Der Booster für Kreativität, an den kaum jemand denkt

Kreativitäts Booster

Neulich ist uns ein Muster aufgefallen … Wir sitzen in den Jurys verschiedener Wettbewerbe. Dabei geht es zum Beispiel darum, die besten Arbeitgeber, die besten Innovatoren oder die besten Internationalisierer im Mittelstand auszuzeichnen. Was uns bei der Juryarbeit immer wieder auffällt, ist, dass oftmals die besten Unternehmen die größten Herausforderungen, Hürden, Beschränkungen oder Begrenzungen zu überwinden haben.

Also Schwierigkeiten wie: Wenig Kapital, wenige Mitarbeiter, gesetzliche Begrenzungen und dergleichen. Die Gewinner sind oft gerade nicht die Unternehmen mit den BESTEN, sondern ausgerechnet diejenigen mit den HERAUSFORDERNSTEN  Rahmenbedingungen. Eigentlich unlogisch, denn geradeaus gedacht müssten die Unternehmen mit den einfacheren Bedingungen im Vorteil sein, oder?

So ist es aber nicht. Die Frage ist: Warum nicht?

Im Korsett

Das erinnert uns an Frank Gehry, den weltberühmten Architekten, den wir in unserem Buch „Hört auf zu arbeiten!“ portraitiert haben. Er sagte auf die Frage, was ihn antreibe: „Die Einschränkungen und Begrenzungen! Als Künstler unterliege ich Zwängen … aber innerhalb dieser Grenzen habe ich etwa 15% Freiheit, um meine Kunst zu entfalten.“

Gut, aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie übernehmen eine Aufgabe und 85 Prozent der Faktoren sind vorbestimmt. Es gibt also extrem viele Einschränkungen, zum Beispiel hinsichtlich der Zeit und der Mittel, die zur Verfügung stehen.

Für viele sind so viele Limitierungen wie eine rote Ampel. Sie denken: Was kann ich schon bewegen bei SO VIELEN EINSCHRÄNKUNGEN! Kreativität braucht doch Fülle, nicht Mangel! Und genau das steht so ja auch in vielen Kreativitätsratgebern.

Und dennoch sind fast alle kreativen Meisterleistungen von einzelnen Menschen oder Teams trotz enormer Einschränkungen erbracht worden.

Keiner kann den David machen

Nehmen wir den David von Michelangelo: Zweifellos eines der größten Meisterwerke der Kunstgeschichte und vielleicht das herausragende Kunstwerk der Renaissance überhaupt. Die mächtige Florentiner Wollweberzunft hatte 1464 den damals bekannten Künstler Agostino di Duccio beauftragt, eine monumentale Skulptur des biblischen David, den Besieger des Goliath anzufertigen.

Doch leider war der gute Mann mit der Aufgabe völlig überfordert. Er brachte nichts Vernünftiges zustande und wurde schon bald von den Auftraggebern gefeuert. Auch der Bildhauer Antonio Rossellino scheiterte anschließend an dem riesigen, zwölf Tonnen schweren Carrara-Marmorblock, der wegen seiner Adern und kleinen Löcher enorm schwierig zu bearbeiten war.

1501 bekam schließlich Michelangelo den undankbaren Job. Und dazu noch einen Vertrag, der ihn nötigte, die riesige Skulptur in nur zwei Jahren abzuliefern. Hinzu kam: Die Statue sollte an einem Platz aufgestellt werden, an dem die Betrachter die Figur stark von unten her betrachteten, was Anpassungen der Proportionen erforderte. Und: Die beiden Vorgänger hatten den Marmorblock bereits übel verhunzt, so dass für den linken Unterarm gar kein Steinvolumen mehr vorhanden war. Außerdem hatten die Auftraggeber noch allerlei Sonderwünsche, etwa zur Form und Größe der Nase. Kurz: Eine Mission Impossible.

Und was wurde daraus? – Ein überwältigendes Meisterwerk, eine überragende Kreativleistung und eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt.

Geniale Ideen

Michelangelo löste alle Probleme so, dass eine umso kreativere Lösung dabei herauskam. Zum Beispiel ließ er seinen David den linken Arm anwinkeln, so dass er die Schleuder lässig über die linke Schulter geworfen trägt. Für eine andere Armhaltung wäre gar kein Stein mehr vorhanden gewesen, aber diese Haltung passt außerdem zur Gesamtkonzeption: Michelangelo stellte nämlich zum ersten Mal nicht den üblichen siegreichen, triumphierenden David nach dem Kampf dar, sondern den gespannten, fokussierten, aber dennoch gelassenen David VOR dem Kampf in Erwartung des Sieges. Eine geniale Idee.

Michelangelo – davon sind wir zutiefst überzeugt – hat nicht TROTZ der massiven Einschränkungen sein Meisterwerk geschaffen. Sondern gerade WEGEN der Einschränkungen.

Geld ist kein Ersatz fürs Denken

Gerade die Begrenzungen erzeugen den Raum für Kreativität. Es gibt nur drei Grundfarben. Aber dennoch unendliche Möglichkeiten, daraus Farben zu mischen und zu kombinieren. Es gibt 26 Grundbuchstaben in unserem Alphabet. Aber was kann man damit alles schreiben!

Die Einschränkung der Möglichkeiten beschneidet nicht etwa die Unendlichkeit der Lösungen, sondern fokussiert sie und gibt ihr einen Rahmen, der uns ermöglicht unser Bestes zu geben.

Natürlich kann man es auch übertreiben: Sie können einem Team zu wenig Zeit zum Nachdenken geben, zu kleine oder unterfinanzierte Teams bilden und so weiter. Aber allzu oft scheitern gerade die überfinanzierten, mit großen Spielräumen und Ressourcen ausgestatteten Projekte: Zu viel Geld, zu viel Zeit, zu viele Leute: All das ersetzt das Nachdenken nicht!

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