Outfittery: Wie Mann sich anders anzieht

Outfittery ist eine Idea Brand

Ein Berliner Start-Up verkauft Herrenbekleidung im Internet. Soweit so gut. Das tun viele. Der Markt für Online-Bekleidungs-Shops wächst rasant, der Marktführer Zalando stürmt mit Erfolg voran.

Aber die Webseite von Outfittery.de zeigt überraschenderweise keine Hemden, Pullover und T-Shirts nach Farbe und Größe sortiert, Schuhe nach Preis oder Anzüge nach Marke. Es gibt auch keine Buttons „Produkte auswählen“, „In den Warenkorb legen“ oder „Per Mausklick bezahlen“ – so funktioniert das hier nicht. Es gibt noch nicht einmal einen Express-Versand.

Wenn etwas alles außer gewöhnlich ist, dann ist unsere Aufmerksamkeit geweckt. Wir haben uns das Geschäftskonzept der Outfittery genauer angeschaut und dabei vor allem darauf geachtet, was den Unterschied macht. Denn wir finden, da die unzähligen Webshops, in denen ein Kunde Klamotten kaufen kann, sich gleichen wie ein Ei dem anderen, macht ein weiteres Ei einfach keinen Sinn mehr. Was also ist hier anders?

Auf den Punkt: Der (männliche) Kunde kauft erstens keine Kleidungsstücke, sondern komplette Qutfits, und das zweitens mit persönlicher Beratung von echten (!) Menschen. Er meldet sich an und klickt sich ein persönliches Profil zusammen – Typ, Geschmack, Offenheit für neue Trends und so weiter. Entsprechend seinen Vorlieben empfiehlt ihm sein persönlicher Stilberater dann per Mail passende Klamotten, die zum Anprobieren nach Hause geschickt werden. Je öfter der Kunde bei der Outfittery shoppt, desto besser wird das Matching.

Mit dieser Geschäftsidee beherzigt das Start-up eine Sache, die wir nicht müde werden, in unseren Vorträgen, Büchern und Artikeln zu betonen: Wenn Sie sich von Ihrem Umfeld unterscheiden wollen, dann reicht es nicht, einfach nur höher, schneller, weiter, besser oder billiger zu sein oder mehr Auswahl als die anderen zu haben. Sondern Sie müssen zwingend die So-machen-es-alle-Schiene verlassen. Outfittery hat nicht den 500. Kleidungs-Internetshop aufgemacht, sondern versteht sich als der erste und bislang einzige Männerbekleidungs-Kurator. Genial!

Nur ein Unterschied macht den Unterschied. Das klingt banal, ist es aber nicht. Youngme Moon, Professorin an der Harvard Business School hat festgestellt, dass viele Unternehmen so beschäftigt sind, besser zu sein als der Wettbewerb, dass sie darüber ganz vergessen, ANDERS zu sein als der Wettbewerb: „The harder they compete, the less differentiated they become.“

Unternehmen, die sich dagegen auf ihre Alleinstellung fokussieren, nennt Moon „Idea Brands“. Wir haben ihr Konzept auf die Outfittery angelegt und finden drei verallgemeinerbare Eigenschaften, die dieses noch kleine deutsche Start-up besonders bemerkenswert machen:

1. Idea Brands bieten etwas, was nicht überall zu finden ist. Sie unterscheiden sich nicht nur in einem Detail von ihrer Konkurrenz, sondern denken grundlegend anders. Outfittery: Das Konzept des Kleidungskurators.

2. Idea Brands fühlen sich einer Idee verpflichtet. Mit anderen Worten: Die Idee muss eine so große Bedeutung haben, dass Mitarbeiter und Kunden sie als Basis für Ihre Überzeugungen nehmen können. Kuratorin Biyoux von Outfittery sagt: „Ich möchte die Kleiderschränke der Männer revolutionieren!“

3. Idea Brands sind persönlich. Der Kunde hat das Erlebnis mit einem Menschen zu kommunizieren, nicht mit einem Algorithmus. Bei Oufittery sind das mehr als 25 Stylisten, die sich alle persönlich auf der Website vorstellen. Der Kunde kann sich seinen Kurator selbst aussuchen.

Es lohnt sich zu fragen: Wie viele dieser drei Eigenschaften treffen auf Ihr Unternehmen zu? Inwiefern? Machen Sie wirklich einen Unterschied? Oder sind Sie das neunte Ei im Zehnerpack?

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