Die Kraft des vuja dé

vuja-de

Maxine Clark ist Gründerin von „Build-a-Bear“, einem Unternehmen, bei dem sich Kinder ihren Wunschteddy selbst zusammenstellen können, der dann vor ihren Augen entsteht. Ein Erfolgskonzept mit mittlerweile über 400 Läden in 18 Ländern weltweit und mit 12 Geschäften in Deutschland.

Maxine steht an diesem Tag aber nicht in einem ihrer Bären-Läden, sondern mit einer roten Schürze bekleidet in einem „Container Store“ von Unternehmerkollege Kip Tindell. Sie versucht, einer Kundin zu erklären, wie gut Aufbewahrungsboxen auch als Geschenk geeignet sind. Zur gleichen Zeit steht Kip, Gründer und Chef des Container Stores, inmitten von Kindern und Bärenelementen in einer von Maxines Bären-Werkstätten und versucht eine vierjährige Kundin bei Laune zu halten, während er damit kämpft, einen Bärenleib mit Plüsch zu stopfen und den von dem Mädchen ausgewählten Teddykopf darauf zu fixieren. Was soll das? Sind die beiden Chefs im falschen Film aufgewacht?

Ganz und gar nicht. Maxine Clark und Kip Tindell haben für einen Tag einfach den Job getauscht. Die Veranstalter des Wettbewerbs „Bester Arbeitgeber des Jahres“ hatten sich gefragt, was passieren würde, wenn zwei ihrer Gewinner einfach die Plätze tauschten. Darauf gab es nur eine Antwort: Sie probierten es aus. Maxine und Kip waren dafür genau die richtigen Kandidaten: Beide führen Einzelhandelsunternehmen, beide erzielen etwa gleich viel Umsatz. Aber ihre Kunden, ihre Produkte und ihre Unternehmenskultur sind sehr unterschiedlich. Was wiederum dazu führte, das beide Unternehmer an der Verkaufsfront des jeweils anderen Geschäfts ihre Aha-Erlebnisse hatten.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis für Kip: Obwohl es im Teddybärladen hochemotional zugeht und die Mitarbeiter leidenschaftlich bei der Sache sind, bedeutet es nicht, dass die Verkäufer nicht auch sehr ergebnisorientiert sind. Ganz im Gegenteil, beides passt sehr gut zusammen.

Auch Maxine ist beeindruckt. Vor allem von der Kommunikation im Container Store. Offen, transparent, gar nicht aufwendig und gleichzeitig sehr motivierend.

Nur ein Tag Arbeit in einem ungewohnten Umfeld, und die beiden Geschäftsführer sind voller neuer Impulse. Und mindestens genauso motiviert wie nach einem mehrtägigen Führungskräfteseminar.

Wir finden die Idee des Jobtauschs klasse! Sie ermöglicht den Teilnehmern, mit wenig Aufwand einen frischen Blick auf das eigene Tun zu entwickeln. Mit anderen Worten, sie ermöglicht das „vuja dé“ – das, was der Autor Bill Taylor als das Gegenteil vom „déja vu“ definiert. Déja vu beedeutet: Habe ich doch alles schon mal erlebt! Dagegen ist Vuja dé der Zustand, in dem man seine Branche, sein Unternehmen, seinen Job und sein Leben so betrachtet, als würde man sie zum ersten Mal sehen.

Unsere Überzeugung ist: Nur wenn wir aus der Umklammerung des Vertrauten heraustreten, nur wenn wir das Gewohnte hinterfragen, gelingt es uns, unsere intellektuellen Zwangsjacken abzustreifen, die uns mit der Zeit immer mehr einengen. Und nur dann haben wir eine Chance, das Gewohnte von innen heraus zu erneuern.

Das geht am leichtesten, wenn wir ganz bewusst in ein anderes Umfeld eintauchen. Durch einen Jobtausch oder durch Reisen, die uns mit dem Ungewohnten konfrontieren. Oder durch soziales Engagement oder durch ein Hobby, bei dem man ungewöhnliche Menschen trifft. Nicht um so zu werden wie sie – sondern um danach mit neuen Augen auf den eigenen Job und das eigene Leben zu schauen.

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