Basecamp – Reduziert auf das Maximum

Basecamp - ein großartiges kleines Unternehmen

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen wächst enorm, Ihre Produkte verkaufen sich sensationell gut, der Gewinn steigt stetig, der Kundenstamm wird immer größer und mehr noch: Die Kunden sind begeistert, Ihr Unternehmen hat echte Fans und die Unternehmensgründer genießen Kultstatus. – Was machen Sie?

Investieren, richtig?

MEHR Mitarbeiter.
MEHR Produkte.
MEHR Features.
MEHR Marktanteil.

In jedem Fall wachsen, wachsen, wachsen. Logisch! Das ist ein ganz normaler Reflex. Kriegskasse gefüllt? – Ab in die Schlacht und noch MEHR gewinnen. Alle machen das so. Die „Mehr-Ist-Besser-Philosophie“ ist quasi in die DNA unserer Gesellschaft eingeschrieben. Die ganze Wirtschaft ist so programmiert.

Die ganze Wirtschaft?
Nein!

Ein von unbeugsamen Querdenkern bevölkertes Software-Unternehmen hört nicht auf, diesem Prinzip Widerstand zu leisten … Basecamp in Chicago tickt komplett anders. Jason Fried, einer der beiden Gründer, sagte im Interview mit brandeins beispielsweise: „Die meisten Firmen kommen zu leicht an zu viel Geld heran und schmeißen es für Marketing und neue Stellen raus. Ich stelle lieber so wenige Leute wie möglich und so spät wie möglich ein.“

Und dieser Minimalismus ist Programm: Bei hunderttausenden von Kunden weltweit hat das Unternehmen gerade mal 43 Mitarbeiter, die alle in das eine Büro passen würden (wobei viele von zuhause aus arbeiten). Basecamp stattet seine Software-Produkte mit so wenigen Features wie möglich aus. Manager gibt es keine. Nicht nötig. Darüber haben wir schon mal berichtet.

Damals hieß das Unternehmen übrigens noch 37signals. Und hinter der Umbenennung steckt der neueste Coup – den wir bemerkenswert finden: Das Unternehmen beschloss, sich aufgrund des riesigen Erfolgs zu verkleinern.

Sie haben richtig gelesen.
ZU VERKLEINERN!

Dieser Entschluss ist geradezu unverschämt. Die Chicagoer behalten lediglich ein einziges Produkt, eben Basecamp, taufen ihre Firma auf den Namen dieses Produkts und stoßen alle anderen Softwareprodukte, die übrigens allesamt ebenfalls erfolgreich sind, nach und nach ab.

Und statt diese wertvollen Assets an die höchstbietenden Softwarekonzerne zu verscherbeln, geben sie die Produkte lieber in die Hände von Kollegen, die sie gut kennen und von denen sie wissen, dass dort die Kunden wiederum in guten Händen sind.

Basecamp ist total verrückt. Die machen in vielen Dingen genau das Gegenteil von dem, was alle tun würden. Und trotzdem sind sie enorm erfolgreich … Nicht trotzdem. Wir sind davon überzeugt: Gerade deswegen!

In einem hyperkompetitiven Markt, in dem es von aufgeblasenen und mit Features überladenen Produkten nur so wimmelt und in dem dann der nächste Wachstumsschub mit noch mehr Wagniskapital angeschoben wird, verzichtet Basecamp auf die goldene Nase – und besinnt sich auf’s Wesentliche: Ein tolles Produkt und zufriedene Kunden. Punkt. Das ist alles.

Übrigens: Wir sind deshalb so angetan von diesem Unternehmen, weil wir unsere eigenen Gedanken darin wiederfinden: Auch wir fahren ganz wunderbar ohne Chefbüro, ohne Akademie oder Institut, ohne persönliche Assistenten, ohne Lizenzprogramme und sonstigen Schnickschnack – und wollten es nie anders haben.

Erfolg durch Nicht-Übertrumpfen der Wettbewerber … das hat was!

***
-> Lesen Sie die Buchbesprechung „Meetings sind Gift“ von Basecamp-Gründer Jason Fried auf die „99 besten Wirtschaftsbücher“

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