die Art und Weise, wie man Geschäfte betreibt, revolutioniert haben. Und genau das wollen wir auch im Baugewerbe erreichen."

Mit dieser fundamentalen Überzeugung legte er mit seinen Kollegen Peter Nosler und Ron Davidowski, allesamt erfahrene Bau-Veteranen, los. DPR konzentriert sich auf den Markt für teure, anspruchsvolle, risikoreiche und zeitkritische Bauprojekte. So beispielsweise die neue Produktionsstätte für den Pharmakonzern Biogen Idec in Oceanside, Kalifornien oder die Neubauten der Firmenzentralen für diverse High-Tech Firmen und andere "State-of-the-art" Gebäude.

Jedes neue Bauprojekt startet bei DPR nicht mit dem Aushub des Erdreichs, sondern mit der Erstellung eines "Project Mission Statements". Dazu nehmen alle Beteiligten an einem mehrtägigen Workshop teil: Mitarbeiter von DPR, Mitarbeiter des Auftraggebers, das Architektenteam, die Ingenieure, Lieferanten und Handwerker. In dem Workshop werden eine klare Zielvereinbarung, ein verbindlicher Zeitplan und detaillierte Kriterien für die Erfolgsmessung aller Beteiligten verabschiedet. Erst wenn das erreicht ist, beginnen die Arbeiten auf der Baustelle.

DPR zählt heute zu den führenden Baufirmen in den USA. Im Jahr 2006 betrug der Umsatz 1,58 Mrd. USD, bei 57 Prozent Wachstum zum Vorjahr. Wenn man bedenkt, dass DPR erst seit 1990 existiert, macht die Firma ihr Ding schon verdammt gut.

DPR hat eine ungewöhnliche Zielvorgabe für die Bemessung des eigenen Erfolgs: Man will jedes Jahr den Prozentsatz der neuen Projekte erhöhen, die "konkurrenzlos" an DPR gegangen sind. Das sind Projekte, bei denen der Kunde überhaupt kein anderes Bauunternehmen als DPR für die Realisierung seines Bauvorhabens in Betracht gezogen hat. Gegenwärtig liegt der Prozentsatz der "konkurrenzlosen" Projekte bei 33% des Gesamtumsatzes - eine beeindruckende Zahl in einer Branche, in der Angebotsvergleiche so üblich sind wie die morgendliche Kaffeepause.


Querdenk-Chance

"Was Qualität und Innovation anbetrifft, wollen wir in unserer Branche das schaffen, was Toyota in der Automobilbranche gelungen ist." Hochgehängte Ziele, ein klarer Fokus und das konsequente Benchmarking mit Weltklasse-Unternehmen außerhalb der eigenen Branche - das sind die Erfolggeheimnisse von DPR.

Machen Sie doch mal den DPR-Test: Wie hoch ist der Prozentsatz der neuen Projekte, die im letzten Jahr "konkurrenzlos" an SIE gegangen sind?

 

 

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Eismann: Tiefkühlfritten frei Haus – Gefrierschrank inklusive (Beratungsletter 2/2008)

Einfallslosigkeit kann man dem Tiefkühlkost-Heimdienst Eismann nicht vorwerfen: 1.350 tiefgefrorene Produkte hat das Unternehmen aus der rheinischen Samba-Metropole Mettmann im Angebot, von der "Asia-Knusperente" bis zum "Zebra-Eis".

Was man als Eismann-Kunde idealerweise auch benötigt, ist ein geräumiger Gefrierschrank zur Aufbewahrung der Fertiggerichte. Und genau da setzt die neueste Kreation von Eismann an: Der Bringdienst bietet ab Februar 2008 nicht mehr nur Tiefkühlkost, sondern auch die passenden Kühl- und Gefrierschränke.

Und das funktioniert ganz genau so, wie Mobilfunkanbieter teure Handys unters Volk bringen: mit 24-monatiger Vertragsbindung. Der Kunde verpflichtet sich, zwei Jahre lang Eismann-Kost im Wert von insgesamt 1080 Euro zu ordern. Das entspricht einem monatlichen Bestellwert von 45 Euro – laut Homepage "der Bedarf einer ganz normalen Familie".

Drei Geräte stehen zur Auswahl, für die neben Lieferkosten in Höhe von 39 Euro auch eine Anzahlung ("Treuepreis") zwischen 249 und 349 Euro fällig ist. Nach zwei Jahren ist man dann stolzer Besitzer eines neuen Eisschrankes – und der Fischstäbchen und Fertigpizzas hoffentlich noch nicht überdrüssig geworden.


Querdenk-Chance

Neuer Kühlschrank gefällig, aber keine Lust auf Tiefkühlkost? Dann bestellen Sie doch für Ihre Nachbarn mit und lassen sich das Gerät so quer-subventionieren. Im günstigsten Fall zahlen Sie für die Kiste nur 288 Euro – und mit den Nachbarn klappt’s dann auch wieder ;-)

Aber mal im Ernst: Was Eismann hier macht, ist geschickte Kundenbindung nach dem Handy-Vertragsprinzip. Ganz gleich, wie viele Kühlschrank-Verträge letztendlich abgeschlossen werden – allein der Versuch, mit dem 360-Grad-Blick in der Branche etwas Neues auszuprobieren, ist äußerst clever und sympathisch. Und allemal innovativer, als das 1.351ste gefrorene Fertiggericht zu erfinden!
 

