Kreativ, produktiv, erfolgreich – in vier Schritten

Kreativ, produktiv, erfolgreich – so geht’s in 4 Schritten

Wir wären gar nicht darauf gekommen, von Gerhard Richter etwas über produktive Arbeit zu lernen. Wir waren einfach nur fasziniert von seinen Bildern und staunten in einer Ausstellung im Museum Ludwig in Köln über deren farbenprächtige und explosive Ausdruckskraft.

Wir kamen richtig begeistert heim und schauten uns dann gleich die preisgekrönte und empfehlenswerte Doku „Gerhard Richter – Painting“ an. Und das gleich zweimal hintereinander.

Richter ist einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart, der britische „Guardian“ nannte ihn den „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Seine Werke gehören heute zu den teuersten eines lebenden Künstlers weltweit. Er ist auch einer der 500 reichsten Deutschen. Und: Ein Vorbild in Sachen Produktivität, Disziplin und Kreativität.

Wir nehmen von Gerhard Richter folgende vier Dinge für unsere Arbeit mit:

1. Sei spießig in der Tagesgestaltung!

Gerhard Richter hat feste Routinen. Jeden Morgen steht er um 6:15 auf. Als erstes macht er Frühstück für seine Familie. Um 7:20 bringt er seine Tochter Ella in die Schule. Um 8:00 beginnt er mit der Arbeit im Studio. Um 13:00 geht er nach Hause und isst zu Mittag. Danach geht er wieder ins Studio und arbeitet bis abends. Tag für Tag. Ein klassischer 9-to-5-Job. Naja, in seinem Fall wohl eher ein 8-to-8-Job. Aber auf jeden Fall mit SEHR klarer Struktur, mit immer gleichen Routinen und mit viel Disziplin. Also eigentlich total langweilig.

Aber genau das findet man bei sehr vielen produktiven, erfolgreichen Unternehmern und Künstlern. Wir haben das schon mal beim Stardesigner Philippe Starck beschrieben und ihn als den kreativen Mönch bezeichnet.

2. Misch nicht die Farbe!

Am Anfang des Films sieht man Richters zwei Assistenten, die die Farbe für ihn vorbereiten. Sie rühren die Farbe an und pressen sie durch ein Tuch, damit sie glatt und ohne Klümpchen ist. Im ersten Moment dachten wir: AHA! Der Meister überwacht hier nur und lässt die Assistenten nach seinen Anweisungen die Arbeit machen. Aber ganz so ist es nicht. Sie bereiten alles vor, schaffen die Voraussetzungen und verschwinden dann weitestgehend von der Bildfläche – und dann macht Richter das, was nur Richter machen kann: das Bild malen. Der Punkt ist: Sonst macht er nichts.

Er hält sich mit nichts auf, was nicht auch andere machen können. Und konzentriert sich auf das, was der Kern seiner Arbeit ist.

Wir stimmen sofort zu, dass das goldrichtig ist. Wir müssen beispielsweise nicht die Bilder für unsere Powerpoint-Präsentation raussuchen, sondern uns darauf konzentrieren, den Vortrag zu halten. Das ist durchaus ein wunder Punkt bei uns, denn wir neigen ehrlich gesagt dazu, selbst die Farbe anmischen zu wollen.

Die Frage, die wir alle uns deshalb immer wieder stellen sollten: Was können andere für mich machen, damit ich mehr Zeit habe, das zu tun, was niemand außer mir machen kann?

3. Schmeiß Mozart raus!

Kürzlich wurden wir in einem Interview gefragt, ob wir beim Schreiben Musik hören. Als wir Nein sagten, schien der Journalist richtig enttäuscht. Wir konnten förmlich seine Gedanken erahnen: „Na ja, also doch nicht so kreativ, auch nur ein normaler Bürojob …“

Warum hält sich so hartnäckig die Vorstellung, Musik hören würde automatisch kreativ machen? Zusätzliche Reize bewirken bei uns genau das Gegenteil. Und offenbar bei Gerhard Richter auch: Sein Studio ist spartanisch eingerichtet. Da gibt es praktisch nichts außer Leitern, Leinwand, Farbe, Pinsel und Spachtel. Noch eine Kaffeetasse in der Ecke, das war es dann. Kein Notebook oder Tablett, um mal schnell News zu checken oder bei Twitter, Instagram oder Facebook vorbeizuschauen. Nichts. Natürlich auch kein Mozart. Keine Musik. Wenn Richter arbeitet, dann arbeitet er. Und zwar 100 Prozent konzentriert.

Die Lektion daraus: Wenn du arbeitest, arbeitete. Wenn du Musik hören willst, dann höre Musik. Aber sei mit Achtsamkeit und voller Konzentration bei dem, was du machst!

4. Schau mit den Augen des Betrachters!

Während Gerhard Richter an seinen Bildern arbeitet, stehen sie nicht auf einer Staffelei, sondern hängen an der Wand – und zwar in einer Höhe wie sie später mal in einer Galerie oder einem Museum hängen werden. Das bedeutet: Um das Malen bequemer zu machen, müsste Richter die Leinwand tiefer hängen. Aber es geht ihm nicht um die Bequemlichkeit beim Malen, sondern darum, das Bild von Anfang an in seiner Wirkung so zu erfassen, wie es der Betrachter später einmal in einer Ausstellung tut.

Der große Ablagetisch, auf dem Farbe, Pinsel, Spachtel und andere Utensilien liegen, steht nicht etwa in Reichweite neben der Leinwand, sondern fast in der Mitte des Raums. Das heißt: Immer, wenn Richter eine neue Farbe braucht oder einen anderen Spachtel, geht er zurück in die Mitte des Raums und sieht sein Werk aus der Perspektive, die später der Besucher in einer Ausstellung hat. Er malt ein paar Minuten, geht dann zurück und betrachtet und analysiert sein Werk aus der Distanz. Dann malt er weiter.

Ein großartiger Ansatz, finden wir. Und der ist übertragbar auf jeden Job. Denn bei jeder Arbeit gibt es einen Kunden. Regelmäßig die Ergebnisse aus der Perspektive des Kunden zu betrachten ist eine Angewohnheit, die großen Einfluss hat auf die Qualität der Arbeit.
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Die Radikalität von Richters subjektivem Qualitätsanspruch beeindruckt uns. Und sie spornt uns an, an den richtigen Stellen spießige Routinen zu pflegen, die Farbe nicht zu mischen, den Mozart rauszuwerfen und unsere Ergebnisse regelmäßig mit den Augen unserer Kunden zu betrachten. Lassen Sie sich davon inspirieren!

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