Curry, Picasso und die drei Schritte zu einem unschlagbaren Angebot

Fokussieren, reduzieren an der Qualität arbeiten

Der Mixed Vegetable Curry schmeckte wie ein Reste-Mix aus Studentenzeiten: fad, pappig, ziemlich durchschnittlich. Enttäuscht verließen wir das Restaurant. Eigentlich lieben wir die indische Küche. Nun waren wir in Indien und dann so was …

Draußen haben wir noch einen Schnappschuss gemacht – als bleibende Erinnerung an ein Essen, das bei jeder mittelmäßigen Kochshow durchgerasselt wäre.

Später, beim Durchsehen der Indien-Fotos, wurde uns klar, warum das Essen so lausig war: Dieses Restaurant war auf beinahe jedes Gericht der Welt „spezialisiert“. Dim Sum, Wiener Schnitzel, Haryali Malai Kebab, gegrillter Hummer – bei uns ist garantiert für jeden was dabei.

Die Absicht dahinter ist klar: Je größer die Auswahl, desto mehr Gäste sollen kommen. Nur: Welcher Koch kann schon jedes Gericht richtig gut? Dieser hier jedenfalls nicht … Und anstatt es möglichst jedem recht zu machen, läuft so ein Restaurant Gefahr, so gut wie jeden zu enttäuschen.

Der rettende Pfad von der Beliebigkeit zur Qualität:
Die A-N-Z-A-H-L der Gerichte rigoros zusammenstreichen.

Eigentlich funktioniert es genauso wie bei einem guten Museum: Jedes große Museum hat eine riesige Bildersammlung im Archiv. Nur werden die teuren Stücke nie alle gleichzeitig aufgehängt. Im Gegenteil: Eine gelungene Ausstellung zeichnet sich durch die Werke aus, die NICHT aufgehängt wurden. Eine richtig gute Ausstellung hat ein Thema – und lässt alles weg, was nicht dazu passt.

Wenn es um Ausstellungen geht, scheint uns die Spezialisierung selbstverständlich. Warum aber tingeln gerade viele Wirtschaftsunternehmen noch mit einem Bauchladen durch die Welt? Das indische Restaurant und viele Unternehmen könnten sich von erfolgreichen Ausstellungen eine Menge abschauen:

Erstens: FOKUSSIEREN.

Wer so attraktiv für seine Kunden sein will wie eine gut konzipierte Picasso-Ausstellung, der muss sich für eine klare Linie entscheiden. Nur wer sich inhaltlich fokussiert, zeigt, dass er sein Metier beherrscht.

Zweitens: REDUZIEREN.

Ist die Grundentscheidung einmal gefallen, so gehört die Anzahl der Produkte rigoros minimiert. Die Frage ist nicht, wie viele Produkte möglich wären, sondern wie wenige nötig sind.

Drittens: – und erst jetzt! – QUALITÄT ERHÖHEN.

Erst wenn alles Überflüssige beseitigt ist, lohnt es sich, in die Tiefe zu gehen. So wie im Museum jedes einzelne Bild mit Lichteffekten, durch die Position im Raum oder mit zusätzlichen Infos in Szene gesetzt wird, kann auch ein Unternehmen an den Feinheiten und der Qualität feilen und dann seine wenigen Produkte effektvoll inszenieren.

Eine Erfolgsgarantie liefert dieses Vorgehen nicht – aber es beseitigt zumindest eine Misserfolgsgarantie. Platon sagte vor weit über zweitausend Jahren: „Ich kenne einen sicheren Weg zum Misserfolg: es allen recht machen zu wollen.“

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