 

Querdenk-Update

Wieden+Kennedy: "Walk in stupid every day!" Beratungsletter 1/2008)

"Just do it." Wer kennt ihn nicht? Der Slogan, mit dem der US-amerikanische Sportartikelhersteller Nike seit 1998 wirbt, zählt zu den einprägsamsten Werbesprüchen und wurde vielfach prämiert. Erfunden hat ihn die erfolgreiche Agentur Wieden+Kennedy (W+K) aus Portland, Oregon. Zu den Kunden zählen Coca Cola, Nokia, Procter & Gamble, Starbucks und auch die HypoVereinsbank.

"Wenn wir uns nach neuen Kunden umschauen, suchen wir nicht nach Produktkategorien, sondern nach Menschen", sagt COO Dave Luhr. "Es kommt darauf an, mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten, sich in sie zu verlieben."

Klingt gefühlig, ist aber essentiell für den Erfolg von Wieden+Kennedy. Wie also kommt W+K an die richtigen Leute? Die Agentur nutzt vor allem den 360-Grad-Blick über den eigenen Tellerrand:

Kreative Buchhalter: Ja, die gibt es. W+K entdeckt und fördert sie und andere verkannte Genies in einer "In-House-University". Pro Jahr werden 12 Nachwuchswerber aufgenommen – von über 2.500 Bewerbern! Unter ihnen sind Bildhauer, Stand-Up-Comedians oder eben auch Buchhalter. Mit ihren unterschiedlichen Backgrounds – Branchenerfahrung ist ausdrücklich unerwünscht – arbeiten sie ein Jahr lang an realen Kundenprojekten.

Kreative Mittagspause: W+K lädt regelmäßig Nachwuchsbands zu Konzerten ein, um auch in Sachen Musik nicht den Anschluss zu verpassen. Die Jungmusiker können ihre Songs für Werbespots anbieten und die Werber mit den Musikern in einen kreativen Dialog treten. Diese Konzertreihe nennt sich LunchBox und ist ideal, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben – denn kaum eine Branche ändert sich so rasant wie die Musikbranche!

Kreative Untermieter: W+K lockte das Portland Institute for Contemporary Art (PICA) ins selbe Bürogebäude – und damit junge Künstler, deren Durchbruch meist noch bevorsteht. Hier geht es vor allem um ein kreatives Milieu, Inspiration und frische Perspektiven.


Querdenk-Chance

Routinen permanent überprüfen, Branchendogmen hinterfragen und Kundenwünsche auch mal konstruktiv konterkarieren – das ist das Erfolgsrezept von Wieden+Kennedy. Mitbegründer Dan Wieden: "My Job is to walk in stupid every day." Will heißen: Gestern Gelerntes heute schon wieder verwerfen zu können. Nicht einfach, aber essentiell. Probieren Sie’s aus! Just do it!


 

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Hilti Flottenmanagement (Beratungsletter 5/2007)

Flottenmanagement – das kennt man doch von Fuhrparks, oder? Fast richtig, denn man kennt es nur von dort. Zumindest bisher. Die Hilti AG (richtig, der Ronaldinho unter den Bohrhämmern) hat dieses Konzept nun aufgegriffen und auf die Werkzeugbranche übertragen: Hilti stellt Kunden, meist Baufirmen, eine den Bedürfnissen entsprechende Geräteflotte zur Verfügung und kassiert eine monatliche Gebühr für diese Dienstleistung.

Dieses Rundum-Sorglos-Paket beinhaltet außerdem Finanzierungsmodelle, Reparaturservice, Diebstahlversicherung und die Bereitstellung neuer Modelle nach Ablauf der vereinbarten Nutzungsdauer. Die Vorteile für die Kunden liegen ganz klar in der Verschlankung der eigenen Bilanz sowie in der Auslagerung von administrativen Prozessen. Zudem können unerwartete Bedarfsspitzen unkompliziert durch Nachordern der zusätzlich benötigten Werkzeuge abgefangen werden. Mit dem Hilti Flottenmanagement ist man viele unnötige Sorgen los und begleicht stattdessen nur eine einzige Rechnung im Monat. Das sorgt für Kostentransparenz und entlastet Rechnungswesen und Controlling.

"Dies ist einer der Erfolgsgründe unseres Geschäftsmodells: Die ständige Verbesserung", so Pius Baschera, 13 Jahre lang CEO und seit kurzem Aufsichtsratspräsident. Der Werkzeugschmiede mit Sitz im liechtensteinischen Schaan geht es "fantastisch". Und dennoch gibt man sich nicht zufrieden, obwohl es "immer noch besser läuft". Im Geschäftsjahr 2006 stieg der Nettoumsatz um 13% auf 4,118 Mrd. CHF, der Reingewinn um 21% auf 344 Mio. CHF. Damit lässt sich gut in Forschung, Entwicklung und 360-Grad-Querdenken investieren – und gibt Billiganbietern aus China keine Chance.

