Ferrari im Operationssaal – Great Ormond Street Hospital for Children

Blick über den Tellerrand, Ferrari im OP-Saal

Die Chefärzte eines Londoner Kinderkrankenhauses dachten eigentlich, dass sie einen hervorragenden Job machten. Ihr Haus war nicht umsonst berühmt für seine Herzchirurgie. Was für ein Schock, als das Boxenteam von Ferrari ihnen ein Video zeigte, das die Spezialisten im Operationssaal bei der Übergabe eines frisch operierten Patienten an die Nachsorge-Experten zeigte: Nie im Leben hätten die Ärzte gedacht, dass sie so unstrukturiert und suboptimal arbeiten würden. Ferrari deckte ihre Schwachstellen gnadenlos auf.

Ferrari? Im Krankenhaus?…  Ja, Sie haben richtig gelesen. Wir haben im Backstage Report und auch in unseren Büchern schon häufiger darüber geschrieben, wie ein gewagter Blick über den Tellerrand der eigenen Branche helfen kann, bessere Lösungen zu finden. Dieses Beispiel hier ist ein besonders spektakuläres. Und das kam so:

Nach einem langen, harten Tag im Krankenhaus verabredeten sich der Chef-Operateur, Dr. Martin Elliot, und der Chefarzt der Intensivstation, Dr. Allan Goldman, zu einem entspannenden Fernsehabend mit Formel-1-Rennen. Bei einer Nahaufnahme von einem dieser wahnwitzig koordinierten und geschwindigkeitsoptimierten Boxenstopps, sagte einer von ihnen. „Da geht’s ja zu wie bei uns nach der OP“ … die beiden Ärzte schauten sich an, und hatten eine Idee.

Ein paar Tage später nahmen sie Kontakt auf mit einigen Teams der Formel 1. Ferrari sagte zu. Anschließend besuchten sie das Ferrari-Team beim Training in Modena und beim Grand Prix in Silverstone, und das Boxenteam von Ferrari schaute im Kinderhospital vorbei.

Das Ziel: Voneinander lernen. Die Ferrari-Ingenieure waren beeindruckt von der technischen Komplexität und der Unzahl von Wahlmöglichkeiten, mit denen das Ärzte-Team umgehen konnte. Aber ihnen fiel auch sofort auf, wo die Schwachstelle im Ablauf einer Operation lag: Nach der OP mussten alle Geräte abgeschaltet und ausgestöpselt, die kleinen Patienten umgebettet und in die Pflegestation gebracht werden. Hier lag das größte Risiko für Fehler, hier gab es Lücken in der Kontrolle der Lebensfunktionen und hier waren die Abläufe zu langsam und unklar. Sie erstellten eine Video-Analyse und halfen den Ärzten, die Schnittstelle zwischen Operation und Pflege komplett neu zu gestalten.

Anschließend liefen die Übergaben völlig anders ab: geräuschlos, ultraschnell, Hand in Hand, ein perfekter Handlungsprozess. Die Folge: Drastisch weniger medizinische Komplikationen in der Jahresstatistik.

Unserer Überzeugung nach funktioniert ein solcher Tellerrandblick nur dann, wenn die Akteure zwei entscheidende Eigenschaften mitbringen.

Erstens: Gesunder Ehrgeiz.

Egal wie gut Sie sind, in dem was Sie tun – Sie dürfen nie aufhören, leidenschaftlich ambitioniert zu sein, fortlaufend den Status Quo in Frage zu stellen, immer wieder nachzuhaken: wie können wir das dramatisch verbessern?

Zweitens: Bescheidenheit:

Sie müssen bei aller Weltklasse immer noch bescheiden genug bleiben, um anzuerkennen, dass Sie von anderen jede Menge lernen können.

Unser sehr geschätzter Autorenkollege William Taylor nennt diese extrem produktive Einstellung „humbition“ –ein Kunstwort aus „humility“ und „ambition“, also Bescheidenheit plus Ehrgeiz. Eine Kombination, die nicht häufig anzutreffen ist, das genaue Gegenteil der Ich-weiss-sowieso-eh-schon-alles-Hybris, der wir alle des Öfteren begegnen.

Die Chefärzte im Great Ormond hatten diese beiden Eigenschaften. Sie wussten, dass sie gut waren, aber das genügte ihnen nicht. Und sie wussten: Wir können von „einfachen“ Schraubern, Mechanikern und Technikern mit Benzin im Blut noch jede Menge lernen.

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