Vier Frühwarnzeichen für drohenden Misserfolg erkennen

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Jedes Unternehmen ist so lange erfolgreich … bis es eines Tages plötzlich keinen Erfolg mehr hat. Das klingt wie eine Banalität, aber wenn man sich anschaut, mit welcher Verblüffung das Topmanagement in so manchem Unternehmen reagiert, wenn sich der Wind in ihrer Branche dreht, dann scheint das eine grundlegend wichtige Erkenntnis zu sein!

Die Entscheider erscheinen oft völlig überrascht, dass da so ein dahergelaufener Quereinsteiger oder No-Name ihrem Unternehmen die Butter vom Brot nimmt. Man denke an die Musikindustrie, Nokia, AOL, Kodak, Loewe … um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und dann sind ihre Reaktionen auf den plötzlichen Marktdruck meistens unpassend: Das eigene Geschäftsmodell wird viel zu spät und viel zu oberflächlich erneuert. Denn es kann doch schließlich nicht sein, was nicht sein darf! … Ist aber!

Laut einer aktuellen Umfrage von Capgemini können sich ein Drittel der deutschen Autofahrer sehr gut vorstellen, ein Auto von Apple oder Google zu kaufen statt von VW, Mercedes oder BMW. Und in den riesigen Märkten China, Indien und Brasilien sind es sogar 60 bis 80 Prozent. Hoppla!

Ein anderes Beispiel: Die Finanzbranche. James Haycock befragte während der Recherche zu seinem Buch „Bye, bye Banks“ über 100 Top-Banker – mehr als die Hälfte von ihnen hatte von Startups wie dem Bezahldienst Square oder der Kreditplattform Lending Club noch nie etwas gehört. Ignoranz ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich!

Dass die Finanzbranche die Gefahr aus der Technologie-Ecke sträflich unterschätzt, können wir bestätigen: Wir sprachen neulich auf einer Konferenz für Führungskräfte aus der Finanzbranche. Vor unserem Abschlussvortrag lief eine spannende Podiumsdiskussion, bei der es um den digitalen Umbruch ging. Einer der Experten hob warnend den Finger: „Das Silicon Valley dringt nicht erst in die Finanzbranche ein. Es ist schon längst da!“ Und er nannte eine beeindruckende Zahl: 2014 haben Finanz-Technologie-Startups 12 Mrd. Dollar Wagniskapital eingesammelt, dreimal so viel wie im Vorjahr.

Wer jetzt erwartet hatte, dass die Platzhirsche darauf schon eine Antwort parat hatten, wurde enttäuscht: „Ja, ja, schon interessant, aber das sind doch Nischenplayer. Die werden unser Geschäftsmodell schon nicht aus den Angeln heben …“ – so war der Tenor. Eine hochnäsige und verdammt gefährliche Haltung, würden wir mal diagnostizieren.

Aber irgendwie auch typisch. Gary Hamel hatte einmal vier Phasen der Verleugnung beschrieben:

Phase 1: Ignoranz. Beunruhigende Entwicklungen werden entweder als bedeutungslos oder nicht plausibel bezeichnet.

Phase 2: Abwiegeln. Fortschreitend bedrohliche Entwicklungen werden als Ausnahmen von der Regel und vorübergehende Phänomene rationalisiert.

Phase 3: Zurückweichen. Widerwillig werden erste defensive Maßnahmen behäbig in Gang gesetzt.

Phase 4: Höchste Not. Gezwungenermaßen setzt man sich mit der Realität auseinander und muss Konsequenzen ziehen.

Dieses allzu menschliche Verhaltensmuster zeigen übrigens nicht nur Unternehmen und Führungskräfte, sondern sie gelten für jeden Menschen und jede Karriere. Homo Sapiens sieht nur, was er sehen will und was seinen Glauben untermauert. Wenn die Geschehnisse mit seinen Erwartungen übereinstimmen, fühlt er sich bestätigt. Den Rest blendet er aus.

Das bedeutet umgekehrt: Je weniger Sie glauben, desto mehr hinterfragen Sie. Und desto passender können Sie auf die Realität reagieren.

Genau das ist das einzige Heilmittel gegen das verblüffte Gesicht angesichts großer Veränderungen: Eine konsequent ketzerische Grundhaltung! Halten Sie Ausschau nach Irritationen. Nach Widersprüchen. Nach Musterbrechern. Hinterfragen Sie Standardaussagen. Entlarven Sie die Dogmen Ihrer Branche, Ihres Unternehmens und Ihres eigenen Lebens!

Die Grundfrage dazu lautet: Was wäre wenn die Annahme falsch wäre?

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