Querdenk-Chance

"Unsere Produkte sind hochpreisiger als die der Konkurrenz, dafür bieten wir aber auch mehr", so das Credo der Liechtensteiner. Hilti ist der Inbegriff für Qualität und Zuverlässigkeit am Bau - aber das allein reicht nicht mehr, um die Spitze zu verteidigen. Das Flottenmanagement hat schon fast ein Zehntel der insgesamt gut 100.000 Kunden überzeugt, und man fragt sich: Warum ist da vorher noch keiner draufgekommen?

 

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Swisscom Mobile Labs (Beratungsletter 2/2007)

Märkte wandeln sich in Hochgeschwindigkeit und Innovationszyklen werden immer kürzer. Deshalb wird es umso wichtiger, neue Produktideen nicht einfach auf den Markt zu werfen, sondern sie vorher unter realen Bedingungen von der Zielgruppe testen zu lassen.

Google beispielsweise nutzt die Ideen seiner kreativen und kritischen User sehr geschickt. Auf der Website Google Labs veröffentlicht das Unternehmen noch nicht ganz ausgereifte Demoversionen von geplanten Webservices. Diese "Beta-Versionen" können schon vorab von den Usern getestet, bewertet und verbessert werden. Googles Philosophie: Das Internet als eine interaktiv nutz- und gestaltbare Laborumgebung für die Wirklichkeit.

Die Mobilfunktochter der Swisscom hat diese Idee, angeregt durch einen Innovationsworkshop mit uns, von der IT- auf die Mobilfunkbranche übertragen – mit riesigem Erfolg: Die Web-Plattform Swisscom Mobile Labs erhält von Usern durchschnittlich 300 Bewertungen und 100 konkrete und qualitativ hochwertige Verbesserungsvorschläge pro Woche.

Der interaktive Austausch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung hilft nicht nur, Produkte nach den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe maßzuschneidern, sondern kann auch zur völligen Neukonzeption eines Services führen: Zum Beispiel bei der "Xtra-Zone", einer hybriden Online-Plattform für Natel (das "Handy" in der Schweiz) und Computer: "Wir haben bereits Kosten in der Höhe von 200.000 CHF eingespart, nur dadurch, dass wir Xtra-Zone nicht nach unseren eigenen Vorstellungen entwickelt haben", so Stefan Mauron, Head of Strategic Initiatives bei Swisscom Mobile.

Und wo wir schon mal beim Geld sind: "Die Besucher unterhalten sich im Forum ungestützt sogar über mögliche Preise, die sie für einen Dienst bezahlen würden." Das dient ebenfalls der Orientierung, denn trotz aktiver Zusammenarbeit mit ihren Kunden ist die Swisscom nicht Wikipedia.

Querdenk-Chance

Mit dem Erfolg rechnen – statt auf ihn zu hoffen – kann, wer potentielle Nutzer möglichst früh in die Entwicklung integriert. Und die Swisscom geht noch einen Schritt weiter: "Als nächstes werden wir einen Service aufschalten, in welchem unsere Kunden ihre Ideen über Produkte eingeben können, welche sie von uns erwarten", so Stefan Mauron. Mit dem Segen der vernetzten Welt und der Möglichkeit, in Echtzeit zu kommunizieren, können auch Sie Ideen und Anregungen Ihrer Kunden sammeln und zu innovativen Produkten formen!

 

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Steak Tracking (Beratungsletter 11/2006)

Sie sind Vegetarier? Dann sollten Sie den folgenden Artikel überspringen ;-)

"Grand Baby Beef" nennt sich ein 10 cm breites und 1,5 kg (!) schweres Steak – ein Klassiker auf der Speisekarte des "La Cabana Steakhouse" in Buenos Aires. Das 1935 eröffnete Restaurant war jahrzehntelang Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Politik und Unterhaltung, von Fidel Castro bis Louis Armstrong.

Doch gutes Rindfleisch ist in Argentinien keine Seltenheit, der Wettbewerb dementsprechend groß. Diesem Kopf-an-Kopf Wettbewerb fiel das "La Cabana Steakhouse" 1996 zum Opfer und musste schließen.

2003 öffnete es seine legendären Pforten erneut und zwar mit einer bemerkenswerten Änderung: Jedes bestellte Steak wird mit einem Zertifikat serviert. Darauf befindet sich - wie bei einer Logistiksendung von UPS, DHL oder FedEX - eine so genannte "Tracking Nummer".

Der Clou: Die Tracking Nummer kann in den Touch-Screen-Computer im Foyer des Restaurants oder auf der Website www.control-ar.com eingegeben werden und der Gast erhält detaillierte Informationen über das, was vor ihm auf dem Teller liegt: Herkunft des Rindes, Alter, Futtermittel, Adresse des Züchters, Name des Tierarztes, verabreichte Impfstoffe und sogar ein Foto – aufgenommen natürlich vor dem Schlachtdatum...

