Fachkräftemangel? – Gibt’s nur unter 50!

fachkraeftemangel

Man lernt nie aus – Das ist nicht nur eine Weisheit, sondern auch ein Filmtitel. Und zwar der Titel des wunderbaren Films, der im Original „The Intern“ heißt und mit Robert De Niro und Anne Hathaway in den Hauptrollen hervorragend besetzt ist. De Niro spielt den Praktikanten, und zwar einen ganz besonderen: einen 70-jährigen Witwer, dem im Ruhestand langweilig ist. Also bewirbt er sich als Praktikant in einem E-Commerce-Startup, dessen Chefin von Hathaway gespielt wird. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt der „Senior-Praktikant“ bei seinen jungen Kollegen immer besser an und auch mit seiner jungen Chefin verbindet ihn bald mehr als nur die Arbeit – sie werden gute Freunde. Sehr nett gemacht, der Film!

Richtig überrascht hat uns die Nachricht, dass exakt die gleiche Geschichte wie im Film vor kurzem in der Realität stattgefunden hat:

Paul Critchlow ist 69 Jahre alt und Ruheständler. Die letzten 30 Jahre arbeitete er bei Merrill Lynch, 15 Jahre davon als „Head of Communications“. Zunächst genießt er die Zeit: Reist, schreibt an einer Biografie, hat ein paar Beratungsaufträge. Aber dann wird ihm langweilig. Es fehlt ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. Irgendwann beginnt er in seiner Verzweiflung mit einer orangen Jacke am Straßenrand Müll aufzusammeln, bloß um seine Zeit einigermaßen sinnvoll zu nutzen.

Zuerst ist das für alle ein wenig merkwürdig

Eines Tages sitzt Paul mit seiner früheren Kollegin Sally Susman in einem Café. Sally ist Executive Vice President, Corporate Affairs für das Pharmaunternehmen Pfizer. Sie hat auf einem Flug den De-Niro-Film gesehen und findet das eine Superidee. Also fragt sie Paul, ob er nicht ihr Praktikant sein möchte. Paul schaut sich am gleichen Abend auch den Film an und sagt dann kurzerhand: Ja!

Ganz ähnlich wie im Film teilt sich Paul einen Tisch mit drei weiteren Praktikanten, die alle nicht älter als Mitte 20 sind: Connor, Sophie und Sarah. Zuerst ist das für alle ein wenig merkwürdig, doch dann kann sich Paul mehr als nützlich machen.

Am Ende beurteilt Pfizer das Praktikum als einen großen Erfolg, was sicher nicht generalisierbar ist, sondern speziell mit Pauls Qualitäten zusammenhängt. Paul beurteilt es auch sehr positiv: Er hat neues Selbstvertrauen bekommen und entwickelt neue Pläne für die Zukunft.

Unternehmen schreien Fachkräftemangel und verschließen die Augen

Der Film und die Geschichte von Paul bei Pfizer haben uns auch deshalb gefallen, weil sie eine wichtige Botschaft transportieren: Unternehmen schreien auf der einen Seite „Fachkräftemangel“ und gleichzeitig finden auf der anderen Seite qualifizierte Menschen ab Mitte 40 immer schwieriger einen neuen Job. – Da läuft etwas gewaltig schief!

Ganz zu schweigen von der demografischen Entwicklung mit dem Überhang an älteren und dem Mangel an jüngeren Mitarbeitern, der in den nächsten Jahren noch massiv werden wird – mit gravierenden Problemen der Finanzierbarkeit der Sozialversicherungen.

Die Lösung liegt ganz sicher nicht darin, ältere Mitarbeiter auszugrenzen. Unternehmen können einfach nicht bei der Haltung bleiben, dass die Einstellung eines Mitarbeiters, der 50 Jahre oder älter ist, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Das muss sich ändern! Denn es ist nackter Wahnsinn, wie viel Potenzial hier verschenkt wird! Ein echtes Desaster!

Diese Vorbilder finden wir wunderbar.

Und es geht ganz sicher auch anders. Das wurde oft genug bewiesen, z.B. von Vita Needle, einem Unternehmen aus Boston. Dort ist der durchschnittliche Mitarbeiter 74 Jahre alt. Die jüngsten Angestellten sind um die 60. Der älteste Mitarbeiter ist 95 – und denkt noch lange nicht ans Aufhören! Erfahrung hat bei Vita Needle Prinzip.

Vita Needle, Paul Critchlow, Robert De Niro – diese Vorbilder finden wir wunderbar. Beispielsetzend. Ermutigend. Wir wünschen uns, dass sich auch hierzulande dringend etwas ändert!

Wir sagen NEIN zur Abwertung des Alters!
Wir sagen NEIN zum Jugendwahn in unserer Gesellschaft.

Und wir sagen Ja: Auch mit Mitte vierzig, fünfzig oder sechzig könnt ihr noch locker etwas Neues im Leben anfangen!

 

PS: Interessant in dem Zusammenhang auch unser Interview mit Martin Gaedt zum Thema Mythos Fachkräftemangel

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