Schnitt – und neu denken!

Aus festgefahrenen Bahnen befreien - so geht das...

Zwei Klingen fand Peter ja noch gut… bei drei wurde es merkwürdig. Aber jetzt: bis zu sechs Klingen? Nur noch zum Totlachen!

Die Rede ist vom Wettlauf um die kuriosesten Klingenkonstruktionen, angetrieben von Herstellern wie Gillette, Wilkinson und anderen. Der Nassrasierer mutiert dank gewiefter Marketing-Profis und jeder Menge Pseudo-Innovationen zur High-Tech-Waffe gegen den üblen Feind namens Bartwuchs.

Ursprünglich lief es Klinge für Klinge ganz gut für die Gorillas der Branche: Rasierer billig unters Volk bringen und das große Geld mit Klingen verdienen. Sehr clever! Erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier … Weil jede zusätzliche Klinge eine noch schnittigere Rasur versprach und etwas mehr Geld in die Kassen spülte.

Doch plötzlich traten Online-Anbieter wie Dollar Shave Club, Harry’s, Mornin‘ Glory und 800Razors auf den Plan, die Abos für regelmäßige Lieferungen von Rasierklingen anbieten – aber weitaus billiger sind.

Die Antwort der etablierten Hersteller? Hochrüsten bis auf acht Klingen? Eine Rasur mit einem Samurai-Schwert dürfte praktischer sein. Also muss etwas Neues her. Vorhang auf für den ersten Rasierer mit schwenkbarem Kugelgelenk, der – so hofft man bei Gillette – in den kommenden Monaten den Markt erobern wird. Das Versprechen: Der Rasierer schneidet jedes Barthaar um 23 Mikrometer kürzer. Das ist ein Viertel so lang, wie ein Menschenhaar breit ist.

Wow!

Für uns ist das eine waschechte Pseudo-Innovation. Die Fortführung einer endlosen Kette von Verbesserungen. Ja, logisch, bestehende Produkte müssen immer weiter verbessert werden. Schon. Aber irgendwann ist nun mal Schluss. Irgendwann ist zu Ende optimiert und es braucht etwas wirklich Neues. Das entsteht aber nur, wenn zwei Ängste überwunden werden:

Erstens, die Angst vor dem weißen Blatt Papier. Sprich: mit dem Alten zu brechen und die ursprüngliche Aufgabe komplett neu zu denken.

Und zweitens die Angst vor dem Dissens. Denn: Je neuer der Gedanke, desto mehr Stress gibt es im Unternehmen, weil sich durch das Neue große Veränderungen ergeben.

Diese Ängste halten Unternehmen davon ab, wirklich Neues zu wagen. Das Neue soll möglichst keinen Ärger geben. Soll sich möglichst nahtlos in das schon von Generationen beschriebene Blatt einfügen. Soll möglichst schnell umsetzbar sein. Soll möglichst wenig kosten. Und die Früchte sollen möglichst schnell zu ernten sein. Und so wird das Bestehende ausgereizt bis Absurdistan.

Statt den Mut zu haben, etwas wirklich Neues vorzustellen, wird der Weg des geringsten Widerstands gegangen. Also weiter mit dem BE-währten bis es sich endgültig ENT-währt hat.

Unser Fazit:
Wer sich aus festgefahrenen Bahnen befreien möchte, braucht zweierlei: Ein weißes Blatt Papier und den Mut, Dissens zu ertragen!

Und das gilt für Unternehmen genauso wie für jeden Einzelnen von uns.

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