Querdenk-Chance

"So, where’s the beef?" ist eine amerikanische Redewendung, die Frage nach dem Sinn: Denn die Idee des Trackings ist nicht neu. Aber dieses Prinzip mit dem 360-Grad-Blick auf ein sensibles Produkt zu übertragen und das Fleisch somit auf den Status eines erlesenen Weines zu erheben, ist einfach genial!

Und noch etwas: Nummern sind normalerweise ziemlich unpersönlich. Doch im La Cabana schaffen sie bei den Gästen Vertrauen – und Vertrauen schafft wiederum neue Gäste...

 

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Zespri's cleveres Patent (Beratungsletter 8/2006)

Neuseeländische Missionare brachten 1905 die wilde Pflanze "Actinidia" in ihre Heimat und begannen, die kleine braune Frucht zu kultivieren, die später nach dem Nationalsymbol Neuseelands, dem Kiwivogel, benannt wurde. In den 80iger Jahren wurde die pelzige Frucht schließlich zum Symbol Neuseelands. Die Welt war in Ordnung – aber nicht mehr lange.

Schon 1989 hatte Neuseeland seine dominante Marktführerschaft im globalen Kiwigeschäft an neue Wettbewerber in Südeuropa, Chile und Südafrika verloren. Plötzlich war man nur noch ein Anbieter unter vielen. Das war nicht nur unangenehm, sondern auch eine wirtschaftliche Bedrohung, denn Kiwis hatten einen Anteil von 40% an Neuseelands gesamten landwirtschaftlichen Exporten.

Statt über die Auswirkungen der Globalisierung zu jammern und staatliche Subventionen einzufordern, schritten Neuseelands Kiwibauern zur Tat. Per 360-Grad-Blick suchten sie nach cleveren Strategien aus anderen Branchen.  Die in anderen Branchen üblichen Patentschutzrechte für Produkte schienen dabei eine interessante Idee: Alle 2.500 neuseeländischen Kiwianbauer schlossen sich zur ZESPRI International Ltd. zusammen und entwickelten mit dem staatlichen Fruit Science Institute einen neuen patentierbaren (!) Kiwi, der im Jahr 2000 unter dem Namen "Zespri Gold" auf den Markt kam.

Der neue patentrechtlich geschützte Kiwi ist im Inneren goldgelb und hat einen süßeren, tropischen Beigeschmack, der den Geschmack der Massen perfekt trifft: Letztes Jahr lag das Verkaufsvolumen bei 150 Mio. Dollar; bis 2009 wird die 650 Mio. Dollar Grenze angepeilt. Kiwianbauer aus anderen Ländern, die sich vom Erfolg des Zespri ein Scheibchen abschneiden wollen, müssen Lizenzgebühren (!) an Neuseelands Kiwibauern zahlen. Zespri International hat zwischenzeitlich gut dotierte Lizenzverträge mit Obstplantagen in Italien, Frankreich, Japan, Korea, Chile und den USA abgeschlossen.

Die cleveren Kiwianbauer aus Neuseeland haben ihre Lektion gelernt: 6 Millionen Euro investieren sie jährlich in die Qualitätsverbesserung, die Forschung für neue Kiwi-Sorten und umweltfreundliche Produktionsmethoden. Eine neue patentrechtlich geschützte Kiwifrucht ist bereits in der Innovationspipeline: Die Kiwi mit blutrotem Fruchtfleisch.

Querdenk-Chance

Die Aussage "unser Produkt ist halt nicht sexy, da kann man nichts machen" hören wir mindestens dreimal pro Woche. Es ist ja auch so bequem: Nur wer coole Produkte herstellt wie Porsche, Bang & Olufsen oder Apple, der kann wirklich innovativ sein. Aber wer Gurken, Gewinde oder Geschmacksstoffe herstellt, der hat es wirklich schwer. Die Kiwibauern aus Neuseeland liefern den Gegenbeweis: Es gibt wohl kaum ein banaleres Produkt als eine Kiwi, deren Materialwert wenige Cents beträgt. Wo also ist Ihre Ausrede?

 

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Pierre Hermé - Modeschöpfer am Backofen (Beratungsletter 5/2006)

Was passiert, wenn man Orangen-Financier-Biscuit, Brioche, Crème brulée mit Orangenblütensirup, frische Früchte und Blumen vermengt? Antwort: eine unerhört süße Verführung namens "Madame Figaro". Schöpfer dieser Kombination ist der Franzose Pierre Hermé - laut Vogue der "Picasso de la Pâtisserie".

Pierre Hermé macht keine Kuchen, sondern Kunst:

So brachte er es vom Konditorlehrling aus dem Elsass zum international gefeierten Star. Hermé macht auf sich aufmerksam, indem er Ideen aus anderen Branchen aufgreift:

1) Seine Boutiquen in Paris und Tokio gleichen Juweliergeschäften: Die süßen Pretiosen liegen wie Diamantkolliers hinter dicken Glasvitrinen und werden von weiß behandschuhten Verkäufern erst in kleine Pappkartons und dann in die noblen Pierre-Hermé-Tüten verpackt. Tiffany lässt grüssen....

2) In Anlehnung an die Modesaison und zeitgleich mit den berühmten Pariser Prêt-à-Porter-Shows präsentiert Hermé seine "Kollektionen". Dazu wählt er ungewöhnliche Locations wie z.B. den berühmten Nachtclub "Crazy Horse". Dort trugen Mannequins seine Kreationen (und sonst eher wenig) den Laufsteg entlang. Angeblich bot die Darbietung mehr Erotik als jedes Dior-Defilee. Der Medienrummel war groß - und Hermé in den Abendnachrichten.
 

"Ich bin immer noch neugierig wie ein Kind, das alles ausprobieren möchte."
An der Spitze der Confiserie angekommen, lässt sich der 45-jährige "Maître du plaisir" heute feiern wie Modegurus à la Lagerfeld, Armani und Co.

"Ich wusste schon immer, was ich wollte, das Süße ist meine Bestimmung."
Der Zuckerbäcker und Unternehmer beschäftigt mittlerweile über 130 Mitarbeiter, die wie Wissenschaftler im Labor mit scheinbar unvereinbaren Zutaten experimentieren. Was dabei herauskommt ist mit großer Wahrscheinlichkeit sehr süß - und sehr, sehr teuer.

Querdenk-Chance

Mit dem 360-Grad-Blick hat sich Pierre Hermé im Schaufenster anderer Disziplinen umgesehen. Und hat Elemente aus einer fremden Branche geschickt auf sein Handwerk übertragen. Damit hat er sich effektvoll ins Rampenlicht gestellt und die Konkurrenz in den Schatten gedrängt.

Hermé ist zum Inbegriff für süße Extravaganz und somit zu einem exquisiten Label geworden. Preiswettbewerb? Da kann Pierre Hermé nur herzhaft lachen!

 

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Thailand Elite Membership (Beratungsletter 3/2006)

Ein paar Bonuspunkte da, ein kleines Extra dort und ein bisschen Rabatt hier. Ob Krankenkasse, ADAC, Fitness Center oder Copy Shop - alle setzen auf die kleinen bunten Plastikkärtchen, die dem Kunden versprechen, dass er nun "Premium Mitglied" und nicht nur "Kunde" ist.

Diese Karte dürften Ihnen aber fehlen: Die "Thai Elite Card" macht Sie zum Premium Mitglied eines ganzen Landes! Diese Idee ist weltweit einzigartig und richtet sich an wohlhabende Ausländer, die regelmäßig Urlaub in Thailand machen oder sogar dort leben sowie an Geschäftsleute und Investoren.

Für diese drei Zielgruppen gibt es passende Mitgliedschaften: "Elitäre Momente" lockt mit Freizeitangeboten wie Wellness, Golf und Segeln, "Elitäres Leben" bietet lebenslange Aufenthaltserlaubnis, Unterstützung im Alltagsleben und eine fürstliche Krankenversicherung; "Elitäre Verbindungen" assistiert bei rechtlichen Fragen, berät in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten, organisiert Konferenzen und auch eine Golfausrüstung für die freie Zeit nach dem Meeting.

Mitglieder profitieren außerdem von weiteren Vergünstigungen wie z.B. ermäßigten Flugtickets für Star Alliance Flüge, Wegfall lästiger Einreiseformalitäten am Flughafen, Limousinenservice, Special Price & Service in ausgewählten Top-Hotels wie dem Oriental Bangkok, etc. Plus eine 24 Stunden erreichbare Telefonhotline in 7 Sprachen sowie eine persönliche Assistenz an 2 Tagen im Jahr.

Der Eintritt ins Paradies kostet stolze 25.000 US-Dollar. Für die Zielgruppe der Thai Elite Card vermutlich Peanuts - doch für Thailand dank zahlreicher Multiplikatoreffekte Einnahmen in Millionenhöhe. Fast 1.000 Mitglieder haben schon unterzeichnet.

Querdenk-Chance

Vielleicht haben wir Sie jetzt auf eine Idee gebracht und Sie lesen den nächsten Beratungsletter am Strand in Thailand, während Ihre persönliche Assistenz Ihnen die Schultern massiert.

Worum es uns geht, ist aber etwas anderes: Thailands Tourismusbehörde suchte mit dem 360-Grad-Blick nach Möglichkeiten, den Standort zu fördern. Nun lässt sich einwenden, dass das Prinzip der Mitgliedschaften an sich nichts Neues ist. Aber die Idee, ein ganzes Land zum Club zu machen, finden wir genial!

Dieses Beispiel zeigt, dass Konzepte, die in anderen Branchen vollkommen normal sind, in Ihrer Branche revolutionär sein können. Sie müssen nur den Blick über den Tellerrand werfen und sich auf die Suche machen.

 

Querdenk-Update

Das Pittsburgh Children’s Hospital von Fathom (Beratungsletter 7/2005)

Der Auftrag: Neubau des Pittsburgh Children’s Hospital. Als Architekt und Querdenker Louis Astorino den Auftrag für das 470 Mio. Dollar Projekt bekam, hatte er ein Ziel: Ein Krankenhaus mit einer freundlichen und heilungsfördernden Atmosphäre zu schaffen. Herkömmliche Planungsmethoden erwiesen sich dafür als unzureichend. Bei Suche nach einer Methode stieß er außerhalb der Architektur-Branche auf die Lösung: ZMET.

Hinter dem Kürzel ZMET verbirgt sich eine Methode, die von Prof. Zaltman an der Harvard Business School entwickelt wurde. Die Idee: tiefenpsychologische Interviews werden eingesetzt, um das Unterbewusstsein von Kunden zu erforschen. In diesen Interviews werden scheinbar belanglose Fragen gestellt, z.B. nach Lieblingsfarben oder -bildern. Dabei entstehen Collagen, aus denen man herauslesen kann, auf welche Anreize Kunden reagieren und wie man auf deren Kaufentscheidungen unbewusst Einfluss nehmen kann. Marken wie Coca Cola, Nestlé oder Motorola nutzen dieses Wissen bereits seit über 10 Jahren.

Zurück zu Louis Astorino: Er fragte sich, warum eine Methode, die bei Konsumgüterherstellern erfolgreich eingesetzt wird, nicht auch in der Architekturbranche funktionieren soll. Er ging an die Konzeption des Neubaus für das Pittsburgh Children’s Hospital und interviewte mit Hilfe der ZMET-Methode Mitarbeiter, junge Patienten und deren Eltern. Die so gewonnenen Erkenntnisse wurden beim Bau der neuen Kinderklinik berücksichtigt.

Astorino: "Der Planungsprozess beginnt nicht beim Architekten, sondern in den Herzen der zukünftigen Bewohner." Und die sind begeistert von der warmen Atmosphäre, den hellen Räumen, dem liebevoll gestalteten Heilgarten und vielen anderen Details. Obwohl der Fertigstellungstermin erst im Jahr 2007 sein wird, wurde das Krankenhaus schon jetzt vom U.S. Green Building Council ausgezeichnet.
 

Querdenk-Update

Cemex (Beratungsletter 4/2005)

CEMEX ist einer der weltweit führenden Hersteller von Fertigbeton. Das Unternehmen ersann eine ungewöhnliche Lösung für ein branchenübliches Problem. Die Herausforderung: Aufgrund von Terminverschiebungen und ähnlichen Problemen sind Verlustraten von 50 Prozent bei der Anlieferung von Beton auf Baustellen üblich.

CEMEX suchte deshalb außerhalb der Baubranche nach cleveren Problemlösungen. Das Ergebnis: Blitzauktionen nach eBay-Art. Das funktioniert wie folgt: Wenn ein Betonmischer auf einer Baustelle eintrifft, auf der wegen Verzögerungen im Bauplan noch kein Bedarf für den Beton besteht, loggt der Fahrer sich umgehend in seinen Bordcomputer ein und sucht mittels einer Blitzauktion nach eBay-Art im näheren Umkreis nach Abnehmern für seine schnell verderbliche Ladung. Auf diese Weise ist es CEMEX gelungen, die Verlustrate im Betongeschäft von 50 Prozent auf 15 Prozent zu drücken.

 

Querdenk-Update

NetJets (Beratungsletter 5/2005)

Ein Wachstum von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und das in einer krisengeschüttelten Branche: NetJets Europe, die europäische Tochter der größten Privat-Airline der Welt, besitzt die größte Privat-Jet-Flotte Europas und wächst – dank cleverer Querdenk-Strategien – entgegen allen Trends.

Die rasante Nachfrage basiert auf zwei genialen Querdenk-Ideen: das Timesharing-Programm und die in 2004 eingeführten Pre-Paid-Karten. Beide Konzepte kennt man schon aus anderen Branchen. Werden diese Ideen in die Airlinebranche übernommen, passiert folgendes: Sie sind neu und schaffen ungeahnten Kundennutzen.

Das Konzept des Timesharings kennt fast jeder von Ferienwohnungen. Die Idee dahinter ist einfach: Sie kaufen das Recht, für eine festgelegte Zeit im Jahr eine bestimmte Ferienanlage bewohnen zu dürfen. Das Timesharing-Programm von NetJets funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Sie kaufen Anteile an einem Flugzeug. 1/16-Anteil entspricht beispielsweise einem Flugstundenkontingent von 50 Stunden.

Auch Pre-Paid-Karten sind nichts Unbekanntes. Man kennt sie insbesondere aus der Mobilfunkbranche. NetJets hat diese Idee auf das Fliegen übertragen: Mit der "Corporate Card" und der "Private Card" erwerben Unternehmen oder Privatpersonen einen Block von 25 bis 50 Flugstunden, die sie mit einer einzigen Zahlung kaufen.

Sowohl das Timesharing als auch die Pre-Paid-Karten garantieren eine Verfügbarkeit an 7 Tagen in der Woche und 365 Tagen im Jahr.

 

Querdenk-Update

eBay und die deutsche Zollverwaltung (Beratungsletter 2/2004)

Auf den ersten Blick drängen sich bei diesen beiden Organisationen wirklich nicht viele Gemeinsamkeiten auf. Die eine Organisation eine staatliche Behörde, die andere DAS Vorzeigeunternehmen für erfolgreichen E-Commerce. Und dennoch hat das erfolgreiche Geschäftsmodell von Ebay, dem größten internetbasierten Auktionshaus der Welt, die deutsche Zollverwaltung auf eine clevere Idee gebracht: Die Zoll-Auktion

Unter der Internetadresse www.zoll-auktion.de versteigern mittlerweile 193 Behörden alles, was im staatlichen Auftrag gepfändet und beschlagnahmt wurde: Autos, Teppiche, Computer, Anglerzubehör, Uhren, Elektronik aller Art oder auch Kaffee und Spirituosen. Die meisten Angebote sind genau beschrieben und mit Bildern versehen. Die Website, die bereits 100.000 registrierte Bieter hat, wurde übrigens mit dem BundOnline-Star ausgezeichnet.

 

Querdenk-Update

NH Hotels und Billigflieder (Beratungsletter 5/2005)

Die Billigflieger haben es vorgemacht - jetzt folgt eine Hotelkette diesem Beispiel, indem die Zimmer nach dem Prinzip - je früher, desto günstiger - vermarktet werden. Ein klassischer 360-Grad-Blick.



Die spanische Hotelkette NH Hotels Group will ihr Preissystem umstellen. Der Anfang ist in München gemacht. In ihren fünf Münchner Häusern testet NH das neue Preissystem und verkauft die Zimmer bereits ab 29 Euro.

Je nach Auslastung steigen die Tarife in sechs Stufen auf bis zu 109 Euro pro Übernachtung ohne Frühstück. Die Reservierungen sind nicht stornierbar, können aber für nur zehn Euro umgebucht werden.

Das Ergebnis nach dem ersten Testlauf ist viel versprechend, der 360-Grad-Blick hat sich gelohnt: In den Testhotels ist der durchschnittliche Preis pro Übernachtung nicht gesunken, die Hotels sind besser ausgelastet und erzielten insgesamt höhere Umsätze.

Querdenk-Chance

Wenn Billigflieger eine ganze Branche auf den Kopf stellen, so kann das dahinter stehende Konzept nicht dumm sein. Intelligent ist dann die Frage, die sich die NH Hotels gestellt haben: Wie können wir die Besonderheiten dieses Geschäftsmodells mit Erfolg auf unsere Branche übertragen? Der 360-Grad-Blick bedeutet dabei nicht, dass die Übertragung 1:1 erfolgen muss. Der Kernpunkt ist vielmehr, dass Sie die Idee so abwandeln, dass sie auf Ihr spezifisches Geschäftsmodell passt.

 

Querdenk-Update

EasyBus (Beratungsletter 7/2004)

Aus dem Land, das der Welt schon Erfindungen wie EasyJet (Billig-Flieger), EasyCar (Billig-Autovermieter) und bald auch EasyDorm (Billig-Hotel in London) gebracht hat, gibt es Neues zu berichten: Ab diesem Sommer gibt es in den größeren Städten Englands ein neues Verkehrsangebot: EasyBus.

Die Busflotte besteht aus Mercedes Minibussen, die innerstädtisch und zwischen größeren Städten verkehren und so in direkter Konkurrenz zu Taxis und den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zügen oder Bussen stehen. Die Idee - nach dem Prinzip des 360-Grad-Blicks - folgt dem Geschäftsmodell der Billig-Airlines: Die Nachfrage regelt den Preis.

Auch wenn der Gründer und pfiffige Geschäftsmann Stelios Haji-Ioannou zugibt, dass es bei Bussen im Vergleich zur Luftfahrt weit weniger Dinge gibt, die man radikal billiger gestalten kann, so sieht er doch Parallelen zwischen beiden Reisearten: "Die Boeing 737 wurde 1995 bei der Gründung von EasyJet als relativ kleines Flugzeug betrachtet und ich glaube, dass wir in den Mercedes Minibussen ein entsprechendes Pendant gefunden haben."

Der Busservice erinnert an das Geschäftsmodell der Fluglinie EasyJet: Je früher man bucht, desto weniger kostet die Fahrt; Fahrpreise beginnen bei einem Pfund (etwa 1,80 Euro). EasyBus ist allerdings nicht das erste Billigbusunternehmen auf dem britischen Markt: Die Firma Megabus hat das Geschäftsmodell für Billigbusse entwickelt und auf der Strecke Oxford-London erfolgreich eingeführt. Nach nur acht Monaten gelang dem Unternehmen der Durchbruch in die Gewinnzone - bei Fahrtpreisen von einem Pfund pro Strecke!

Querdenk-Chance

Unterziehen Sie Ihr Geschäft einer genauen Untersuchung - einem 360-Grad-Blick - und zwar aus dem Blickwinkel der EasyGroup. Die Kernfrage dabei: Wie können Sie die Kosten extrem niedrig halten und gleichzeitig Auslastung bzw. Nachfrage exponentiell steigern?
Diesen Spagat meistert die EasyGroup in allen Geschäftszweigen vorbildlich, egal ob Airline, Kinos, Internetcafes, Kreuzfahrten, Autovermietung, Hotels, Kreditkarten, Pizza-Heimlieferservice... und der Expansionshunger scheint ungebrochen.
Die Frage ist also: Warten Sie in Ihrer Branche darauf, bis die EasyGroup oder ein anderer frecher Eindringling zeigt, wie man Ihre Branche revolutionieren kann – oder möchten Sie sich lieber rechtzeitig selbst Gedanken darüber machen?

 

Querdenk-Update

Umpqua Bank (Beratungsletter 9/2005)

Interessiert Sie die globale Größe und Präsenz Ihrer Bank? Die Umpqua Bank, ein Finanzinstitut im amerikanischen Bundesstaat Oregon, hat sich diese Frage gestellt und erkannt, dass Bankkunden sich überhaupt nicht für die Größe ihrer Bank interessieren. Das ist eher ein Aspekt, der die Manager der Banken interessiert. Was aber interessiert Kunden? Die Antwort: Ihre eigene Lebensqualität und in welchem Umfang ihre Bank sie bei der Erhöhung dieser Lebensqualität unterstützen kann.

Diese Erkenntnis nutzte die Umpqua Bank zu einem 360-Grad-Blick. Gute Ideen dafür sammelte man bei Coffee-Shop-Ketten wie z.B. Starbucks. Die Umsetzung sah wie folgt aus: Bereits 1996 führte Umpqua seine eigene Kaffee-Hausmarke ein, die sehr schnell zu einem Symbol dafür wurde, dass Umpqua seinen Kunden einen Servicelevel anbietet, der in der Bankenbranche unüblich ist.

Die Umpqua Bank veränderte auch ihr Selbstverständnis. Die Filialen sind gleichzeitig Bankgeschäft, Shopping Mall und ein Ort zum Verweilen: Kunden können Zeitung lesen, einen Kaffee trinken, einkaufen (Bücher, etc.) und natürlich auch Bankgeschäfte erledigen. Dank 360-Grad-Blick hat die Bank es verstanden, dass Banking entweder ein lästiges Übel sein kann, das man schnell online erledigt oder aber eine Lifestyle-Entscheidung ist und bemüht sich deshalb mit Erfolg, den Gang zur Bank zu einer angenehmen Erfahrung zu machen.

Der Kaffee kann in einer Umgebung getrunken werden, die mehr einer modernen Kaffeebar als einer traditionellen Bank gleicht. Dazu gibt es Computer-Stationen mit Internetzugang, ein integriertes Postcenter, eine Bibliothek mit Büchern, Zeitungen und Zeitschriften rund um Finanzthemen und natürlich erweiterte Öffnungszeiten an Werktagen, inklusive Samstag.

Querdenk-Chance

Beim 360-Grad-Blick heißt es zunächst einmal: "Nichts ist unmöglich!" Das gilt insbesondere für die Phase der Ideenfindung. Die Genialität von Umpqua liegt zunächst einmal darin, eben nicht in der eigenen Branche nach Innovationen gesucht zu haben.

Das Vorgehen von Umpqua kann man als Querdenker für seinen eigenen Verantwortungsbereich nutzen:

Frage 1 beim 360-Grad-Blick: Was wollen meine Kunden im Kern von mir? Bei Umpqua war dies die Feststellung, dass Kunden sich nicht für die Größe einer Bank interessieren, sehr wohl aber dafür, wie die Bank ihre persönliche Lebensqualität steigern kann.

Frage 2 beim 360-Grad-Blick: Wo auf der Welt - und egal in welcher Branche - gibt es ein cleveres und erfolgreiches Geschäftskonzept, von dem ich etwas in unsere Branche übertragen könnte? Umpqua entschied sich hier für das Konzept der Kaffebar-Ketten: Wenn Starbucks innerhalb weniger Jahre über 7.000 Filialen weltweit eröffnen konnte, dann muss doch an dem Geschäftskonzept etwas dran sein, was Menschen fasziniert...


 

Anja Förster und Dr. Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von Wirtschaftsvordenkern.

Leidenschaftlich unkonventionell kämpfen die beiden Bestsellerautoren für die Befreiung aus Denkschablonen und das Verlassen ausgetretener Pfade. Mit ihrem Labor für Business Querdenken sind sie auf allen fünf Kontinenten unterwegs und suchen nach unkonventionellen und erfolgreichen Geschäftskonzepten und nach den Menschen, die dahinter stehen.

Was SIE davon haben? Den Blick über den Tellerrand und 100 Prozent Inspiration!